# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Der Lutheran und Missionary. erst vorher die Abendmahlsgäste. — Der Einwand: Alle, die zum heiligen Altar naheten, hätten ja doch Verlangen darnach, und sein gewiß gute Leute, da dürfe man doch nicht engherzig sein, sondern müsse aus Liebe die Hungrigen speisen, ist ein süßer, aber rein menschlicher Wahn. Und daß gefühliges Philosophiren und humane Liebethuerei, wenn sie gegen Gottes Willen angeht, dem HErrn ein Greuel ist, ist aus Sauls Geschichte bekannt genug. Gerade solche Liebesphilosophie trifft das Urtheil: „Du verwirfst Gottes Wort, darum will ich dich auch verwerfen." — Wir haben Beichtanmeldungen und können versichern, daß sich zuweilen Leute anmelden, die ja auch gern zum heiligen Abendmahl gehen wollen, aber in offenbaren Sünden, Geiz, Unversöhnlichkeit, getrennter Ehe ꝛc. leben, und darum vorläufig zurückgewiesen werden, bis sie bußfertig kommen. Daß so etwas in feinen, gebildeten, vornehmen englischen Gemeinden nicht vorkomme, wird man doch wohl nicht dagegen geltend machen wollen. Denn Vornehmheit ist bekanntlich kein Schutzmittel gegen die Sünde. — Können wir nun mit gutem Gewissen, ohne Sünde, die für lutherische Glaubensbrüder anerkennen, die wider die Schrift und wider das Bekenntniß der Kirche die von Gott selbst um den Abendmahlstisch gesetzten Schranken wegwerfen, nicht allein nichts thun, um zu verhüten, daß nicht arme Seelen den Leib und das Blut des HErrn unwürdig und so zu ihrem Gericht genießen, nichts thun, damit das Heiligthum nicht den Hunden und die Perlen den Säuen vorgeworfen werden, sondern die diese schändliche Unordnung sogar noch als einen Grundsatz ihrer kirchlichen Ordnung aufstellen, ja wohl gar rühmen als eine Fortentwickelung, einen Vorzug des americanischen Lutherthums, vor dem alten, befangenen, engherzigen, deutschen Lutherthum? Bekanntlich ist auch das Praxis der General⸗Synode, Glieder anderer Denominationen, welche die wahre Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl leugnen, zum lutherischen Abendmahl zuzulassen und gelegentlich dann auch bei jenen wieder zum Tische des HErrn zu gehen; und scheint auch das grundsätzlich im obigen Satze des „Lutheran" als Wesen des americanischen Lutherthums geltend gemacht zu werden. — Auch gegen öffentliche Verwerfer der lutherischen Abendmahlslehre will man keine Schranke setzen. — Wenn der Herr Herausgeber des „Lutheran" aber meint, daß solches Verfahren „dem Geist des echten alten Lutherthums" gemäß sei, so ist er doch sehr im Irrthum; und wir möchten ihn auf einen Ausspruch Luthers aufmerksam machen, der unzweideutig klar zeigt, wie sehr das treue, rechtschaffene, vom Worte Gottes erleuchtete Gemüth des Reformators über solche Abendmahlsunion entrüstet war, und der schlagend beweist, daß im alten Luther wirklich ein anderer Geist war, als im modernen americanischen Lutherthum: „Und in Summa, daß ich von diesem Stücke komme, ist's mir erschrecklich zu hören, daß in einerlei Kirchen, oder bei einerlei Altar sollten beider Theil einerlei Sacrament holen und empfahen, und ein Theil sollte gläuben, es empfahe eitel Brod und Wein; das andere Theil aber gläuben, es empfahe den wahren Leib und Blut Christi. Und oft zweifele ich,