# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Eine neue Lehre von der Taufe. Christus wird darum getauft, nicht um vom Wasser geheiligt zu werden, sondern um selbst das Wasser zu heiligen. 53. Character indelebilis est, quia nunquam scribitur. (Gerh.) Das unauslöschliche Zeichen (welches die Sacramente dem Empfänger derselber aufdrücken sollen), ist darum unauslöschlich, weil es nie geschrieben wird. (Aus Dr. Münkel's Neuem Zeitblatt.) Eine neue Lehre von der Taufe. Eine solche hat Professor Thomasius zu Erlangen schon vor mehreren Jahren geltend gemacht und jetzt wieder im letzten Bande seines Buches über Christi Person und Werk vorgetragen, aber so viel ich verstehe, nur noch als einen Versuch. Er geht von der richtigen und wichtigen Unterscheidung des Menschen als Natur und als bewußte Persönlichkeit aus. Wenn z. B. seit Jahren vergessene Dinge plötzlich in unserm Bewußtsein wieder auftauchen, wo sind sie bis dahin gewesen? Oder wenn bis dahin ungeahnte Gedanken mit besonderer Lebendigkeit in uns hervorblitzen, gleich wie die schlagenden Wetter aus der Tiefe, woher sind sie gekommen? Oder wenn im Traume sich eine Welt in uns bewegt und gestaltet, an die wir im Wachen nie gedacht haben, oder wenn der Schlafwandler die schwierigsten Aufgaben löst, die ihm im wachen Bewußtsein unlösbar gewesen sind, und von denen er beim Erwachen nicht mehr weiß, wo hat das seinen Grund? Sieht man nicht, daß der Mensch ein Doppelwesen hat, eins, welches sein bewußter Wille, sein höheres freies Seelenleben ist, und eins, das man seinen Naturgrund nennen könnte, über den er selbst keine freie Macht hat, und der doch eine große Macht über ihn ausübt? Die Alten sagen: Wenn die Natur auch mit Heugabeln ausgetrieben wird, so kehrt sie doch immer zurück. Das ist wahr, obgleich es Heiden gesagt haben. Gegen unsre geistleibliche Natur können wir nicht an, was in unsre Natur gelegt ist an Neigungen, Empfindungen, Richtungen und Eigenthümlichkeiten, das macht sich trotz alles Kampfes unsrer Persönlichkeit dagegen immer wieder geltend. Wirft sich dann noch die Sünde auf diesen Naturgrund, so erzeugt sie den sündlichen Hang, das Fleisch, und wird um so gefährlicher, als sie zur andern Natur geworden ist. Das sind unbestreitbare Thatsachen, und hiervon nimmt Thomasius Gelegenheit, die unterschiedliche Wirksamkeit des Wortes Gottes und der Sacramente neu zu begründen. Er sagt nämlich: Das Wort wendet sich zunächst an unser Verständniß, also an unsre bewußte Persönlichkeit, die Sacramente aber, als eine Handlung, welche mit uns vorgenommen wird, an unsern geistleiblichen Naturgrund. Da hätten wir also für jeden Theil ein gesondertes Gebiet der Wirksamkeit, nur so, daß man die Gebiete nicht zu streng sondern muß, denn was in unserm Naturgrunde geschieht, das kommt natürlich auch unsrer Persönlichkeit zu gute, und umgekehrt. Doch ist die Wirksamkeit der Gnade erst dann eine ganze und vollständige, wenn