# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheran Observer. 15 und oben wiedergeboren wird. Denn die Wiedergeburt, welche durch die Geburtsschmerzen der Buße im Glauben anhebt und durch die Rechtfertigung zum Leben der Kindschaft hindurchgeht, wird mit der mystischen Vereinigung zum Abschluß gebracht. Die nachfolgende Erneuerung oder Heiligung in guten Werken gehört streng genommen nicht hierher, da sie die Lebensthätigkeit des Wiedergebornen, aber nicht die Wiedergeburt selbst ist. Ich bin nämlich nicht der Meinung einiger ältern Theologen(!), daß man schon mit dem Glauben, wie er aus der Buße hervorgeht und die Rechtfertigung von Gott begehrt, die ganze Wiedergeburt hätte. Doch darauf kommt es hier weniger an. Wenn Thomasius gerade den Sacramenten die Aufgabe zuerkennt, den Naturgrund des Menschen umzugestalten, so sieht jeder ein, daß das durch die mystische Vereinigung in tiefgreifender Weise geschieht, insofern hier Natur und Natur, Natur Christi und Natur des Menschen wesentlich und eigentlich vereinigt werden. Und das ist nun die Veränderung der Lehre, welche Thomasius vornimmt, daß er diese Naturvereinigung, nachdem er sie an die Sacramente geknüpft hat, von der Rechtfertigung trennen muß, sobald diese in Folge des gepredigten Evangeliums vor der Taufe geschieht. Diesem Geschick entzieht Thomasius die Rechtfertigung nur auf künstlichem Wege nach der Taufe; was ich hier bloß andeuten will, da ich seine Lehre nicht bis in ihre Spitzen verfolgen kann. In Gemäßheit der halbirten Wiedergeburt haben wir dann auch eine halbirte Rechtfertigung, eine durch das bloße Wort, die zwar den göttlichen Richterspruch zum Leben gethan hat, aber das zugesprochene Leben in der Vereinigung mit Gott und Christo, dem Gerechtfertigten vorenthält, und eine welche ihn durch die Sacramente in Besitz aller Lebensgüter bringt. Schließlich erkenn' ich es gern an, welche schöne Winke Thomasius auch in dem von mir angefochtenen Theile seiner Lehre gegeben hat. Es ist mir auch schon ganz recht, daß man tiefer in den Schachten des göttlichen Wortes zu graben sucht. Nur das scheint mir sehr gefährlich, ohne klaren Schriftgrund über die Geheimnisse des Glaubens zu speculiren, und Thomasius verhehlt es sich wahrscheinlich selber nicht, daß der Schriftgrund die schwächste Parthie seiner neuen Lehre ist. Will er bei seiner Lehre von der Taufe verharren, so wird er auch seine Lehre von der Rechtfertigung neu verarbeiten müssen. Ich glaube aber, daß ihm diese, in der er lebt, doch höher steht als jene, worüber er nur speculirt. (Eingesandt von Prof. Crämer.) Der „Lutheran Observer." Amerikanismus. In der letzten Nummer des „Lutheran Observer" finden wir die Empfehlung eines Buches, das zwar nach den angeführten Citaten für jeden ungenießbar zu sein scheint, der noch nicht ganz von amerikanischem Hochmuth oder chiliastischer Schwärmerei verblendet ist, das aber zusammt seiner Empfehlung leider die traurige Besorgniß erweckt, die