# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1862_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VIII. Februar 1862. No. 2. Vorwort zu Jahrgang 1862. (Schluß.) Vielleicht leugnet niemand, daß die Kirche der Gegenwart sich das immer anzueignen und als eine theure Beilage zu bewahren hat, was der Kirche der Vergangenheit, ihrer Mutter, bereits an Schätzen der Erkenntniß, an Aufschlüssen über den Schriftinhalt von Gott aus Gnaden verliehen worden ist. Hat sich nun etwa die Kirche unserer Zeit bereits alles angeeignet, was die hinter ihr liegende durch Gottes Gnade erarbeitet hat? — Es ist leider Thatsache, daß nur wenige selbst von denen, welche an dem Bau der Kirche auch im Allgemeinen mit Theil nehmen wollen, die classische Litteratur unserer Kirche in ihren gesegnetsten Tagen, worin die Lehre derselben am tiefsten begründet, am deutlichsten entwickelt, am schlagendsten vertheidigt und der entgegenstehende Irrthum am gewaltigsten entwaffnet und in seiner Blöße dargestellt ist, auch nur kennen, geschweige daß viele diese inhaltreichen Schriftwerke, oder doch das eine oder andere in jeder der verschiedenen Disciplinen, welches unter denselben etwa instar omnium dienen kann, wirklich studirt und das darin Niedergelegte sich zu eigen gemacht haben sollten. Man begnügt sich damit, dies und jenes, vielleicht noch dazu aus seinem Zusammenhange gerissenes, Citat gelesen zu haben, und meint dann in seinem Scharfsinn das ganze Lehrgebäude überschauen und kritisiren zu können. Die meisten neueren Theologen sehen es offenbar für eine Hauptaufgabe an, alles in einer hohen philosophischen Sprache und nach einer durchaus abstracten Anschauungsweise darzustellen, wodurch oft auch ihre trivialsten Gedanken und ihre ärgsten Paralogismen als hohe Weisheit erscheinen. Die Folge davon ist u. a. auch die, daß viele meinen, wenn sie mit der Phraseologie der Gelehrten umspringen können, nun auch zu den Orakeln der Zeit zu gehören, und daß namentlich die jüngeren Theologen vor den Schriften unserer alten, obwohl gründlich gelehrten, aber dabei demüthigen, nur die Erbauung der Kirche suchenden Lehrer als vor einer losen Speise ekelt. Da sie darin alles sogleich dem Wortlaut nach verstehen, so meinen sie, daß sie auch alles längst gewußt haben. Eine andere Folge ist daher, daß oft Rationalisten, wie ein Carl Hase und ein Benedict Winer, die Lehre unserer Kirche besser kennen und richtiger darstellen, als Theologen, welche beanspruchen, sie nicht nur, wie jene, historisch zu referiren, sondern sie als ihre Vertreter wiederzugeben. Mit welcher Dreistigkeit werden