# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Vorwort zu Jahrgang 1862. 1860. S. 241 ff.) So schreibt ein Mann, der selbst folgendes Urtheil über die Theologie unserer Zeit fällt: „Mit der dilettantenhaften Vielseitigkeit und Beweglichkeit unserer Wissenschaft geht Hand in Hand ein Mangel an Wahrheitssinn und an Menschenverstand, an logischer Energie, an Ursprünglichkeit der Auffassung, an metallinischem Guß der Darstellung, der doch wohl zu den trüben Zeichen der Zeit gehört. Unsre Theologie tritt in die alexandrinische Periode.“ (A. a. O. S. 247.) Wir müssen daher hierbei ausrufen: „Geschieht dies am grünen Holz, was will am dürren werden?“ Erklärt ein lutherischer Theolog unserer Zeit, wie Kahnis, daß die alte lutherische Theologie in Betreff der Artikel von der Inspiration der Schrift, von der Dreieinigkeit, von der Person Christi, von der Wirkung der Sacramente, von der Erbsünde und dem freien Willen einer Reformation bedürfe, was werden wir dann noch von der alten lutherischen Theologie in den Schriften unserer neueren Theologen zu suchen haben? Höchstens einige Bausteine; der Bau selbst ist niedergerissen. Nun wollen wir uns zwar herzlich freuen und haben wir uns immer herzlich gefreut, wo wir von den neueren Theologen irgend einen alten goldenen, silbernen, diamantenen Baustein besser zugerichtet und richtiger eingefügt finden, aber in dem ganzen neuen Bau mit seinem zum Theil erschütterten Grunde und mit seinem zum großen Theil in Holz-, Heu- und Stoppel-Werk aufgeführten Mauern können wir nimmer wohnen; durch Gottes bewahrende Gnade wird uns vielmehr niemand bewegen, den alten Bau zu verlassen, darin unsere Seele Sicherheit vor Gottes Zorn, Gericht und Hölle und vor den umtreibenden Winden der mancherlei und fremden Lehren gefunden hat. Nachdem Pastor Fengler in Ehlers' Zeitblatt an uns Missouriern die Ausstellung gemacht hat, daß wir „verhältnißmäßig wenig Eigenes“ liefern, nicht „schaffen,“ bricht er in die Worte aus: „Gott sei Dank, daß es da doch in Deutschland und auch bei uns noch besser steht.. Gott sei Dank. Jüngst ist bei uns eine neue Zeitschrift gegründet worden. Und selbst die Gegner werden sagen müssen, Hand und Fuß hat das Meiste, was darin steht.“ Hierauf müssen wir antworten, daß wir den Schreibern in Deutschland, auch manchen in der preußisch-lutherischen Kirche willig den Ruhm zugestehen, daß sie gelehrtere und geistreichere Schreiber sind, in deren schriftlichen Erzeugnissen sich herrlichere Gaben spiegeln, als womit wir armen Missourier in unseren kümmerlichen Anfangszuständen begnadet sind. Wir suchen uns dies weder zu verbergen, noch werden wir bei Gewahrung der tiefen Stufe, auf welcher wir in dieser Beziehung unter Deutschland stehen, mit Neid erfüllt; wir achten vielmehr die unserer vaterländischen Kirche verliehenen großen Gaben hoch und werth und freuen uns derselben als solcher, die den Leib zieren, dessen Glieder wir sind. Aber wir müssen doch fragen: was ist die Frucht davon, daß allerdings unsere vaterländische Kirche der Vorwurf nicht trifft, „verhältnißmäßig wenig Eigenes“ geliefert, nicht „geschaffen“ zu haben? — Kaum theologische Schulen haben sich erhalten; so viel Theologen Deutschland hat, so viel Theologieen hat