# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Eine neue Lehre von der Taufe. 13 der Acker des Menschen oben und unten bearbeitet ist, oben von Luft und Licht des Wortes Gottes, unten von Nahrungskräften und Feuchtigkeit der Sacramente. Was dagegen beide, Wort und Sacrament wirken, wir haben hier nur die Taufe im Sinne, das ist die Wiedergeburt, und hierin sind sich beide gleich. Thomasius erkennt es an, daß man nur durch einen Gewaltstreich die Kraft der Wiedergeburt von dem Worte Gottes trennen kann, wo dieses im Glauben, auch ohne erfolgte Taufe, angenommen wird. Schon die eine Stelle muß davor warnen, wo Paulus sagt 1 Cor. 4, 15.: „Ob ihr gleich zehntausend Zuchtmeister hättet in Christo, so habt ihr doch nicht viel Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christo Jesu durch's Evangelium." Daß hierbei an die Taufe nicht gedacht werden kann und darf, zeigt das Wort Pauli in demselben Briefe an dieselben Personen 1, 14.: „Ich danke Gott, daß ich niemand unter euch getauft habe, ohne Crispum und Gajum." (Vergl. Schmalk. Art. Th. 3. C. 8. über Cornelius.) Spitzfindige Erklärer wissen sich freilich zu helfen. Sie sagen: Gezeugt ist noch nicht geboren. Allein die mögen den griechischen Text mit Joh. 3, 3., 1, 13. vergleichen. Also hierin ist Thomasius vorsichtig genug gewesen, und seine Lehre ist auf den ersten Blick erträglicher, als die Lehre derjenigen, welche das Wort Gottes zu Gunsten der Taufe ausleeren und sich wohl gar bis zu der unerhörten Behauptung versteigen, daß die Taufe zum Heile absolut nothwendig ist, wofür ganz seltsamer Weise Marc. 16, 16. angeführt wird. Ich bin aber dennoch überzeugt, daß seine Lehre nicht nur an innern Widersprüchen leidet, sondern auch auf den gelegten Schienen mit der Rechtfertigungslehre hart zusammenstößt. Ich will nur die Hauptsachen hervorheben, da ein schärferes Eingehen hier nicht am Orte ist. Offenbar hat Thomasius die Wiedergeburt in zwei Hälften zerlegt nach den zwei Hälften des Menschen, und das ist das Neue an seiner Lehre, das ist aber auch das Bedenkliche. Durch's Wort wird der eine halbe Mensch, die bewußte Persönlichkeit, wiedergeboren, durch die Taufe der andere halbe Mensch, der Naturgrund. Zwar sind beide Hälften des Menschen, als lebendig verbunden, auch von unverkennbarem Einfluß auf einander, und die Wiedergeburt, welche einerseits geschieht, macht sich andrerseits fühlbar: Indessen das ändert die Sache nicht wesentlich. Muß zur Wiedergeburt durch das Wort noch eine Wiedergeburt durch die Taufe hinzukommen, ergänzt die eine die andere, und ist diese Ergänzung nothwendig, so behalten wir mehr oder weniger zwei halbe Wiedergeburten, welche erst zusammen eine ganze ausmachen. Was soll nun mit dem geschehen, der durch den Glauben an das Evangelium wiedergeboren, aber vor der Taufe aus der Welt gegangen ist? Oder was soll mit dem geschehen, der als unmündiges Kind gleich nach der Taufe aus der Welt gegangen ist, ohne das Evangelium zu hören? Thomasius wird sagen: Sie sind beide wiedergeboren, also gehen sie beide ins Reich Gottes ein. Ich sage: Nein! sie sind (nach seinem System) nur halb wiedergeboren und können nach Joh. 3, 3. nicht ohne weiteres ins Reich Gottes eingehen. Oder wenn man billig sein will, so können sie nach der