# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Der Lutheran und Missionary. machen und so das süße Band der christlichen Bruderschaft denen verweigern, die unsern Herrn Jesum Christum aufrichtig lieb haben." Der hier ausgesprochene practische Grundsatz ist die durchgeführteste Union. Lehr⸗ und Sacraments⸗Einheit ist das Wesen aller kirchlichen Vereinigung, wo die stattfindet, sind alle anderen Trennungspuncte unwesentlich. Und wollte die General⸗Synode consequent handeln, so müßte sie mit allen Secten, „die Jesum Christum aufrichtig lieb haben," und das werden alle christlichen Secten von sich behaupten, auch die römischen Katholiken sagen ja, sie haben Christum aufrichtig lieb, selbst der Rationalist rühmt sich dieser Jesus⸗Liebe, in kirchliche, brüderliche Gemeinschaft treten, eine Kirche, eine Gemeinde bilden. Auch hätte sie den Namen „lutherisch" fahren zu lassen, denn Paulus verbietet das „Paulisch, Kephisch, Apollisch" in einer Gemeinschaft, die einig ist in der Lehre und Sacramentsgebrauch. Nur die Lutheraner haben ein Recht, sich Lutheraner zu nennen, die mit allen andern Secten in keine kirchliche Gemeinschaft treten wollen und können, weil dieselben vom Worte Gottes weichen. Da hat dann der unterscheidende Name nicht seinen Ursprung in der Trennungslust hoffärtiger Schismatiker, sondern in der Bekenntnißtreue gegen alle die der Wahrheit nicht gehorchen. — Das „americanische Lutherthum" will also einmal keine sectirerischen Hecken um die Kanzeln machen, d. h. es will alle möglichen Secten⸗Prediger, Episcopalen, Presbyterianer, Baptisten, Methodisten, Unirte ꝛc. in seinen Kirchen predigen, auf seinem Acker ihren Samen ausstreuen lassen. Ist das recht? Hat das die lutherische Kirche je erlaubt? Heißt das, das Amt eines Bischofs treu verwalten? — Gott gebietet: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten!" Nun ist aber offenbar nicht bloß der ein falscher Prophet, welcher das ganze Wort Gottes verwirft, sondern jeder, der auch nur einen Theil desselben verfälscht; wer auch nur etwas Unkraut säet, soll nicht im Weinberge geduldet werden, denn auch „ein wenig Sauerteig durchsäuert die ganze Masse". Obwohl nun lutherische Prediger weit davon entfernt sind, allen Predigern anderer Denominationen das Christenthum, aufrichtige Liebe zu Jesu Christo, absprechen zu wollen, da das ja nur die Sache fanatischer Papisten ist; so wissen sie doch, und zwar aus dem Bekenntniß der Secten selbst, daß solche Sectenprediger neben wahren auch falsche Lehren haben, und ist es nun nicht ganz gewissenlos und treulos, solchen die Kanzel zu gestatten; ihnen Gelegenheit zu geben, das Unkraut, den Sauerteig in die eigene, von Gott anvertraute Gemeinde zu bringen? — Der Einwand, daß solche Sectenprediger gebildete, feinfühlende Gentlemen sein, die nicht gerade die falschen Lehren in einer fremden Gemeinde hervorheben und predigen, sondern sich in anständigen Allgemeinheiten halten würden, ist zu leicht, als daß man dagegen irgend schweres Geschütz auffahren sollte. Es genügt zu sagen, daß das Wort Gottes nicht erlaubt, die Kanzeln zum Parlor zu machen, wo man sich in gegenseitigen Höflichkeiten übt. — Auch ermangelt ein solches Verfahren, wie alle Schein⸗Höflichkeiten, der wahren Liebe. Man sollte solchen Männern sagen: Man wisse aus dem Bekenntniß ihrer eigenen