# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das neue Zeitblatt über uns arme Missouriee. 49 durch partheihalterische Abstimmung, noch die Träger des kirchlichen Lehramts, gleichsam als mittelnde Priester zwischen Christo und seiner Gemeinde durch irgendwelche hierarchische Machtsprüche haben bei uns, sonderlich in Sachen der Lehre und Zucht, die also den Glauben und das Gewissen betreffen, das Kirchenregiment, sondern allein das göttliche Wort, wie das Bekenntniß der Kirche es uns darlegt und auslegt. Dem göttlichen Worte das oberherrliche und oberrichterliche Ansehen und die alleinige Geltung in dem Herzen, Verstande und Gewissen unsrer Kirchkinder zu verschaffen, daran setzen wir alle Mühe und Fleiß auch in den Versammlungen der Repräsentativ⸗Gemeinden „in aller Geduld und Lehre.“ Und was ist die Frucht dieser Arbeit? Gar mancherlei, was keinesweges einen „amerikanisirten“ Zuschnitt, sondern ein wahrhaft christliches, also auch lutherisches Gepräge trägt und was schwerlich die staatskirchlichen oder romanisirenden Prediger der lutherischen Kirche Deutschlands in ihren Gemeinden, als solchen, aufzuweisen haben. Zum Ersten nämlich besteht durchschnittlich in unsern Gemeinden, zumal den älteren, das rechte christliche Verhältniß zwischen Lehrern und Hörern, den Hirten und den ihnen befohlenen Heerden Christi. Wie jene diese zugleich als ihre Kirchkinder und ihre Brüder in Christo anschauen und behandeln, so wiederum erkennen die Gemeindeglieder ihre Pastoren als Botschafter an Christi Statt, als Haushalter über Gottes Geheimnisse, als Engel des HErrn Zebaoth, und doch zugleich auch als ihre Brüder in Christo an und verhalten sich eben so ehrerbietig als vertraulich gegen sie; und weder eine knechtische Furcht, als vor Kirchherrn mit des Papstes Bannstrahl oder dem weltlichen Strafarm des Landesfürsten im Hintergrunde, noch eine falsche, eine bürgerlich⸗demokratische Gleichstellung, wo nicht gar Ueberhebung ist bei uns der herrschende Typus. Zum Andern haben wir eben durch die Arbeit des göttliche Wortes theils von dem Predigtstuhl und in der Katechismuslehre, theils in der Pflege der einzelnen Seelen durchschnittlich in unsern Gemeinden größere oder kleinere Häuflein ernster gründlicher Christen, die in der Furcht Gottes wandeln, ihren Glauben an Christum vorzugsweise durch fröhliches Bekenntniß des Mundes auch wider Christi Feinde und durch Werke der brüderlichen und allgemeinen Liebe beweisen, mit ihrer reichern christlichen Erkenntniß und Erfahrung in und außer den Gemeinde⸗Versammlungen ihren schwächeren Brüdern dienen und ihnen mit gottseligem Exempel in der Ausrichtung ihres kirchlichen, bürgerlichen und häuslichen Berufs voranleuchten. Zum Dritten steht es also in unsern Gemeinden, daß nicht nur selbstverständlich die schwächeren aufrichtigen Christen, sondern auch die Heuchler und heimlichen Feinde Christi und seines Worts, doch in der Furcht und Zucht des göttlichen Wortes stehen und sich nicht dawider einzeln oder haufenweise offenbarlich empören und auch durch die Scheu vor jenen ernsten und reiferen Christen in heilsamen Schranken gehalten werden. Zum Vierten ist auch dies eine Frucht des Wortes Gottes und seines 4