# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Vorwort zu Jahrgang 1862. daher jetzt Lehren als Lehren unserer Kirche vorgelegt, gegen welche unsere Kirche in ihren Symbolen und in den Schriften ihrer besten Söhne als gegen antichristische Irrthümer mit aller Macht gekämpft hat, und mit welchem ungeheuchelten Abscheu werden jetzt selbst Lehren als durchaus unlutherische, unkirchliche, als schwarmgeisterische oder auch als papistische Irrlehren zurückgewiesen, die doch fundamentale Lehren der lutherischen Kirchenreformation sind! Welche Arbeit wird es daher erst noch kosten, ehe die reine Lehre, wie sie vor dreihundert Jahren wieder an den Tag gefördert worden ist, ein Gemeingut auch nur der stimmführenden lutherischen Theologen wieder geworden ist, und zwar zunächst nur der Kenntniß nach! Welche Veränderung muß erst vor sich gehen, ehe unsere lutherischen Theologen und Prediger im Ganzen es nur der Mühe werth achten, sich wenigstens Luther's Schriften anzuschaffen und sie zu studiren! Welch ein furchtbares Zeichen dieser allerdings zu etwas Besserem erwachten Zeit ist es, daß Tausende von Exemplaren der Erlangenschen Werke Luther's auf dem Lager vermodern und daß das Werk aus Mangel an Nachfrage noch immer unvollendet geblieben ist! Vergeblich schreiben Männer wie Thomasius: „Wir haben seit einiger Zeit, und mit Recht, wieder angefangen, auf unsere älteren Dogmatiker zurückzugehen; aber wir werden wohl thun, uns noch mehr als bisher in den Mann zu vertiefen, in dessen Herzen das Blut des evangelischen Glaubens am wärmsten und lebendigsten pulsirte; aus Luther ist, wie mich dünkt, noch unendlich Viel für die Neubelebung und Erfrischung unserer Dogmatik, von welcher man neuerdings gesagt hat, „„daß sie etwas kalt zu werden beginne,““ zu gewinnen.“ (Christi Person und Werk. Erster Theil. S. V. VI.) Vergeblich legt ein Mann wie Rudelbach das Zeugniß ab: „Luther recapitulirt in sich mehr als ein halbes Jahrtausend und präformirt zugleich die säcularische Entwickelung der Folgezeit.“ (Zeitschrift 1857. S. 381.) Wir sind keinesweges blind und undankbar gegen die allerdings nicht unbeträchtliche Ausbeute der unermüdlichen Arbeit unserer Zeit auch auf dem theologischen Gebiete. Wir achten, was in neuerer Zeit für bessere Kenntniß der heiligen Sprachen, für Aufhellung der Geschichte der Kirche, für Lösung exegetischer Schwierigkeiten *) u. s. w. geleistet ist, werth und hoch. Niemand kann mit größerer Dankbarkeit und mit innigerer Freude jede neue tiefere Begründung und weitere richtige Entwickelung einer alten Wahrheit aus der Schrift gewahren und sich aneignen, als wir selbst. Nichts desto weniger aber finden wir meist Gelegenheit, gerade vor der „schöpferischen Thätigkeit“ unserer Zeit uns zu entsetzen. Was uns als ein neuer Fund angepriesen wird, befinden wir meist sehr zweifelhaften, verdächtigen Characters, ja nur zu oft tritt uns darin nichts anderes, als ein alter Irrthum in einem neuen Kleide, eine neu aufgeputzte längst widerlegte und von der Kirche *) Obwohl selbst ein Winer bekennen muß: „Der Streit unter den Exegeten hat gewöhnlich wieder auf das Verständniß, welches die prot. Kirche früher (in ihrer Anfangsperiode) festgehalten, als auf das richtige hingeführt.“ (Grammatik ꝛc. 3. Aufl. Vorr.)