# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1862_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kritik des Berichts der Siebenten Synode der aus Preußen ꝛc. 71 wie wenig Klarheit und Wahrheit! Also das, was die Christen zusammenfügt zu einer Gemeinde, Kirche, Leibe Christi, soll der göttliche Beruf sein, aber nicht „die freie Liebe". Das ist in der That so tiefsinniger Unsinn, als wenn man sagen wollte, daß der Baum Aepfel trägt, davon ist der Grund die Wurzel des Baumes, aber nicht die Blüthen. Die Sache ist ja so einfach, daß wirklich erst buffaloische Kunst dazu gehört, sie schwer, verwirrt und verkehrt zu machen. Der göttliche Beruf zündet nämlich den Glauben an, der vereinigt die Christen mit Christo; der Glaube erweist sich in der Liebe, und diese wahre, ungezwungene, und darum um so festere, freie, willige Liebe verbindet die Brüder unter einander, fügt sie unauflöslich zusammen. So fest der Glaube die Christen mit Christo, so fest verbindet die Liebe die Christen unter einander; so göttlich der Glaube, eben so göttlich die Liebe, denn beide kommen aus dem einen göttlichen Berufe. — Wenn Gr. sagt, wer das Zusammengehören der Christen auf die Liebe setzt, der setzt es auf etwas Menschliches, Veränderliches; so ist das eben nur eine von den gewöhnlichen grabauischen Entstellungen, indem er Tiedrich unterschiebt, derselbe meine unter „freier Liebe" die menschliche Willkür des alten Adams. — Meint Gr. vielleicht, daß er seine Synode besser zusammenhalten könne, wenn er auf den göttlichen Beruf pocht und auf die freie Liebe scheel sieht? Meint er, das sei Sünde, dem göttlichen Beruf ungehorsam sein, aber das sei weniger Sünde, gegen die Liebe handeln, aus Selbstsucht und Eigensinn sich trennen von einer Synode, und Secession machen? Aber so geht's, wenn einem der rechte Begriff, die rechte Erkenntniß von der Kirche fehlt, dann ist alles Handthieren und Bauen an derselben Pfuscherei. Dann hat man Angst vor der „freien Liebe" und wähnt, das sei ein zu freies, machtloses Ding, damit könne man die „Köpfe" nicht regieren; aber dunkele, confuse, dabei aber religiösklingende Redensarten würden die Gemüther eher in Furcht und Gehorsam halten. Gr.'s falsche Lehre von der Kirche ist bekannt genug, doch mag es nicht schaden, den innern Widerspruch derselben auch bei dieser Gelegenheit noch einmal etwas aufzudecken. Nach Gr. ist die Kirche, „ihrer Natur und Art nach", „eine öffentliche göttliche Zusammenfügung", „ein öffentlich kirchliches Zusammengehören". Diese öffentlich Zusammengefügten sind die, „welche Gott erwählt und verordnet hat zur Kindschaft," sie sind „der Leib Christi und die Fülle seiner Gnade und Wahrheit." Die Gemeinde zu Buffalo ist eine öffentliche göttliche Zusammenfügung, in dieser öffentlichen Gemeinde giebt es, wie in allen Gemeinden, Heuchler. Mithin sind auch diese Heuchler „erwählt," „der Leib Christi, die Fülle seiner Gnade und Wahrheit," denn sie sind ja öffentlich mit der Gemeinde zusammengefügt, gehören öffentlich kirchlich zusammen, und sind vielleicht auch scheinbar die allerfrömmsten und thätigsten Glieder. Ferner: unter Katholiken, Methodisten ꝛc. giebt es ohne Zweifel auch wahre Kinder Gottes, dieselben sind aber nicht erwählt, nicht Glieder am Leibe Christi, gehören nicht zur Kirche, denn sie sind keiner wah⸗