# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 Das neue Zeitblatt über uns arme Missourier. Kirchenregiments unter uns, daß Beichtanmeldung und die von Christo Matth. 18, 15—17. gebotene Kirchenzucht bei uns im Schwange geht — zwei Stücke, die, wenn auch nicht zum Sein, so doch zum Wohlsein, zum christlichen und kirchlichen Wohlstande der Gemeinde unleugbar gehören. Ist das nicht fein „amerikanisirt?“ Ich achte, manche unsrer Amtsbrüder in den lutherischen Landeskirchen drüben, die auch in und für ihre Gemeinden leben und denen es ernstlich anliegt, daß ihre Gemeinden auch hierin immer mehr eine gesunde christliche Gestalt gewinnen, wären herzlich froh, wenn sie es soweit hätten. Allein es ist nicht eben unerhört, daß ihr Kirchenregiment, nämlich das staatskirchliche Consistorium, hin und her stößige Böcke ihrer Gemeinden, die sich aus guten Gründen wider die Beichtanmeldung sperren, wider ihre gewissenhaften Pastoren in Schutz nehme. Was aber die Ausübung der Kirchenzucht bis zum letzten Grade, nämlich bis zur Ausschließung des öffentlichen, unbußfertigen Sünders betrifft, so ist dieses, jeder einzelnen Ortsgemeinde, nach Matth. 18, 17. eigentlich und wesentlich zustehende Recht und Macht ohne Einwilligung der Gemeinden, denselben von dem landesherrlichen Kirchenregiment geradezu genommen und den Consistorien zur Verwaltung übergeben. Von diesem Kirchenregiment ist also das des göttlichen Wortes drüben verfassungsmäßig so kläglich untertreten, daß keine Gemeinde aus dem Zustande der Unmündigkeit herauskommen und durch die Lehre des göttlichen Wortes allmählig lernen und soweit heranwachsen kann, die brüderliche Bestrafung oder die christliche Kirchenzucht, bis, wo nöthig, auch zum Banne, selbst auszuüben. Ist das nicht fein evangelisirt oder lutheranisirt? — Zum Fünften erweist das Wort Gottes unter unsern so bedenklich und gefährlich „amerikanisirten“ Gemeinden seine Kraft auch darin, daß sie durch freie Liebesgaben nicht nur ihre eigenen Pastoren und Schullehrer, sondern auch die Professoren ihrer vier kirchlichen Lehranstalten und dazu viele arme gottselige und begabte Knaben und Jünglinge auf diesen ihren Schulen erhalten und die nöthigen Gebäude dazu errichten und nach Nothdurft erweitern. Zum Sechsten ist auch das eine liebliche Wirkung des göttlichen Wortes unter uns, daß aus unsern eigenen Gemeinden immer mehr solche Knaben und Jünglinge vom Herrn erweckt werden, für den dereinstigen Dienst der Kirche, als Pastoren oder Schullehrer, unter Einwilligung ihrer Eltern oder Pfleger sich vorbilden zu lassen, obgleich sie wissen, daß sie hier zu Lande in jedem bürgerlichen Beruf durchschnittlich mehr Geld und gute Tage und weniger Arbeit und Kreuz haben würden. Summa, es ist ein herrlich Ding um das unverkümmerte Kirchenregiment des göttlichen Worts; und mit so viel Mängeln und Unvollkommenheit, Schwächen und Gebrechen wir auch rings umgeben und bedeckt sind, und so viel Kampf, Trübsal und Kreuz wir auch von dem unartigen Fleisch dieser und jener unsrer Kirchkinder haben, die diesem Kirchenregiment widerstreben, so sind wir „amerikanisirten“ lutherischen Pastoren von