# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. Ueber persönliche Angriffe auf der Canzel. Hierüber schreibt Luther in seiner Auslegung des 8. Psalms (8, 3.): „Es ist nicht genug, das Wort Gottes zu lehren, es sei denn, daß es auch rein und recht gelehret werde; wie St. Paulus seinen Jünger Timotheum unterweiset, daß er das Wort der Wahrheit recht theile, 2 Tim. 2, 15. Denn es sind viel geängstete und unnütze Prediger, die da brennen, hitzig sind, und mit dem Kopfe hindurchwollen, wissen nicht, daß es ein ander Ding sei um das Pflanzen und Begießen, und ein ander Ding um das Gedeihen geben, 1 Cor. 3, 6. und 7. Sobald als sie es gesaget haben, wollen sie, es soll auch gethan sein, denen es nicht so fast darum zu thun ist, daß sie begehren gehöret zu werden deswegen, daß sie Gottes Wort sagen, als daß sie Sager des Worts sind; wollen also, daß da mehr gelobet werde der Werkzeug, denn der, des Wort sie rein, ohne allen ihren Gesuch, predigen sollen. Aus denselbigen sind auch diese ein Stück, welche mit erlesenen und wohlbedachten Worten ihnen selbst vorsetzen, jetzt diese, jetzt jene zu stechen und zu beißen, und bald zu bekehren: da es denn aus wunderlichem Rathe Gottes geschieht, daß sie nichts weniger ausrichten und schaffen, denn eben das, das sie gedacht haben. Denn der Mensch fühlet von Natur, daß das Wort wider und auf ihn mit List ist zugerichtet, und mit menschlichem Koth beschmeißt, wie Ezech. 4, 12. sagt, das ist mit menschlicher böser Begierde und Neigungen befleckt; darum hat er einen Eckel und Grauen dafür, und wird vielmehr erbittert, denn daß er sollte bekehret werden. Denn aber wird der Mensch mehr beweget, wenn er keine List des Predigers und Lehrers, sondern das Wort frei und rechtschaffen höret predigen; denn er will, daß das Wort frei und rechtschaffen soll unter den Haufen in der Gemeinde geprediget werden und soll rühren und treffen diejenigen, die der Prediger selbst nicht weiß noch kennet; wie wir des viel Exempel hin und wieder lesen. Derohalben gehöret uns zu, daß wir alleine den Mund dem Worte leihen, Gott aber gehöret, das Vollbringen und das Gedeihen zu geben. Also thate Christus, da er zwei seiner Jünger hinsandte, die Eselin und den jungen Esel zu holen, Matth. 21, 2. 3. 6. 7., er verkündigte es ihnen zuvor, daß sie die finden würden, welche die Jünger nicht sahen, wußten auch nichts davon, doch gingen sie hin, und wollten die unbekannten Thiere herzubringen. Darum so sollen wir dieses närrische Vertrauen hinweglegen, als wollten wir etwas durch das Wort in den Zuhörern mitwirken; sondern wir sollen uns vielmehr im Gebet befleißigen, daß Gott alleine ohne uns sein Wort kräftig und thätig mache in den Zuhörern, welches Wort er in und durch den Prediger und Lehrer redet. Denn er ist es, der da redet, Matth. 10, 20., er ist es, der da höret, und der alles in allem wirket, 1 Cor. 12, 6., wir sind seine Gefäße und Werkzeuge, die da weder zu nehmen noch zu geben Gewalt haben, es sei denn, daß er es gebe und nehme. Darum spricht er Ps. 68, 19. ein wohlbedachtes Wort: Du bist in die Höhe gefahren