# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Gesagten werden unsre Leser erkennen, daß wir mit der Translokation des Seminars Fort Wayne keineswegs zufrieden sind. Wir können aber gegenwärtig nichts machen und werden wahrscheinlich eben so wenig machen können, wenn etwa die Sache ihren gefürchteten Verlauf wird genommen haben.“ — Hierzu erlauben wir uns nur die Bemerkung, daß, sollte je unsere Synode wider die Uebergabsbedingung dem praktischen Seminar seinen Charakter nicht wahren wollen, dies dann ebenso die gefürchteten Folgen haben würde, wenn dasselbe auch nicht mit dem Concordia-Seminar local vereinigt wäre. Wir sind aber überzeugt, daß, so lange unsere Synode der luth. Kirche, deren Lehre und Geiste treu bleibt, nicht die mindeste Gefahr vorhanden ist, daß sie das praktische Seminar in seinem eigenthümlichen Wesen zu verändern je gelüsten werde. Päpstlicher Segen per Telegraph. Am 14. Mai v. J. schickte eine katholische Gesellschaft in Berlin dem gegenwärtigen Papst eine Gratulation zu seinem Geburtstage per Telegraph zu, am Tage darauf ertheilte derselbe der Gesellschaft dafür ebenfalls per Telegraph den „apostolischen Segen“, unterzeichnet: Cardinal Antonelli. Schweden. Ueber die Kirche dieses Landes berichtete ein Schwede, Namens Welinder, auf der im Juli v. J. in Christiania stattfindenden Conferenz von Predigern und Laien aus Schweden, Norwegen und Dänemark u. A. Folgendes: „Die Secten sind im Abnehmen. Die Aufhebung des Pfarrbannes wurde von der Regierung bewilligt. Aber diese Freiheit, nach der so Viele gerufen hatten, wurde von wenigern benutzt, als man erwartet hatte. Doch hat sie den Vortheil gebracht, daß sie die separatistischen Gelüste vielfach verhinderten. — Ein Gesetz über Dissenterfreiheit ist gegeben worden. Es enthält jedoch große Beschränkungen, so daß noch keine eigentliche Dissentergemeinde in Schweden aufkommen konnte... Wir müssen aber auch die Schattenseiten der schwedischen Kirche hervorheben. Das soll uns zur Demuth und Fürbitte treiben. Auf den Universitäten hat sich eine Philosophie entwickelt, welche in scharfem Gegensatz gegen das Christenthum steht. Unglauben macht sich auch in der Literatur Raum, ein gewisser Kramer hält für das höchste die Sittenlehre, er folgt der Tübinger Schule und suchte sogar die Vielweiberei zu vertheidigen.“ Der hinkende Bote in Oestreich. Kirchlicher Gesinnte in Oestreich stimmen nicht durchweg in den Jubel ein, der jetzt über die in Oestreich gewährte kirchliche Freiheit erhoben wird. Ein Correspondent der Allgem. Kirchenzeitung schreibt d. d. October v. J.: „Es hat fast den Anschein, als ob der Kirche nur einzelne Zugeständnisse gemacht, den Gegnern alles Kirchenwesens aber das ganze Terrain eingeräumt würde. Da stehen alle Confessionen auf gleicher Höhe, auch die nicht-christlichen; da wird uns das Kuckucksei der Civilehe dargereicht, die Schule wird von der Kirche getrennt, — Uebel, welche unter weit kostbareren Gütern mit in den Kauf gegeben werden. Es erscheint das Ganze fast als eine Transaction zwischen Christus und Belial, und wenn das Gesetz so durchgeht, wie es vorliegt, müssen die Gläubigen und kirchlich Gesinnten sich in neuen Bahnen bewegen lernen und der Abfall von der Kirche wird in dieser besinnungslosen Zeit ein rasender. Und mag dasselbe Gesetz für die Evangelischen auch gelten, wir sind z. B. in Bezug auf die Mischehen vor der Proselytenmacherei der Ultramontanen doch nicht sicher gestellt. — Inzwischen machen wir uns jene Freiheit zu nutze, die uns durch das Patent vom 8. April zu Theil ward. Ueberall bilden sich neue Gemeinden. Besonders lebendig ist es in Böhmen. In Schlesien ist es besonders die Gemeinde Kleinbressl, welche nun bald von der indolenten Tyrannei ihres früheren Pfarrers erlöst sein dürfte. — Als am 14. Octbr. Dr. Lipsius aus Leipzig und Dr. Vogel aus Jena öffentlich in die ev. theol. Facultät Wien's eintraten, führte der Decan derselben Dr. Schimko die Rede aus: Die Vernunft allein bestimme den Sinn der Schrift; an die symbolischen Bücher könne man sich jetzt nicht mehr binden, durch die Resultate der neuesten Forschungen, besonders aber durch den Aufschwung der Naturwissenschaften, sei man über den Standpunct der Reformatoren weit hinausgekommen.“ Wo solche Menschen am Ruder sitzen, da ist freilich völlige Freiheit ein sehr zweideutiges Gut. Tod. Am 24. Juni v. J. starb Missionar Wendtlandt auf Emlalazi im Zululande nach längerem Hinsiechen an der Schwindsucht. Derselbe stand bekanntlich früher im Dienst der Leipziger Missionsgesellschaft in Ostindien, trat aber später in den Dienst der Hermannsburger. Vor seiner Missionsthätigkeit war er Conrector in Uelzen in Hannover. Prof. v. Zezschwitz in Leipzig hat sich die Entlassung von seinen Aemtern erbeten, um sich in der ländlichen und geistlichen Zurückgezogenheit von Neuendettelsau in Bayern und in nur litterarischer Beschäftigung von einer tiefgehenden Angegriffenheit zu erholen.