# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 08_S94 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) großem brennenden Eifer und ungewöhnlicher Un⸗ erſchrockenheit Sünde und Irrthum ſtraft. Hieraus wird es nun hoffentlich unſeren Leſern klar ſein, daß man aus ſolchen und ähnlichen Stellen, wie: „Chriſtus iſt der Weinſtock“ ꝛc. nicht beweiſen könne, daß das Wort „iſt“ in der hei⸗ ligen Schrift jemals ſo viel heiße als „bedeutet“. Der Hauptigrund iſt, um es kurz zu wiederholen, dieſer, weil in jenen Stellen nicht von einem eigentlichen Weinſtock und Felſen, und nicht von einer eigentlichen Thür, und nicht von dem eigent⸗ lichen Elias die Rede iſt, ſondern alle dieſe Worte in einer neuen, veränderten (tropiſchen), bild⸗ lichen, uneigentlichen Bedeutung gebraucht wer⸗ den. So gewiß es nun iſt, daß Chriſtus frei⸗ lich das nicht iſt, was die Worte Weinſtock, Fels, und Thür nach ihrem eigentlichen Sinne anzeigen, ſo gewiß iſt es jedoch, daß Chriſtus das, was dieſe Worte im tropiſchen Sinne heißen, nicht bloß bedeutet, ſondern wirklich iſt; daß nem⸗ lich Chriſtus der göttliche Weinſtock, die Him⸗ mels⸗Thür und der geiſtliche Fels, und Jo⸗ hannes ein zweiter Elias (d. i, wie Lucä 1, 17. erklärt wird, ein Mann „im Geiſt und Kraft Eliä“) wirklich iſt. Das Wörtlein „iſt“ ſteht alſo in der heiligen Schrift immer feſt; wo daher die heilige Schrift irgend ſagt, daß eine Sache dies oder jenes iſt, ſo können wir uns auch feſt und ohne Zweifel darauf verlaſſen. Was wäre auch die heilige Schrift, könnte man ſich auf dieſes Wörtchen nicht verlaſſen? Dann ſtünde keine, auch nicht Eine darin geoffenbarte Wahrheit feſt; vergeblich ſtünde dann in der Bibel: Es iſt ein Gott, es iſt ein Gericht, es iſt eine Hölle, es iſt ein Him⸗ mel, Chriſtus iſt Gottes Sohn u. ſ. w.; denn könnte „iſt“ für „bedeutet“ genommen werden, wer könnte es dann hindern, daß ein ungläubiger Schriftausleger auch aus Gott, Gericht, Hölle, Himmel, Gottes Sohn ꝛc. lauter leere Bedeutun⸗ gen machte? So ſteht denn das Wörtlein „iſt“ auch in den Worten feſt: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut.“ Die einzige Frage, welche in Betreff dieſer Worte entſtehen kann, iſt daher: ſollten etwa die Worte „Leib und Blut“ einen Tropus enthalten, das heißt, uneigentlich zu ver⸗ ſtehen ſein? — Davon in nächſter Nummer. Aufklärung in den Urwäldern. In der Stadt Hermann in Miſſouri kommt ſeit einiger Zeit ein Blatt heraus unter dem Titel „Lichtfreund“. Dieſes Blatt hat ſchon viel dazu beigetragen, daß es in den hieſigen Urwäl⸗ dern immer lichter geworden iſt. Noch vor wenig Monaten wurde darin höchſt ſcharfſinnig ausein⸗ andergeſetzt, warum ein Aufgeklärter jetzt nicht mehr an die Himmelfahrt Chriſti glauben könne; aus dem einfachen Grunde nemlich, weil ja nach den neueren Entdeckungen in dem Gebiete der Phyſik oder Naturlehre der Körper ſchwe⸗ rer ſei als die Luft! — Wer erſtaunt nicht über die reißenden Fortſchritte, welche hiernach der ferne Weſten in der Aufklärung gemacht hat?? 9⁴ Wer hätte in der Vorzeit daran gedacht, daß ſich