# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 43 (Eingesandt von Dr. Sihler.) Das neue Zeitblatt über uns arme Missourier. Herr Pastor Münkel, der Redacteur dieser Zeitschrift, schreibt in No. 33. bei Gelegenheit der Verwendung der milden Beiträge für lutherische Glaubensgenossen aus dem „Mecklenburger Gotteskasten“ über uns Lutheraner aus der Missouri-Synode also: „Hoffnungsreicher und darum näher liegend (als die Lutheraner zu Paris, von denen eben die Rede gewesen) möchte das ferne Nord-America sein. Es war eine Zeit, wo zwischen den dortigen ausgewanderten Deutschen der Missouri-Synode und den heimischen Lutheranern ein innigeres Verhältniß bestand. Seitdem haben wir unsre Brüder etwas aus den Augen verloren, weil ihre Mundart vielen sehr americanisirt und die Aussprache sehr scharf und beinahe schrillend zu sein schien. Man nahm es der jungen Pflanzung übel, daß sie etwas selbstgenügsam auf die Mutterkirche herabsah, mitten in ihren Lehrjahren.“ Der schärfste Tadel nun, den zwar Herr Pastor Münkel mit schonender Milde mehr aus anderem als seinem eigenen Munde ausspricht und gleichsam geschichtlich berichtet, ist unleugbar in dem letzten Satze enthalten, den wir also zuerst betrachten wollen. Da ist aber sogleich die wichtigste Frage, wer denn eigentlich für uns herübergewanderte deutsche Lutheraner unsre „Mutterkirche“ sei. Unstreitig wird nun drüben durchschnittlich die in verschiedenen deutschen Landen zu Recht bestehende lutherische Kirche darunter verstanden, der, eben als solcher, auch von den verschiedenen weltlichen Landesherren, wenigstens formeller Weise, ihr Bekenntniß gewahrt ist; und insofern wir von der lutherischen Kirche in diesem oder jenem Lande oder Staate durch die Taufe und den Glauben geistlich geboren wurden, wollen wir sie auch gern als unsre liebe Mutter anerkennen, lieben und ehren. Wenn aber zugleich gesagt ist, daß wir als „eine junge Pflanzung noch mitten in unsern Lehrjahren“ uns befinden, was auch völlig wahr ist, so entsteht nun die Frage, ob „die Mutterkirche“, die uns bereits nach unsrer Taufe in die Lehre genommen hat und mit mütterlicher Liebe es ferner thun sollte, die lutherische Kirche der Gegenwart in den deutschen Landen sei. Darauf können wir auch mit Ja antworten, sofern nämlich diese Kirche, herrschender Weise, sowohl auf den Kanzeln, als auf den academischen Lehrstühlen und in ihren Predigt-, Lehr- und Erbauungsbüchern, sowie auch in ihren gelehrten theologischen Schriften von unsrem rechtgläubigem Bekenntniß getragen und durchdrungen ist und bekenntnißwidrige Lehre mit gebührendem Ernste straft. Aber wo ist denn in Deutschland diese lutherische „Mutterkirche“ des gegenwärtigen Geschlechts, aus deren Brüsten wir, als „die jetzt gebornen Kindlein, mit Begierde die vernünftige lautere Milch“ saugen könnten und aus deren Speisekammer uns, falls wir „mitten in unsren Lehrjahren“ schon hinreichende Verdauungskraft hätten, „starke Speise“ gereicht würde? Es geschähe uns gewiß ein großer Liebesdienst, wenn uns „diese Mutterkirche“ namhaft gemacht würde. Denn bis jetzt können wir sie weder in dem letzt-