# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 61 Friedrich von Schmidt gethan hat, zeigt jedenfalls von Consequenz. denn allerdings muß der, welcher das Amt von der Ordination abhängig macht, wenn er nicht ein Schwachkopf oder aus Politik inconsequent ist, nothwendig auf die Lehre von der Amtssuccession der Episkopalen kommen. II. Ausland. Herzogthum Nassau. Seit einer Reihe von Jahren — so wird der Allg. Kirchenz. geschrieben — haben sich im Herzogthum Nassau nur wenige junge Leute dem Studium der evang. Theologie gewidmet; im Jahre 1860 hatte sich auch nicht ein einziger Candidat im theologischen Seminar zu Herborn eingefunden. Gegenwärtig haben sich wieder acht junge Leute zur Aufnahme in dasselbe gemeldet. Das jetzt im alten Vaterlande grassierende Kirchenverfassungs-Fieber hat auch Nassau ergriffen. Eine Deputation aber, die sich an den Herzog mit der Bitte um eine freiere Kirchenverfassung wendete, ist von dem Herzog höchst ungnädig aufgenommen worden. Der Herzog bemerkte ganz kurz: er sei der beste Protestant im Land und zugleich auch Summus episcopus; als solchem stehe ihm allein die Initiative zu in Kirchensachen, und er werde dieselbe ergreifen, wenn er die Zeit dazu gekommen erachte, darauf möge sich die Deputation verlassen und es abwarten; man möge sich auch der Theilnahme an Versammlungen enthalten, weil bei denselben nichts Gutes herauskomme; da werde immer nebenher Politik getrieben, wie man ja auch schon aus den Personen der aufgetretenen Redner gesehen habe. Hierauf entließ er die Laien und ermahnte dann die drei Geistlichen noch einmal besonders, ruhig zu warten und an Versammlungen nicht Theil zu nehmen. Pabst und Revolution. Folgendes lesen wir in der Allg. Kirchenz. vom 30. Nov. v. J.: Daß der Pabst nur da ein Feind der Revolution ist, wo dieselbe seine Interessen gefährdet, das ist eine Wahrheit, welche die Geschichte der alten, wie der neuen Zeit predigt und gegen welche die Räsonnements der Ultramontanen nichts beweisen. Diese Wahrheit tritt uns jetzt in der polnischen Revolution recht deutlich vor das Auge. Es ist bekannt, daß die polnische Revolutionspartei seit einem Jahre in Polen, besonders in dem russischen Theile desselben, Alles in Bewegung setzt, um das polnische Reich, wie es i. J. 1772 vor der bekannten Theilung desselben bestand, als ein unabhängiges, selbstständiges wieder aufzurichten. Etwa seit einem Jahre, ist die polnische Revolution im kirchlichen Gewande aufgetreten. Die katholische Geistlichkeit hat sich nicht mehr, wie früher damit begnügt, im Beichtstuhle das Volk gegen ihre Regierungen als Andersgläubige und Tyrannen mit Haß zu erfüllen und sie dadurch zum Aufstande vorzubereiten und aufzufordern, sondern sie hat die Revolution selbst in ihre Kirchen eingeführt. Die Kanzeln, die Altäre, die Gebete und Gesänge, Alles muß diesem Zwecke dienen. Fast täglich versammelt der Klerus seine Gläubigen zu patriotischen Andachten, indem er sie entweder revolutionäre Lieder anstimmen läßt, oder indem er Feste zu Ehren polnischer, im Kampfe für die Freiheit des Vaterlandes gefallener Heerführer, oder zu Ehren der als Opfer des gegenwärtigen Aufstandes gefallenen Insurgenten feiert. Man verlangt für solche Feste auch die äußerlichen festlichen Auszeichnungen, Schließung der Kaufläden, Anlegung von Trauerkleidern. Man insultirt diejenigen ruhigen Bürger, welche an diesen Demonstrationen nicht Antheil nehmen. Man veranstaltet massenhafte Prozessionen und Wallfahrten nach berühmten Wallfahrtsorten, um dort die wunderthätigen Bilder um Befreiung des Vaterlandes anzuflehen. Man errichtet colossale Kreuze mit dem Bildnisse des Heilands, welches in der Mitte zerrissen wird, um dadurch das Bild des zerrissenen Vaterlandes den Gläubigen recht deutlich vor Augen zu stellen. Und um diesen Fanatismus als über die ganze Bevölkerung verbreitet darzustellen, zwingt man die Protestanten, welche in geringer Zahl, und die Juden, welche sehr zahlreich in Polen wohnen, an diesen Festen auch in ihren Kirchen und Synagogen Antheil zu nehmen. Als endlich die russische Regierung diesen kirchlich revolutionären Demonstrationen länger nicht mehr ruhig zusehen konnte, sondern zuletzt in mehreren Kirchen Warschau's einschritt, erklärte der katholische Klerus dieß für eine Kirchenschändung und weigerte sich, ferner in diesen Kirchen Gottesdienst zu halten, offenbar in der Absicht, durch Aufhebung des öffentlichen Gottesdienstes das Volk ebenso zur Rebellion zu bewegen, wie dies im Mittelalter der Fall war, wenn der