die Lehre von der Himmelfahrt Chriſti ſo leicht widerlegen laſſe, obgleich, wie nun freilich jeder einſieht, der Gegenbeweis ſo nahe liegt? In der neueſten Nummer des genannten Blat⸗ tes findet ſich ſchon wieder eine Probe, wie wir hier hinten vielleicht bald ſelbſt dem Oſten voran⸗ geeilt ſein werden, und daß es gar nicht mehr unwahrſcheinlich iſt, daß in Zukunft die Sonne hier im Weſten früher aufgehen werde, als im Oſten. Wir achten, wir ſind es der Welt ſchul⸗ dig, zu Weiterverbreitung der hier zur Zeit mitten in der Nacht aufgehenden Lichtfunken auch unſer geringes Blatt zu benutzen. In No. 21 des „Lichtfreunds“ heißt es nemlich alſo: „Es iſt wohl ſchon dieſem und jenem der Leſer unſeres Blattes bekannt, daß es ſchon frühe neben den uns in der jetzigen Sammlung chriſtlicher Schriften als Evangelien oder Lebensbeſchreibun⸗ gen übergebenen, noch andere gab, welche ver⸗ breitet waren, die man aber als unecht und untergeſchoben bezeichnete, und von der Sammlung der chriſtlichen Schriften, wie wir ſie jetzt kennen, ausſchloß.“ Nachdem nun Herr Lichtfreund hierauf die be⸗ kannten Mährchen von der Geburt Mariä und von der Kindheit Chriſti ſeinen aufzuklärenden Leſern mitgetheilt hat, ſo ſetzt er hinzu: „Die Orthodoxen ſollen ja nicht über die ſo eben mitgetheilten Erklärungen ſtolz lächeln, denn ſie ſind nicht mehr und nicht weniger glaubhaft“ (obgleich man ſie ſchon anfänglich als unecht und untergeſchoben bezeichnete ?!), „als alle die ähn⸗ lichen Wundererzählungen im neuen Teſtament, an welche doch die überwiegende Mehrzahl der Chriſten ſteif und feſt glaubt. Würden dieſe erwähnten Evangelien mit ihren Mähr⸗ chen in die chriſtliche Sammlung von Schriften mit aufgenommen worden ſein, es könnte nicht fehlen, daß man ſie ebenfalls als Gottes Wort betrach— tete, woran zu zweifeln nur Hölle und Verdammniß nach ſich ziehen könne.“ In Zeiten, wo man noch nicht ſo aufgeklärt war, wie jetzt weſtlich vom Miſſiſſippi, hätte man vielleicht in ſolchen Beweisführungen eine Petitio principii gefunden (wie wenn jemand ſpräche: Wäre dieſe Lüge wahr, ſo würde es vielleicht. — Menſchen geben, die ſelbſt dieſe Lüge glaubten!); ſonſt hätte man daher vielleicht bei Leſung ſolcher Sachen ausgerufen: O sancta simplicitas] Wir hoffen jedoch von dem „aufgeklärten“ Theile un⸗ ſerer Leſer, daß ſie nicht verfehlen werden, ſich über dieſe Beweiſe zu wundern, daß es ſeit Fort⸗ führung des magnetiſchen Telegraphen bis jenſeit des Miſſiſſippi auch hier nicht wenig „Hell⸗ ſehende“ gibt. (Eingeſandt.) Aufruf zu einer Miſſions⸗Compagnie nach Oregon. Wenn wir die heidniſche Indianer⸗-Welt des Weſtens überblicken, ſo ſcheint es uns aus fol⸗ genden Gründen das Rathſamſte, daß unſere Miſſion ſich zunächſt nach Oregon wende. Oregon, vom 42. Gr. bis zum 49. Gr., iſt ein Theil des Ländergebietes der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika. Es beſteht dort bereits eine proviſoriſche Regierung, und es ſind gegründete Ausſichten vorhanden, daß in Kurzem daſelbſt eine geordnete Territorial⸗Regierung errichtet wird. Poſtſtraßen