# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S106 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 106 Dr. Hengstenberg über die Sclavenfrage. und also natürlich auch auf die sie herbeiführende Sclavenfrage zu reden. Mit Freuden ersehen wir daraus, daß dieser Theologe, der, obwohl mitten in der unirten Kirche, doch in vielen Stücken mehr Licht und ein richtigeres Urtheil besitzt als Hunderte von s. g. lutherischen Theologen, auch im Punkte der Sclaverei mit unseren hocherleuchteten, nüchternen, frommen Vätern übereinstimmt und den Muth hat, trotz aller scheelen Blicke des Zeitgeistes diese seine Ueberzeugung frei und unumwunden auszusprechen. Er sieht eben auch wohin diese Agitation eigentlich führt, und welcher widerchristlichen Strömung der Zeit sie angehört, was leider so viele hier am Ort, selbst solche die den lutherischen Namen führen, nicht erkennen. Ihnen zur Beschämung und Belehrung, der Wahrheit aber zum Steuer können wir nicht umhin, die gediegene Aussprache Hengstenbergs, wie sich dieselbe in der dritten Nummer der Ev. Kirchenzeitung findet, hier wörtlich folgen zu lassen: In den Vereinigten Staaten Nordamerika's ist die Spaltung zwischen dem sclavenhaltenden Süden und dem sclavenfreien Norden zum förmlichen und erbitterten Bürgerkriege fortgeschritten. Die christliche Ueberzeugung hat es vielfach für selbstverständlich gehalten, daß sie unbedingt für den Norden Partei ergreifen müsse. Auf der Genfer Versammlung der Evangelischen Allianz sagte Dr. Kerr aus Amerika: in der Bevölkerung des großen Westens habe die Ueberzeugung Raum gewonnen, daß es eine religiöse Pflicht sei, sich an dem gegenwärtigen Kriege zu betheiligen und drückte die Hoffnung aus, daß Gott die Aufrechterhaltung der Sclaverei nicht zulassen werde. Seine Auffassung der Verhältnisse ist durch einen Beschluß der Versammlung adoptirt worden. Der bekannte Amerikanische Theologe Beecher, der Mutterbruder Onkel Toms, hat den gegenwärtigen Krieg gradezu für einen Kreuzzug, einen heiligen Krieg erklärt, die Posaune des Krieges dürfe nicht ruhen bis der letzte Sclave befreit worden; es sei allerdings traurig, Bruderblut zu vergießen, aber das Fortbestehen der Sclaverei sei noch viel gräulicher. Wir können uns dieser Auffassung der Verhältnisse nicht anschließen, sind vielmehr der Ueberzeugung, daß bei der Sclavenfrage nicht minder wie bei Röm. 13. sich unter den Christen englisch redender Zunge eine bedeutende und bedenkliche Alteration der christlichen Anschauungen, eine Versetzung derselben mit Grundsätzen, die aus einem ganz anderen Boden entsprossen sind, geltend gemacht hat, und daß der Amerikanische Krieg eine traurige Folge dieser Versetzung und ein Gericht über dieselbe ist. Unruhige Agitation gegen die Sclaverei, Aufreizung der Sclaven zum Ungehorsam, Beförderung ihres Entlaufens, Gewaltmaßregeln zu ihrer Befreiung, das Stoßen in die Posaune eines heiligen Krieges, um dieselbe herbeizuführen, eines Krieges, in dem ein Methodistenprediger sich den Ruhm erworben hat, besser als alle Anderen Köpfe mit Einem Schlage abhauen zu können, Alles dies hat die heilige Schrift und ebenso die Geschichte, die Praxis der gesammten älteren christlichen Kirche, gegen sich. Es hat seinen letzten Grund in einer völlig unchristlichen Kreisen entsprungenen Anschauung,