# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1862_S92 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 92 Litterarische Intelligenzen. den — oft von älteren Gemälden copirten — Miniaturbildern geschmückt, in Aquarell darzustellen und zu einem Album zu sammeln. Den Dienst, den uns die Musik bei den Liedern durch die Melodie leistet, thut im gegen⸗ wärtigen Kunstwerk uns die Malerei. So z. B. kann das kleine Lied: „Es ist ein Ros entsprungen,“ durch das Anhören der Composition von R. Prä⸗ torius, wie durch den Anblick des vorliegenden Kunstblattes, uns zu einem ganz neuen werden. Wir schauen das Kreuz; in die vier Winkel, die seine Arme bilden, sind vier Verse des Liedes geschrieben; die Ausläufer der vier Arme sind mit Miniaturen geziert; links „Marie die reine Magd“ mit dem Christkind, oben die Verkündigung, rechts die Anbetung der Könige, unten endlich ein crucifixus; aus dem Holz des Kreuzes aber entsprießt eine Rose, die den ganzen Stamm umrankt und sich auf seinem Mittelpunkt zu einer prächtigen Blume vollendet. — Die hübsche englische Sitte, den Tisch des großen Familienzimmers mit allerhand Büchern und Kupferwerken zu bele⸗ gen, scheint auch bei uns sich zu verbreiten. Neben einer Prachtbibel würde dies Werk in solcher Sammlung einen der ersten Plätze verdienen. Es dürfte auch ein liebliches Geschenk für eine Verlobte sein. Bei F. Schöningh in Paderborn erschien im vorigen Jahre: Die aller⸗ seligste Jungfrau Maria. Neue Studien über das Christenthum von August Nicolas. Aus dem Französischen übersetzt von Sylvester Hester. 1. Band. 2. Auflage. Daß der Verfasser, der französische Rechtsanwalt August Nicolas, ein in der römischen Kirche hochangesehener Mann sei, geht schon daraus hervor, daß der heilige Vater ihn für seine „philosophischen Studien über das Christenthum“ mit dem Pius-Orden geehrt hat, so wie daraus, daß seine Schriften zahlreiche Auflagen erlebten und sogar in viele fremde Sprachen übersetzt wurden. Er behandelt vornehmlich das Verhältniß Marias zu Gott, dem Vater, zu Jesu Christo und zu den Menschen. Er schreibt: „Er (Gott) konnte ihr sogar die Ausführung des Geheimnisses vollständig verheimlichen, so daß sie nur ein leidendes Werkzeug gewesen wäre; er konnte den zweiten Adam ebenso aus dem Weibe bilden, wie er das Weib aus dem ersten Adam gebildet hatte. Aber nein! bei Maria will Gott seine Oberherrschaft unter⸗ ordnen; er macht ihr seinen Vorschlag, unterzieht sich den Schwierigkeiten, welche seine Creatur ihm hätte machen können, und er⸗ wartet ihre Zustimmung. Man kann sogar bemerken, daß in diesem geheimnißvollen Rathe, zu welchem Maria mit den drei göttlichen Personen zugelassen wurde, diese nur einen einzigen Willen, so zu sagen, nur eine ein⸗ zige Stimme haben, weil sie Maria gegenüber nur einen einzigen Gott aus⸗ machen; so daß der Wille, die Stimme Marias schon allein den Rathschluß Gottes aufwiegt und den Himmel und die Erde in der Ungewißheit hält“ (S. 203). „Die Größe, welche der Vater ihr (der Maria) gab, als er sie zu seiner Braut erwählte und seiner Zeugung beigesellte, hat sie dankbar erwiedert, indem sie zur Unterordnung des Sohnes mitwirkte und so dem