# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 08_S90 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) auf den innerlichen Glauben dringen, auf eine äußerliche neue Weiſe, den alten Menſchen zu tödten, und erdichten allhie „Entgröbung, Stu⸗ dirung, Verwunderung, Langweil“,) und des Gaukelwerks mehr, da nicht ein Buchſtabe von in der Schrift ſtehet. Daher plumpt mein Carlſtadt herein, wie eine Sau, die nun die Perlen freſſen, und wie ein Hund, der das Heiligthum ver— ſchlungen hat (Matth. 7, 6.), und zerreißet alles, was Chriſtus redet und ſetzet vom innerlichen Glauben, auf ſolche äußerliche, erdichtete Werke, ſo gar auch, daß er aus dem Abendmahl Chriſti und ſeinem Gedächtniß und der Erkenntniß Chriſti nichts anders macht, denn ein menſchlich Werk, daß wir mit brünſtiger Hitze und (wie ihre töl⸗ piſchen Worte lauten), „mit ausgeſtrakter Luſt ſollen auch alſo uns tödten“. Damit er einen Nebel und Wolken macht, daß man dieſe hellen Worte nicht ſehen ſolle, da Chriſtus ſpricht: „Mein Blut wird vergoſſen für euch zur Ver⸗ gebung der Sünden.“ Matth. 26, 24. Marc. 14, 24. Luc. 22, 20. Welche ohne Zweifel allein mit dem Glauben gefaſſet, erlanget und behalten werden, und mit keinem Worte.““) Jetzt ſei ſo viel geſagt, zum Anzeigen, daß du wiſſeſt, wie dieſes Geiſtes Art ſei, ſtracks eine ver⸗ kehrte Weiſe wider Gottes Ordnung zu treiben, das, was Gott vom innerlichen Glauben und Geiſt ordnet, da machen ſie ein menſchlich Werk aus. Wiederum, was Gott vom äußerlichen Wort und Zeichen und Werken ordnet, da machen ſie einen innerlichen Geiſt aus, und ſetzen die Töd⸗ tung des Fleiſches vorn an zuerſt vor den Glauben, ja vor das Wort, fahren alſo (wie denn des Teu- fels Art iſt) heraus, wo Gott hinein will, und hinein, wo Gott heraus will. Daß ich ihn nun einen Teufel nenne, ſoll ſich niemand verwundern; denn an Dr. Carlſtadt liegt mir nichts, ich ſehe auf ihn nicht, ſondern auf den, der ihn beſeſſen hat, und durch ihn redet, wie St. Paulus ſpricht: „Wir fechten nicht mit Fleiſch und Blut, ſondern mit den geiſtlichen Böswichten in der Luft“ ꝛc. Epheſ. 6, 12. So halte nun du, mein Bruder, veſt an der Ordnung Gottes, nemlich, daß die Tödtung des alten Menſchen, darinnen man Chriſtus Exempel folget, wie Petrus ſaget 1 Pet. 1, 21., ſolle nicht das erſte ſein, wie dieſer Teufel treibet, ſondern das letzte; alſo daß niemand möge ſein Fleiſch tödten, Creuz tragen und Chriſtus Exempel folgen, er ſei denn zuvor ein Chriſte, und habe Chriſtum durch den Glauben im Herzen, als einen ewigen *) Jetzt bedienen ſich zwar die Schwärmer nicht mehr derſelben Worte, wie einſt Carlſtadt, aber ſie haben noch immer ihre beſonderen Stichworte, womit ſit die Geheim⸗ niſſe ihres Schwarmgeiſtes anzeigen, als: „Durchbruch, vollkommene Heiligung“ ꝛc. D. R. *R*) Auch darin gleichen die jetzigen Schwärmer den alten, vaß ſie ſo prächtig reden von ihrer Andacht, die ſie z. B. beim heiligen Abendmahl haben, von ihrem „geiſtlichen Genießen des Leibes und Blutes Chriſti“ und dergleichen, damit man der Einſetzungsworte vergeſſen und denken möge, ſie hielten auch groß von dieſem heiligen Sacrament. Sie reden überhaupt von den heiligen Sacramenten, die doch Werke, Gaben und Schätze Gottes ſind, ſo, als beſtünden die Sa⸗ cramente in dem, nicht was Gott, ſondern was der Menſch thut. D. R. 90 Schatz.