# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. 25 und hast das Gefängniß gefangen, du hast Gaben empfangen für die Menschen; da St. Paulus Ephes. 4, 8. sagt: Er ist aufgefahren in die Höhe, und hat das Gefängniß gefangen geführet, und hat den Menschen Gaben gegeben. Wo nun die Diener des Worts so geschickt sind, wie jetzt gesaget, so wird das Wort ohne Zweifel auch kräftig und thätig sein, und nicht vergebens geprediget werden; wie Gott im Esaia 55, 10. 11. spricht: Wie der Regen und Schnee vom Himmel fället, und nicht wieder dahin kömmt, sondern feuchtet die Erde, und machet sie fruchtbar und wachsend, daß sie gibt Samen zu säen und Brod zu essen: also soll das Wort, so aus meinem Munde gehet, auch sein, es soll nicht wieder zu mir leer kommen, sondern thun, das mir gefället, und soll ihm gelingen, darzu ichs sende. Merke, daß er spricht: Was mir gefället; nicht, was dem Prediger gefället: und daß es ihm auch soll gelingen, darzu Er es sendet, nicht darin, dazu es der Diener des Worts aus seinem Frevel gedrungen und geredet hat. Derohalben ist es erschrecklich und gefährlich auf beiden Seiten, entweder Menschen Worte unter dem Titel Gottes Worts zu lehren, oder das reine Gottes Wort zu zwingen und dringen nach unserm eigenen Sinn und Neigungen; welche beide ungeheuere Wunder heutiges Tages die Kirche mit einer starken kräftigen Tyrannei haben eingenommen. So sei nun um deswillen ein jeglicher, so der Gemeinde Christi im Worte vorstehet, furchtsam und demüthig, und befleißige sich mehr mit einem reinen Gebet, denn mit großer Witz und Kunst, das Wort Gottes frei und allein einfältig zu lehren, und befehle also Gott beide, seine Zunge und die Seelen der Zuhörer. Denn es ist so geordnet, daß in der Gemeinde Gottes kein Meister sei, denn der da spricht Matth. 23, 8.: Einer ist euer Meister, Christus. Und Ps. 60, 8. stehet also: Gott redet in seinem Heiligthum d. i. in seiner Gemeinde. Wo aber der Mensch oder der Satan, der Teufel, redet, da ist ohne Zweifel des Teufels Synagoga und Gemeinde. Denn wie das Wort ist, so ist auch das Volk, so ist auch Gott, so ist auch der Gottesdienst, so ist auch der Glaube, so ist auch das Gewissen, so sind auch die Werke und alles mit einander, so eben werden alle Dinge im Menschen allein durchs Wort gehandelt.“ — (Luthers Werke, Walch. Ausg. IV, 763—766.) Ferner schreibt Luther in einem Brief an Nic. Hausmann: „Gnad und Friede in Christo. Würdiger, lieber Herr Pfarrherr! Es ist mir gesagt, auch durch N. angezeiget, wie euer Prediger einer sich auf der Kanzel anfahe ungeschickt zu machen, und greife die Person des Raths an unordentlich, welches denn dem Pöbel gefällt; und funkelt also der Geist noch immer mit zu, der eigene Ehre und Anhang sucht. Derhalben ist meine freundliche Bitte, ihr auch sammt dem Rath wollet Einsehen hie haben, daß uns nicht abermal der Schlaf und Hinlässigkeit zu schaffen gebe. Ihr wisset ja wohl von Gottes, daß solch Strafen der Person gehöret nirgend hin, denn unter die Sammlung