# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 46 Das neue Zeitblatt über uns arme Missourier. in den romanisirenden Theologen? Woher diese merkwürdige Unklarheit und babylonische Begriffs- und Sprachverwirrung in der Lehre von Kirche und Amt, Kirchenregiment und Kirchenordnung u. s. w.? Woher dieser seltsame Enthusiasmus für das Staatskirchenthum und was deß mehr ist, was sich doch alles für gut lutherisch ausgiebt? Antwort: Daher, daß unsre dermalige liebe Mutterkirche in Deutschland, nachdem Gott Gnade gegeben und die Herrschaft des groben Rationalismus durch das Wiederaufleuchten seines Evangeliums gebrochen hatte, sich nicht zu unsrer gemeinsamen Mutterkirche, nämlich der der Lutherischen Reformation, zurückgewendet hat; denn dieser hatte Gott, sonderlich in Luthers Schriften, unleugbar ein viel helleres und reicheres evangelisches Licht in der Erkenntniß der christlichen Lehre aus Gnaden geschenkt, als unsre ganze Zeit aufzuweisen hat. Es ist also Gottes gerechte Strafe für diese hochmüthige Geringschätzung und Nichtbenutzung jenes reichen evangelischen Lichtes, daß dermalen so vielerlei Irrlichter in unsrer lieben deutschen Mutterkirche aufflackern und die unvorsichtigen Wanderer in den Sumpf spediren. Damit hängt denn auch zusammen, daß so viele heutige lutherische Theologen, sie seien Pastoren oder academische Lehrer, keine einfältige Pietät gegen unsre symbolischen Bücher haben, so viel Gepränge sie mit ihnen gelegentlich treiben oder sie gar als Aushängeschild mißbrauchen, hinter dem sie ihre Fündlein einzuschmuggeln suchen. Es fehlt eben an der ungeheuchelten Zustimmung zu dem Wortlaut ihres Zeugnisses, da wo sie eigentlich bekennen und lehren auf Grund der Schrift und zugleich die papistische und schwärmerische Lehre verwerfen. Da tragen denn die mancherlei Wankel- und Flattergeister mitten in unsrer lieben deutschen Mutterkirche keine Scheu, je nach ihrem besondern Enthusiasmus und vorgefaßter Meinung, den einfältigen Wortlaut des kirchlichen Bekenntnisses durch allerlei Künste darauf zu ziehen, zu dehnen und zu deuteln, daß es dem Unkundigen endlich erscheint, als werde ihr Fündlein von dem Bekenntniß selber kirchlich sanctionirt. Ist aber der Wortlaut des Bekenntnisses wider solche Deutelei zu spröde, so gebrauchen sie wohl Gewaltstreiche und behaupten, es sei hier nicht bekennender Weise geredet und stellen sich dann als Fortbildner und Erweiterer des Bekenntnisses dar. Summa, bei so bewandten Umständen haben wir es denn, wir Lutheraner aus der Missouri-Synode, für das Gerathenste und Heilsamste erachtet, nicht in hoffärtigem Dünkel, das helle evangelische Licht unsrer wahren Mutterkirche zu verachten, sondern uns zu den Füßen unsrer rechtgläubigen Lehrväter aus dem sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderte niederzusetzen und als ihre gehorsamen Söhne und lernbegierige Schüler, die reine Lehre des göttlichen Wortes von ihnen zu lernen. Und dadurch erlangen wir durch Gottes Gnade je länger je mehr „das köstliche Ding“, nämlich „das feste Herz, das sich nicht mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben läßt“. Dadurch sind wir denn auch bis daher aus Gnaden bewahrt geblieben — und der barmherzige Gott helfe ferner dazu — sowohl vor der trügerischen