“) Denſelben kriegt man aber nicht durch Werk (wie dieſe Propheten toben), ſondern durch Hören das Evangelium. Daß die Ordnung alſo gehe: Zuerſt, vor allen Werken und Dingen, höret man das Wort Gottes, darinnen „der Geiſt die Welt um die Sünde ſtraft“ Joh. 16, 9. Wenn die Sünde erkennet iſt, höret man von der Gnade Chriſti. Im ſelben (Gnaden-⸗) Wort kömmt der Gelſt, und gibt den Glauben, wo und welchem er will. Darnach gehet an die Tödtung und das Creuz, und die Werke der Liebe. Wer dir eine andere Ordnung vorſchlägt, da zweifele nicht, es ſei der Teufel. Anmerkung der Redaktion. Wer das Vorſtehende einmal durchgeleſen hat, der laſſe es damit nicht bewenden. Dieſes Zeugniß Luthers iſt es wohl werth, daß es recht ernſtlich erwogen und jedes Wort davon tief bedacht werde. Wir wiſſen keinen Ort in Luthers Werken, wo er, wie hier, mit ſo wenig Worten einen ſo herrlichen Auf⸗ ſchluß über das Weſen der Schwärmerei gäbe. Wir können aus eigner Erfahrung bezeugen, daß jedes wiederholte Leſen ſich reichlich belohnt. Ueber die Schlüſſelgewalt, die Abſolution und die Beichte. (Aus der Harleß'ſchen Zeitſchrift.) (Fortſetzung.) Ebenſo geht aus dem Zuſammenhange der heiligen Schrift und des göttlichen Heilswerkes unzweifelhaft hervor, daß dieſe Vollmacht, auf eine vor Gott gültige Weiſe Sünde zu vergeben und zu behalten, ebenſo als der Befehl zu predigen und zu taufen, Matth. 28, 18. 19. nicht den Apoſteln ausſchließlich, ſondern in ihnen allen, welche das Amt des Neuen Teſtaments führen würden, gegeben iſt. Denn 1.) der HErr ſagt es ſelbſt Luc. 12, 2., daß die Apoſtel nur die er ſten Schnitter der großen Ernte ſind. Derſelbe HErr, welcher den Zwölfen ſagte Matth. 10, 40.: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich ge⸗ ſandt hat“, der ſagt Joh. 13, 20. im Allgemeinen: „Wahrlich, wahrlich ich ſage euch: Wer auf⸗ nimmt, ſo ich jemand ſenden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich geſandt hat“, und ſagt den Siebenzig Luc. 10, 16.: „Wer euch höret, der höret mich, und wer euch verachtet, der ver⸗ achtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich geſandt hat.“ Die Apoſtel haben zwar das Vorrecht, unmittelbar von Chriſto zur Verbreitung des Evangeliums unter den Völkern erwählt zu ſein, im übrigen aber erkennen ſie die über Gemeinden hin und her geſetzten Biſchöfe als gleichbeſtätigte Diener IEſu Chriſti und Haushalter über Gottes Geheimniſſe an, als Mitdiener Col. 1, 7. und Mitälteſte 1 Pet. 5, 1., die der Heilige Geiſt zu Biſchöfen eingeſetzt hat, falſche) des Methodismus, daß man eine Menge Dinge fordert, die der Menſch leiſten und haben ſoll, ehe er glau⸗ ben dürfe und könne, und die doch von einem Menſchen erſt geleiſtet und aufgewieſen werden können, nachdem er zum Glauben gekommen iſt, als das Ringen, das Kämpfen, das Gnadengefühl, das Zeugniß des Heiligen Geiſtes u. ſ. w. ) Gerade darin beſteht das Proton Pſeudos (das Grund⸗ trachten. Nachdem Petrus auf die Frage Chriſti: zu weiden die Gemeine Gottes, welche er durch ſein eignes Blut erworben hat Ap. Geſch. 