# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S97 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VIII. April 1862. No. 4. Zur Lehre von der Uebertragung von Rechten und Pflichten des geistlichen Priesterthums. Die Lehre von der Uebertragung von Rechten und Pflichten des geistlichen Priesterthums der Gemeinde an das Pfarramt, die wir von unseren Lehrvätern überkommen haben und als einen Schatz richtiger Erkenntniß, als eine von der Kirche früherer Zeit uns anvertraute Wahrheit zu bewahren suchen, ist unseren Gegnern innerhalb der lutherischen Kirche ein Dorn im Auge, ein Pfahl im Fleische, ein Gegenstand der Verachtung und des Hasses, wie kaum eine andere der Lehren, in welchen die Einigkeit des Glaubens zwischen ihnen und uns gerissen ist. Diese Lehre ist in unserer Zeit innerhalb der lutherischen Kirche so „stinkend“ gemacht worden, daß selbst solche, die wir keineswegs für unsere Gegner halten möchten, das Odium, das ihr angeheftet worden ist, nicht überwinden können und zu den wunderlichsten Auswegen ihre Zuflucht nehmen, nur um sich von dem Verdachte, auch diese Lehre mit uns zu bekennen, zu reinigen. In dieser Ablehnung einer so verhaßten Lehre offenbart sich jedoch oft zugleich eine so gründliche Unkenntniß ihres wesentlichen Inhalts, daß man mit Bedauern das Bild tüchtiger Männer vor sich sieht, die mit großem Ernste und sittlicher Entrüstung „in die Luft streichen.“ Ein Beispiel zu dem Gesagten giebt uns das fünfte Heft des Lutherischen Synodalblattes, herausgegeben von R. Lohmann. Darin wird von Seiten der Herren Pastoren Crome und Ebert die genannte Lehre mit großer Verachtung zurückgewiesen und zwar mit dem Anspruche: die Lehre Luthers und der Symbole in diesem Punkte wissenschaftlich genau erkannt zu haben. Diese richtige wissenschaftliche Auffassung mußte uns entgehen, die wir an einer gewissen Rohheit unseres, durch „die Wissenschaft unserer Tage“ nicht cultivirten, Denkens leiden; denn, schreibt P. Crome, „wir dürfen uns nicht rühmen, den Inhalt der Lehre, den Luther selbst und die wirklichen bedeutenden Theologen neben und nach ihm uns darbieten, recht zu bemeistern, wenn wir uns nicht wenigstens befleißigen, den Boden des wissenschaftlichen Gedankens und Ausdrucks unserer Zeit zu beherrschen.“ Wenn wir nun aber sehen, daß was uns hier als Erwerb des wissenschaftlichen Denkens unserer Zeit dargeboten wird, nur durch Vernachlässigung des logischen Denkens zu Stande gekommen ist, dürfen wir doch