# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 60 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. mag hingehen, daß man das aber mit einem Menschenhirten thut, ist eine unverantwortliche Leichtfertigkeit. Wen man mit gutem Gewissen noch nicht ordiniren kann, den sollte man auch nicht licensiren. Mit Seelen ist nicht zu scherzen. Wenn der Apostel schreibt: „Die Hände lege niemand bald auf, mache dich auch nicht theilhastig fremder Sünden,“ so handeln die ebenso dagegen, welche Unbewährte licensiren, wie die, welche sie ordiniren; denn nicht um der Hände willen macht man sich fremder Sünden theilhaftig, wenn man untüchtige Subjecte ordinirt, sondern um der Seelen willen, die man ihnen anvertraut und die sie verwahrlosen und verführen. Dr. Brownson. Dieser bekannte papistische, vielgefeierte americanische Literat ist in seinem Review mit einer Lehre aufgetreten, welche die Ewigkeit der Höllenstrafen untergräbt. Der „Wahrheitsfreund für kath. Leben ꝛc.“ in Cincinnati hat daher den Kampf gegen ihn aufgenommen. U. A. enthält die Nummer vom 19. December v. J. eine gute Kritik der Brownsonschen Theorie. Pater Passaglia. Je höher einst dieses italienischen Theologen Werk von der „unbefleckten Empfängniß“ als ein classisches Meisterwerk gefeiert wurde, für um so miserabler wird jetzt desselben Verfassers Schrift „Pro causa italica“ (für die italienische Sache) erklärt, worin derselbe gegen die Nothwendigkeit der weltlichen Herrschaft des Pabstes und für die Einheit Italiens kämpft. Der „Wahrheitsfreund“ berichtet: „Aus den Papieren, die in seiner Wohnung sequestrirt wurden, geht hervor, daß er schon lange mit Cavour und Lord Russel über die Art und Weise, dem Pabste die weltliche Herrschaft zu rauben, im Briefwechsel gestanden.“ Chiliastische Geographie. In den „Zeichen der Zeit“ wird eine Karte zum Verkaufe ausgeboten, welche folgendermaßen bezeichnet wird: „Prophetische Karte der Türkei und der angrenzenden Länder, ein Beitrag zur Lösung der orientalischen Frage.“ Sie soll die Veränderung geographisch darstellen, welche nach der Weissagung mit dem Oriente vorgehen müsse, zugleich solle sie zur Beantwortung der immer brennender werdenden Frage beitragen, was mit der heutigen Türkei werden solle. Die Karte umfaßt 7 Reiche: das heilige Land, Assyrien, Armenien, Egypten (und Africa), das griechische Kaiserthum, Reich der untern Donau und Italien. Die angebliche Begründung für diese Eintheilung ist in besonderen Randbemerkungen beigefügt. Revolution und Neuglaube. Im Amerikanischen Botschafter vom Monat Januar lesen wir in einem Artikel mit der Ueberschrift: „Warum wir Krieg führen,“ Folgendes: „Daß Völker ein Recht haben, ihre bürgerliche Regierung zu ändern, daß es also auch ein Recht der Revolution gibt, wird heutzutage ziemlich allgemein zugestanden.“ Es ist in der That seltsam, daß ein Blatt, welches gerade das Allgemeinchristliche vertreten will, einem solchen neuen unbiblischen, zeitgeistischen Grundsatz das Wort redet. Uebrigens erklärt sich das Blatt in wunderlicher Inconsequenz nichts desto weniger selbst gegen die Berechtigung des Südens zu Secession. Zwar setzt es eben deßwegen hinzu: „Aber dieß Recht muß doch, wie jedes andere, von der Moral gerechtfertigt sein,“ dieß ist jedoch eine Einschränkung vermittelst einer Petitio Principii. Was die falsche Lehre vom Amt für Frucht brachte. An den Redacteur des luth. Kirchenboten schreibt ein gewesener Zögling des Gettysburger Seminars, früher Prediger innerhalb der luth. Kirche, nun aber Katechet der Episkopalkirche Folgendes: „Ferner wäre es mir nicht lieb, wenn irgend jemand auch nur denken könnte, daß ich je die von Hrn. Prof. Walther neu erfundene (sic!) Lehre von Kirche und Amt auch nur auf einige Monate gebilliget hätte. Ich habe wohl in der Lehre von der Kirche auf eine kurze Zeit in einigen Puncten nachgegeben (was ich herzlich bereue), doch nimmermehr in der Lehre vom Amt. In Bezug auf letztere bat ich nur um Bedenkzeit. Doch es fiel mir nie ein, an der Richtigkeit der Buffaloer Ansicht“ (allerdings ist die Buffaloer Lehre nur eine Ansicht) „zu zweifeln. Vielmehr ward mir in der erbetenen Zeit klar, daß ich noch einen Schritt weiter gehen, und die Anschauung“ (allerdings ist auch die Lehre der Episkopalen nur eine „Anschauung“) „der Episkopal-Kirche acceptiren mußte, was ich denn auch gethan habe.“ (S. Kirchenb. vom dritten Jan.) Der „Schritt weiter,“ den dieser Herr