20, 28. 2.) Der Zweck der ertheilten Vollmacht iſt dit ſeelſorgeriſcheYErbauung der Gemeine, beſonde die Tröſtung der blöden und zaghaften Gemüther in derſelben. Eine ſolche Gemeine aber ſoll nach der Verheißung des HErrn, unüberwältigt von den Pforten der Hölle, fortbeſtehen, ſo lange dieſer Zeitlauf dauert; ſeine Vollmacht kann alſo nicht ausſchließlich auf die Jünger gehen, deren Leben vorausſichtlich ſich nicht über die erſten Anfänge der Kirche hinauserſtreckte, er hat es vielmehr da⸗ mit nach ſeinem unveränderlichen Liebeswillen auf die Befriedigung eines geiſtlichen Bedürfniſſes für alle Zeiten abgeſehen. Jene Vollmacht iſt nicht den Apoſteln ausſchließlich, ſondern zum Dienſt und Nutzen der Kirche für alle Zeiten, überhaupt dem Amte gegeben, welches die Verſöhnung predigt. Man ſage ferner nicht, daß allein dit Apoſtel nach dem hohen Maaß ihrer geiſtlichen Erkenntniß der Ausübung jener Vollmacht ge⸗ wachſen geweſen ſein, denn die Apoſtel waren auch keine Herzenskündiger, ſondern erkennen allein Gott als ſolchen, Ap. Geſch. 1, 24., und an der Gabe des Geiſtes, die ſie ſelbſt in allerdings be⸗ ſonders hohem Grade beſaßen, haben alle die, welche das Amt des Geiſtes führen, mit ihnen gemeinſames Anrecht, wie ſie denn auch bei Leb⸗ zeiten der Apoſtel allen denen zu Theil ward, dit durch Handauflegung 1 Tim. 4, 14. 5, 22. zu jenem Amte geweiht wurden. Uebrigens gilt es von Anfang an durch die erſten Jahrhunderte der Kirche hindurch und weiter als unbezweifeltt Thatſache, daß die Macht, Sünden zu vergeben und zu behalten, dem Lehramte überhaupt und für alle Zeiten gegeben iſt; auch iſt dieſe Macht immer ausgeübt worden und die alten Lehrer preiſen ob dieſer dem Amte des Neuen Teſtaments verliehenen Macht deſſen Herrlichkeit, und erkennen die Ausübung derſelben als ein Kennzeichen der Kirche. „Wo Vergebung der Sünden iſt“, ſagt Auguſtinus, „da iſt die Kirche. Wie ſo dit Kirche? Ihr iſt ja geſagt: Dir will ich des Himmelreichs Schlüſſel geben, und was du löſen wirſt auf Erden, das ſoll auch im Himmel los ſein. Wie weit erſtreckt ſich dieſe Vergebung der Sünden? durch alle Lande anhebend von Jeru⸗ ſalem“ (Luc. 24, 47.). So iſt alſo die Stiftung Chriſti, vermöge welcher auf eine von außen vernehmbare, vor Gott gültige Weiſe hienieden Sünde vergeben und behalten wird, ein von HErrn überkommenes Gnadenrecht für die Kirche aller Zeiten, und die Ausübung dieſer Vollmacht eine dem neuteſtamentlichen Lehramt überhaupt zuſtehende Amtsverrichtung, welche durch die ur⸗ ſprüngliche Verheißung Chriſti als ein von ihm ſelbſt eingeſetztes) Gnadenmittel unter dem Mil⸗ wirken des Heiligen Geiſtes noch heute ſeine vollt ungeſchmälerte Kraft hat. Die Beſchaffenheit dieſes Gnadenrechtes wer⸗ den wir noch klarer erkennen, wenn wir die übri⸗ gen darauf bezüglichen Stellen aufmerkſam be— „Wer ſaget denn ihr, daß ich ſei?“ den übrigen Apoſteln mit dem Glaubensbekenniniß zuvotge⸗