# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S45 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das neue Zeitblatt über uns arme Missourier. 45 sie eine buntzusammengeflickte Musterkarte unter lutherischem Namen und dazu allerlei antilutherischen Uebels voll ist, als da ist, grober und feiner Rationalismus, kirchlicher und fürstlicher Papismus, Unionismus, pietistischer Confessionismus oder umgekehrt und was deß mehr ist. Das Schlimmste aber ist, daß diese unsre sogenannte Mutterkirche Deutschlands die Stimmen der wenigen treuen Söhne der wahren Mutterkirche der lutherischen Reformation nicht mehr hört und zu Herzen nimmt, sondern sie vornehm belächelt und verächtlich bei Seite legt. Es ergeht eben diesen treuen Zeugen und Propheten, wie dem Jeremia und Hesekiel, die auch von ihrem eigenen Volke angepfiffen und verlacht wurden, indeß die elenden betrogenen Leute den falschen Propheten mit Haufen wie Wasser zusielen. So sitzen denn auch jetzt offenbar falsche Lehrer mit Ehren und Würden in lutherischen academischen Lehrstühlen und betrügen und verderben als echte Falschmünzer und Giftmischer die studirenden Jünglinge, die künftigen Hirten und Lehrer des Volks; und niemand fragt darnach. So predigen Jahr aus Jahr ein falsche Prediger auf den Kanzeln ihres Herzens Gedanken und Täuscherei, aber nicht Christum den Gekreuzigten, und halten die Unbekehrten in der Gewalt des Unglaubens und in den Stricken des Teufels gefangen, indeß sie zugleich den Gläubigen ihre Nahrung entziehen. Jahrzehnte lang sind sie Diebe und Mörder der von Christo theuer erkauften Seelen; und niemand fragt darnach. Fürwahr aus diesem schrecklichen und herrschenden Verfall der Lehrzucht in den lutherischen Landeskirchen ist es unwidersprechlich klar, daß die wahre Macht und Geltung des kirchlichen Bekenntnisses auch kläglich dahingefallen und eine todte Form in ihnen geworden ist. Wo ist da die wahre Mutterkirche, die Kirche der Lutherischen Reformation? Freilich gab es auch in ihr Schäden und Gebrechen, ja selbst gröbere Aergernisse hin und her, wie denn die Kirche Christi überhaupt allezeit damit bedeckt ist und auch darin die Kreuzesgestalt trägt. Allein das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, wurde damals wider Freund und Feind gar anders geführt und die Macht des kirchlichen Bekenntnisses und die strafende Lehrzucht war damals eine gar andere, als heut' zu Tage, wo Irrthum und Lüge in den öffentlichen Lehrern der Kirche wider die Wahrheit weit und breit einsitzt, geduldet, ja genährt und geehrt wird und förmliche Berechtigung erhält; denn an pantheistischer Vergötterung dieser und jener natürlichen Gaben und Kräfte, dieser und jener partiellen Gelehrsamkeit, an Ehre geben und nehmen, an Menschelei und Liebedienerei, kurz an dem Cultus des Genius und der amtlichen Stellung fehlt es auch unsrer lieben deutschen Mutterkirche dermalen gar nicht, sondern sie hat eher einen Ueberfluß daran und mischt auf gut pietistisch das Persönlein gern in die Sache hinein. Woher aber all' dies Elend, dieses Chaos verschiedener Lehrmeinungen, dieses Aushecken eigener Fündlein in den philosophirenden Theologen, dieses Aufwärmen und Geltendmachen längst überwundener papistischen Irrthümer