# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1862. 39 es; die Kirche erscheint als ein atomistischer Haufe; anstatt der alten Einheit des Glaubens herrscht eine wohl kaum je dagewesene Uneinigkeit, eine wahrhaft babylonische Verwirrung der Sprache und des Glaubens; auch die preußisch-lutherische Kirche zeichnet sich in dieser Beziehung nur wenig vor den lutherischen Landeskirchen aus, wie gerade in den jüngst ausgebrochenen Zerwürfnissen über Kirchenregiment und den damit zusammenhängenden Lehren zum Erstaunen derer grell genug an den Tag getreten ist, die nicht schon vorher sahen, daß die preußisch-lutherische Kirche mehr durch die gemeinsame Negation der preußischen Union, als durch positive Einheit lutherischen Glaubens und lutherischer Lehre zusammengehalten werde. Selbst die neue Zeitschrift, von welcher Pastor Fengler redet, obgleich allerdings das Meiste in derselben mit Geschick, Lebendigkeit und Parrhesie geschrieben ist, verleugnet die Zustände der kirchlichen Gemeinschaft, innerhalb welcher sie geboren wurde, keineswegs. Neben der reinen Lehre der Kirche macht sich darin viel allerdings ganz Neues, Eigenes, schöpferisch Entstandenes geltend. Wir meinen aber, die preußisch-lutherische Kirche sollte sich zu Herzen nehmen, was Herr Dr. Münkel, von jener Conferenz der preußischen Lutheraner in Berlin als ein gewesenes Glied der conferirenden Commission zurückkehrend, am Schlusse seines Berichts schreibt: „Sie hat am wenigsten die Aufgabe, Fortschritte und Neubildungen in der Lehre zu versuchen; jeder bedeutende Versuch der Art bedroht sie auch mit der Gefahr einer Spaltung.“ Wollte Gott, die preußisch-lutherische Kirche hätte sich mehr in unserer Weise, man verzeihe uns diese nur hoffärtig klingende Aeußerung, in die Schriften unserer alten treuen Kirchenlehrer, namentlich Luthers, vertieft und daraus mitgetheilt, was sie darin fand, so würde sie ohne Zweifel anders gediehen sein und nicht jetzt an einem Abgrund stehen, der sie zu verschlingen droht. Ja, wird sie nicht demüthig erst von unseren Vätern im Glauben lernen und dann erst lehren und schöpferisch thätig sein wollen, so ist ihr Schicksal besiegelt, sie wird als ein Tröpflein in dem Meer der großen neuen Kirche endlich verschwinden, für die man den alten lutherischen Namen (wie die römische den katholischen, die unirte den evangelischen, die rationalistische den protestantischen) endlich ausschließlich in Anspruch nimmt und die alte treulutherische Kirche als eine „Secte“ von sich ausstößt. Sei dem aber, wie ihm wolle, wir Missourier fühlen keinen anderen Beruf in uns, als den, die Schätze unserer alten wahrhaft reformirten Kirche, nachdem sie lange als ein todtes Capital in unseren ererbten Bibliotheken nutzlos gelegen haben, wo sie nicht ein hundertjähriger Vandalismus gar als werthlose Maculatur bereits zerstört hat, wieder hervorzuholen, sie uns durch ernstes unablässiges Studium unter herzlichem Gebete um erleuchtete Augen von oben zu eigen zu machen, und dann der Kirche mit dem so gewonnenen Pfunde zu dienen. Gilt das in unserer gelehrten, geistreichen, neuschöpferischen Zeit für eine niedere Arbeit, für einen geringen Handlangerdienst — wohlan! so lasse man uns geringe Missourier der Kirche diese