dahin werden bereits angelegt und wahrſcheinlich wird auch noch in anderer Weiſe für die Verbindung mit Oregon geſorgt werden. Demnach würde eine Miſſionscolonie in Oregon theils eine regelmäßige Verbindung mit den Al⸗ lantiſchen Staaten, theils einen rechtlichen Schutz gegen etwaige räuberiſche Ueberfälle genießen, welches beides im Miſſouri⸗Territorium in dem Maaße nicht Statt finden würde. Wie wichtig es aber iſt, wenn die Miſſions⸗Colon ie eine in⸗ nige Gemeinſchaft mit der übrigen ev.⸗lutheriſchen Kirche unterhalten kann, bedarf keines Beweiſes. Außerdem iſt die Lage von Oregon beachtens⸗ werth. Am ſtillen Meere gelegen, mit Häfen und Flüſſen wohl verſehen, ſcheint dasſelbe menſch⸗ lichen Ausſichten nach beſtimmt, im Laufe der Zeit der Sitz eines bedeutenden Handels zu wer⸗ den. Dieſes iſt wohl der Grund, weshalb bereits eine nicht unbedeutende Auswanderung alljähr⸗ lich dahin ſtrͤömt. Nicht lange möchte es währen, daß auch Deutſche in immer größern Zügen den Amerikanern folgen und ſich dort anſiedeln. Faſſen wir dieſes näher ins Auge. Wir wollen uns damit keinesweges in eiteln Vorſpiegelungen über die Zukunft ergehen; wir wiſſen, die Zukunft iſt des HErm. Allein eben ſo gewiß iſt es auc, daß wir nicht bloß für die Gegenwart leben und arbeiten ſollen, ſondern daß die chriſtliche Kirche auch mit mütterlicher Sorgfalt der Geſchlechter der Zukunft gedenken muß. Und ſo ſprechen wit denn die Hoffnung aus, daß eine in Oregon er⸗ richtete ev.⸗lutheriſche Miſſions⸗-Colonie in der Hand des HErrn das Mittel ſein dürfte, nicht bloß den heidniſchen Indianern das Heil zu brin⸗ gen, ſondern auch den dort ſich anſiedelnden Deutſchen kirchliche Pflege zu gewähren. Auch möchte die lutheriſche Kirche von da aus im Stande ſein, in größern Kreiſen für die Aus⸗ breitung des Reiches Gottes zu wirken. Die Zahl der Indianer wird auf 20—30,000 geſchätzt.“) Unter ihnen haben die Römiſchen ö *) Die Angabe der Bevölkerung Oregons, ſowohl was die Eingebornen, als was die Eingewanderten betrifft, ha: ben wir bisher ſo verſchieden gefunden, daß wir gegenwärtig kaum entſcheiden mögen, welches auch nur die ungefähr richtige Angabe ſei. In einer der letzten Nummern dis „Anzeiger des Weſtens“ leſen wir Folgendes: „Aus dem Oregongebiet iſt letzthin der methodiſtiſche Miſſionär Geo. Gary zurückgekehrt. Die ganze Bevölkerung des Landes, amerikaniſche Emigranten, franzöſiſche Canadier, Leute von der Hudſon Compagnie und eingeborne Indianer, ſoll aus nicht mehr, als 78000 Köpfen beſtehen. (2) In Oregon Cith ſelbſt leben ungefähr 500 Bewohner; die Stadt — Aſtoria hat nur ſechs Wohnhäuſer und vier wriße Fanl⸗ lien, Vancouver Island ungefähr zwanzig weißt Bewoh⸗ ner; die meiſten jedoch leben im Willam ette Thale, welchts als der Garten des Landes betrachtet wird. Da jeder Ein⸗ wanderer 640 Acker Land für ſich in Anſpruch nimmt und höchſtens nur ein Drittheil von ihnen verheirathet iſt, ſo! ergiebt es ſich von ſelbſt, daß die Bevölkerung dünn und weit auseinander geſchoben iſt. Fehden mit den Indianemn ſind immer noch häufig. A. d. R.