# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 Vorwort zu Jahrgang 1862. geringsten Dienste thun. Wir begehren keinen größeren Ruhm, sondern achten uns nicht werth, der Kirche auch nur diesen Dienst zu thun; und danken Gott demüthigst, daß Er uns desselben nach Seiner großen Gnade bisher gewürdigt und denselben auch — wir könnten dafür, wenn es frommte, viele Zeugnisse anführen — hier und in Deutschland über Bitten und Verstehen gesegnet hat. Aber, wird uns Herr Pastor Fengler entgegnen, wir tadeln ja nicht sowohl dies, daß ihr nur die alte lutherische Lehre wiedergebet, als vielmehr, daß ihr „auch selbst das Alte nicht neu aus euch herausgebet,“ sondern die Alten in einer Menge Citaten fast immer selbst reden lasset. Hierauf diene noch Folgendes zur Antwort. Es ist leider Sache vielfältiger Erfahrung, daß jetzt mitten in unserer Kirche eine große Menge Schreiber mit dem Anspruch auftreten, nichts als das Alte, dieses nur in einem neuen Kleide, in klarerer, accuraterer und tieferer Entwicklung, den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Zeit entsprechender, mit richtigerem, ja mit dem, jüngst erst aufgefundenen, allein richtigen „Schriftbeweis“ neu aus sich heraus zu geben; die aber unter diesem Anspruch eine durchaus neue Lehre, eine vollkommen neue Religion in die Kirche einführen. Bei manchen mag dies auf eigner Täuschung beruhen, bei anderen ist es aber offenbar die Anwendung einer fraus pia. Letztere achten die lutherische Kirche für ein schönes, altes, festes, den Stürmen der Zeit trotzendes gothisches Gebäude; sie meinen daher, es wäre doch Schade, dasselbe niederzureißen und einen weniger festen, auf dem Volksbewußtsein noch nicht ruhenden Bau in neuem Style zu errichten, und achten es für das gerathenste, so viel als möglich von dem alten Mauer- und Sparrwerk, den alten Namen, die alten Ceremonieen, den alten Schmuck, die alten Dotirungen zu behalten, nur eine bessere Lehre, ein System, in welchem alle Wissenschaften versöhnt sind, das daher auch einer philosophisch gebildeten Welt endlich munden müsse, solle von nun an von der Canzel des alten ehrwürdigen Domes erschallen. Mit dieser Classe von Theologen wollen wir unvermengt bleiben. Es ist uns ein Ernst damit, wenn wir sagen, daß wir die Lehre der alten lutherischen Kirche für die Lehre der wahren Kirche halten und keine andere bringen wollen. Das wollen wir denn u. A. auch damit beweisen, daß wir unsere Väter so oft selbst reden lassen. Hierzu kommt, daß gegenwärtig eine furchtbare Verwirrung, Unklarheit und Unkenntniß dessen, was eigentlich lutherisch ist, herrscht, daher es namentlich von unserer Seite, denen man als armseligen Dilettanten immer mit großem Mißtrauen entgegen kommt, sehr unweislich gethan sein würde, wenn wir in der Absicht, die wahre lutherische Lehre, für die noch vielfach eine gewisse Pietät unter den Theologen und noch mehr unter unserem Volk zurückgeblieben ist, wieder zur Geltung zu bringen, dieselbe nur in unseren eigenen Worten darstellen und etwa aus Hochmuth unsere Gewährsmänner und Lehrer nicht selbst reden lassen wollten. Wir sind fest überzeugt, könnten wir auch die reine lutherische Lehre noch adäquater und eindringlicher darstel⸗