# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1862_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kritik des Berichts der Siebenten Synode der aus Preußen ꝛc. 67 Gott giebt sie nicht, die Menschen übertragen sie nicht, es ist also eine durch schändliche Revolution gestohlene Gewalt, ein wahrer Kirchenraub. — Im „Eröffnungswort" spricht P. Grabau vom Begriff einer Synode, und sagt: „Eine Synode ist nicht die wahre Kirche selbst, sondern eine Anzahl aus ihren Gliedern, die dazu ordentlich berufen sind. Der Beruf aber beabsichtigt eine Vertretung der Kirche, nicht der Köpfe, oder gar der vielen Sinne in den Köpfen; sondern den einigen und gemeinsamen Glauben der Kirche." Was ist nun die Kirche, wenn es nicht „Köpfe" sind, d. h. Menschen, die durch Christi Blut erkauft und durch den Glauben Glieder sind am Leibe Christi? Woher diese schnöde Bezeichnung der Christen als „Köpfe"? Hat der heil. Paulus seine Korinther, Galater ꝛc. auch „Köpfe" genannt? Ist Grabau kein „Kopf"? Sind die Herrn Präpositi und die andern geistlichen Herrn keine „Köpfe"? Oder sind ihre ordinirten Köpfe vielleicht besser als gemeine Christen⸗Köpfe? Haben diese nur dumme, höchstens zum Gehorsam taugliche Unterthanen⸗Köpfe, sie aber kluge, weise, gesalbte Herrscher⸗Häupter? — Zu sagen, daß eine Synode den Glauben der Kirche vertrete und nicht die Glieder derselben, „die Köpfe," ist ein Gedanke, der freilich nur einem sehr klugen Haupte entspringen konnte. Grabau macht da wieder einen sophistischen Betrug mit dem Worte „Vertretung," der wirklich meisterhaft in seiner Art ist. Denn den Glauben der Kirche vertritt freilich eine Synode, das ist ganz wahr, aber das ist ihr Geschäft, nicht die Synode selbst.*) Die Synode ist allemal nur eine Vertretung der Kirche, der Christen, und daß diese Christen Köpfe haben, das können sie nicht ändern. Auch sind auf den Synoden selbst allemal nur „Köpfe" versammelt, und oft gerade für den Glauben der Kirche die allergefährlichsten. Das ist eine unleugbare Thatsache. Grabau kann diese geniale Begriffserklärung einer Synode seinen Synodalbrüdern nicht tief genug einprägen, S. 6 wiederholt er nocheinmal: „derhalben können auch die beisitzenden Richter, die allein nach dem Worte Gottes richten sollen, zwar die Kirche, aus deren Noth sie berufen und versammelt sind, repräsentiren, aber nicht die Köpfe und Meinungen derer, von denen sie zum Concil gesandt sind." Wie mag sich Grabau ein solches Nicht⸗repräsentiren der Köpfe wohl vorstellen? Wir leben hier nicht, wie in Deutschland, in Landeskirchen, wo jeder Staatsbürger, ob gläubig oder nicht, ob ein Liebhaber des Worts oder ein öffentlicher Verächter desselben, Vertreter für die Synode wählen kann. Denn ein solches, von sogenannten „Volkskirchen" beschicktes Concilium, ist in der Regel eine Vertretung der Welt, der Feindin der Kirche. Und ich kann es begreifen, wie fromme Männer in Deutschland, die der Kirche Heil auf *) Grabau macht hier auch den Trugschluß der Aequivocation; weil nehmlich vertreten nicht nur an der Stelle jemandes stehen, sondern auch sich zu etwas bekennen bedeutet, setzt er die Vertretung der Personen und des Glaubens einander entgegen und auf diese Weise seine scharfsinnigen Herrn Confratres — in Verwirrung.