# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Vorwort zu Jahrgang 1862. für Regeneration zu nehmen sein) „dieser Lehren aus der Schrift *).. Die aus dem Lager der Vermittlungstheologie ausgegangene Bestimmung Jesu Christi als der persönlichen Spitze der Menschheit, die im Wesentlichen auf den urbildlichen Menschen im Sinne Schleiermacher's hinauskommt, trägt eine große Wahrheit in sich, bringt es aber nicht zu einem Heilande, zu dem der Christ anbetend sprechen kann, wie die Schrift lehrt und fordert: Mein Herr und mein Gott. Andrerseits ist es besonders durch Thomasius klar geworden, daß die altkirchliche Theorie von einer göttlichen Persönlichkeit, die als Mensch im Vollgebrauche“ (sollte zugleich heißen: Vollbesitze!) „ihrer göttlichen Eigenschaften und Kräfte bleibt, es weder zu einer persönlichen Einheit noch zu einer wahrhaft menschlichen Lebensentwicklung Christi kommen läßt. In jener Erhebung des Menschen Jesu zum generellen Menschensohne, in dieser Entäußerung des Gottessohnes liegen die Prämissen zu einer nicht blos tieferen und lebendigeren, sondern auch biblischeren Erfassung der Person Christi.**) Was die Reformatoren zur augustinischen Lehre von der Sünde und Gnade führte, war der Protest gegen die Werkgerechtigkeit ihres Zeitalters, welcher die Frucht einer tieferen Heilserfahrung und der Versenkung in die Schrift insonderheit Pauli war. Daß aber die augustinische Lehre von der Alles in Allem wirkenden Gnade ihre Schatten hat, das zeigte die Charybde der Prädestination, deren verhängnißvollem Wirbel sich Calvin in seiner doctrinären Verstandesconsequenz preisgab, während die deutsche Reformation sie glücklich umschiffte.. Wenn man aber in der Polemik gegen die calvinische Prädestination offen aussprach, daß die Ablehnung des Heils ihren Grund in dem menschlichen Willen habe, so konnte man sich um so weniger verhehlen, daß diese negative Bestimmung eine positive fordere, als man sich sagen mußte, daß wenn doch nur der Glaube zum Heile führt, der bis ans Ende beharrt, dieses Beharren aber nicht ohne Mitwirken des Menschen denkbar ist, Anerkennung eines menschlichen Factors als Bedingung des Heils unvermeidlich sei. Es kommt hier die ganze Einseitigkeit der Prädestinationslehre zu Tage, die, gesetzt daß (!) das Ergreifen des Heils nur Werk der Gnade ist, vergißt, daß nur der gekrönt wird, welcher recht kämpft, somit also, da doch wohl Kämpfen auch ein Thun des Menschen einschließt, das Seine mitthut.“***) Wie aber die augustinische *) Also selbst über die reine Lehre von der heil. Dreieinigkeit ist der Kampf innerhalb der rechtgläubigen Kirche nicht ausgekämpft, die Acten sind noch nicht geschlossen, der jetzigen gelehrten Theologie war es vorbehalten, der Kirche darüber endlich den rechten Begriff aus der Schrift zu vermitteln! Die Idee von ökumenischen Symbolen war ein süßer Traum! L. u. W. **) Welchen Anlauf die Theorie Thomasius' in diesem Puncte zu einer „biblischeren“ Fassung nimmt, ist schon in früheren Heften dieser Zeitschrift gezeigt worden, einen solchen nehmlich, der uns consequenter Weise endlich den Trost nimmt, daß Gott für uns gelebt und gelitten hat. L. u. W. ***) Der sonst so scharfsinnige Mann scheint gar nicht daran zu denken, daß die Schrift erstlich sagt: „Wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, denn sein Same bleibet