# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1862. 35 verdammte alte Ketzerei entgegen. Oder sind etwa die neuen angeblich richtigeren Darstellungen der Lehren von der Inspiration, von Christi Person, von der Wirkung der Sacramente, von Kirche und Kirchenverfassung, von Amt und Ordination, von den letzten Dingen, von dem Zustande nach dem Tode u. s. w. etwas anderes? Wir wollen hier einen Mann reden lassen, in dessen Publicationen wir sonst nicht wenige Goldkörner theurer Wahrheiten mit Freuden gefunden haben, Professor Dr. Kahnis, der aber nichts desto weniger schreibt: „Der Protestantismus steht und fällt mit dem Grundsatze von der alleinigen Auctorität der Schrift. Unabhängig aber ist dieser Grundsatz von der Inspirationslehre der alten Dogmatik. Sie wieder aufzunehmen wie sie war, kann nur mit Verhärtung gegen die Wahrheit geschehen.. Im Begriffe des Sacramentes läßt das Wort, welches die Substanz bildet, die den Sacramenten inwohnende Kraft nicht zu vollem Rechte kommen. Dies tritt besonders im Sacramente des Abendmahls hervor, in welchem nach altlutherischer Lehre nicht der Leib Christi, den es mittheilt, sondern das Wort von Vergebung der Sünden, dessen Unterpfand der Leib Christi ist, das Hauptstück ist.. Diese, das Wesen der Sacramente constituirende Mittheilung Gottes ist es, die in der altkirchlichen Theorie vom verbum visibile nicht ihren erschöpfenden Ausdruck gefunden hat. Was ferner die ökumenischen Lehren von der Dreieinigkeit und Gottmenschheit Christi betrifft, so hat unser Bekenntniß sie aufgenommen, nicht um der kirchlichen Auctorität willen, auf der sie ruhen, sondern ihrer Schriftgemäßheit wegen. Es ist aber Thatsache, daß die Reformatoren, die principgemäß in die Aneignung des objectiven Heils den Mittelpunct des Christenthums setzten, die Dogmen, welche das objective Heil constituiren, d. h. Dreieinigkeit, Person und Werk Christi, ohne tiefere Schriftvermittlung aus der Tradition nahmen.*) So gewiß nun ist, daß das nicänische Dogma von der Dreieinigkeit und das chalcedonische von der persönlichen Einheit einer göttlichen und einer menschlichen Natur in Christo die guten Zeichen ihrer Zeit für sich hatten, so kann doch einem Protestanten, der in dem geschichtlichen Erfolge, den sie gefunden haben, ein Gottesurtheil über ihr Recht zu finden geneigt wäre, schon der Dogmenhistoriker sagen, daß sich bei keinem Kirchenvater der drei ersten Jahrhunderte eine der nicänischen Fassung entsprechende Lehre von der Dreieinigkeit nachweisen läßt, die chalcedonische Einheit aber beider Naturen lange der Zankapfel widerstrebender Richtungen war. Das Princip des Protestantismus fordert und doppelt in einer Zeit, welche reichere Mittel zum Verständnisse der Schrift hat und weitere, freiere und tiefere Geistesblicke als die Väterzeit, eine erneute Reproduction“ (dürfte wohl als Euphemismus *) Ein Beweis, wie sich die Kirche der Reformation zur wahren rechtgläubigen Kirche ihrer Vergangenheit stellte. Was Gott dieser geschenkt hatte, das nahm jene an als eine ihr bereits überantwortete Beilage, ohne Gott nöthigen zu wollen, daß er sie, auch wenn sie das gegebene als noch nicht gegebenes ansähe und behandelte und den gegangenen Weg voraussetzungslos noch einmal ginge, an demselben oder an einem noch besseren oder höheren Ziele ankommen lassen müsse. L. u. W.