# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 29 II. Ausland. Eine neue Secte. Am 20. Juni v. J. hielten eine Anzahl von Männern aus Würtemberg, Baiern und Baden einen Convent zum Zweck einer Vorberathung für die dritte Synode der „Freunde Jerusalems“ auf dem Kirschenhardthofe. Die Versammlung entschied sich für sofortige Gründung des deutschen Tempels, wie sie ihre Vereinigung nennen, worüber folgende Urkunde aufgenommen wurde: Angesichts der allgemeinen Zerrüttung der Menschen, die ihre Ursache darin hat, daß keine der bestehenden Kirchen die Herstellung des Heiligthums für alle Völker zu Jerusalem anstrebt, erklären wir Unterzeichnete unsre Lossagung von Babylon, das heißt von den bestehenden Kirchen und Secten, und verbinden uns zur Herstellung des deutschen Tempels zur Ausführung des Gesetzes, des Evangeliums und der Weissagung (mit 64 Unterschriften, die der Mitglieder der Gemeinde Kirschenhardthof mit eingeschlossen). Zur Einrichtung des deutschen Tempels wurde die Einsetzung eines Bischofs und eines Rathes von Aeltesten für das ganze Land nothwendig erachtet und vollzogen. Das Bischofsamt übernahm Chr. Hoffmann; der Rath der Aeltesten wurde für jetzt aus 12 Männern aus Würtemberg, Baden und Baiern gebildet. Es wurde ferner für nothwendig gefunden, daß außer dem Landesältestenrath in einzelnen Bezirken und Orten Aelteste aufgestellt werden, und daß diejenigen unter diesen, welche die dazu erforderlichen Eigenschaften besitzen, die Verrichtung der priesterlichen Geschäfte für die Mitglieder des Tempels übernehmen und vom Bischof in diese Aemter eingesetzt werden. Außerdem sollen Reiseälteste und Reisepriester oder Evangelisten aufgestellt und zu ihrer Ausbildung die bisherige Missionsschule in Kirschenhardthof fortgesetzt und vervollständigt werden. Einige Personen sind für das Amt von Reiseältesten und Evangelisten schon vorbereitet. Es wurde ferner beschlossen, daß ein Programm oder eine kurze Darlegung der Hauptgeschäfte des Tempels zur Aufklärung für Mitglieder und Nichtmitglieder veröffentlicht werden soll. Endlich wurde die nächste Synode der Landesältesten zur Erledigung der Geschäfte des Tempels für den 25. September v. J. festgesetzt, dagegen dem Bischof und dem Ausschuß für den Bau des Tempels in Jerusalem überlassen, einen Tag für die (dritte) allgemeine Synode, welche nicht zu Geschäften, sondern zur Berathung über die Zustände der Menschen bestimmt sein soll, festzusetzen. — Wir haben hier ein neues Beispiel von den schon dagewesenen so vielen, daß man, um die in Secten zersplitterte Kirche zu heilen, — eine neue Secte macht. Todesfall. Am 2. Sept. v. J. starb nach kurzem Krankenlager in Naumburg a. d. S. Dr. Carl Friedr. Göschel, königl. preuß. Consistorialpräsident außer Dienst, im 77. Lebensjahre. Die preußisch⸗luth. Kirche. Dr. Münkel meldet u. A. Folgendes: „Nach einem Beschlusse der Generalsynode berief das O. K. C. (Oberkirchencollegium) eine Commission zur gründlichen „Erörterung der Prinzipien der Kirchenordnung nach Schrift und Symbolen, Geschichte und Praxis der Kirche mit Rücksicht auf die darüber hervorgetretenen Zwistigkeiten.“ Dieselbe bestand aus Vertretern beider Partheien. Von der rechten Seite waren anwesend die Mitglieder des O. K. C.'s Dr. Huschke, Pistorius, Nagel, Lasius, nebst dem Superintendenten Feldner und den Pastoren Dr. Besser und Weiker. Die Linke war vertreten durch den Kirchenrath Ehlers, den Superint. Zöller und die Pastoren Crome, Lohmann und Frommel. Um die Fragen gründlicher und ruhiger zu erörtern, waren noch einige Mitglieder aus den Landeskirchen herzugezogen, nämlich die Professoren Kahnis und Zezschwitz aus Leipzig, Delitzsch aus Erlangen, Mejer aus Rostock und der Herausgeber. Zezschwitz, durch Umstände verhindert, konnte nur mit einem schriftlichen Gutachten erscheinen. Die Commission tagte zu Berlin vom 26. September bis zum 3. October, also volle acht Tage. Doch auch die acht Tage erwiesen sich sehr bald als ein viel zu knapper Zeitraum. Denn wohl selten hat eine Conferenz in der neuern Zeit eine solche Menge schwieriger und verwickelter Fragen er⸗