# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Theologische Axiome. nur noch einmal denselben Weg gehen, den unsere alten Lehrer gegangen sind, in der gewissen Hoffnung, daß wir dann auch an demselben Ziele ankommen, dieselben Resultate erzielen würden? Thörichter Gedanke! Nicht allen gibt Gott alles, nicht jeder Zeit gibt er dasselbe. Dem einen Knecht im Weinberge des HErrn wird diese, dem anderen jene Gabe verliehen; der einen Zeit wird diese, der anderen jene Heimsuchung zu Theil; „derselbige einige Geist theilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will" (1 Cor. 14, 7—11.). Es ist daher vergeblich, ja ein Frevel, Gott gleichsam zwingen zu wollen, daß er die Gnadenheimsuchung, die er vor dreihundert Jahren der Kirche hat zu Theil werden lassen, noch einmal wiederhole, weil man die Gaben, welche Gott einst durch seine auserwählten Werkzeuge gegeben hat, nicht durch sie nehmen, sondern, wie sie, als Frucht eignen Forschens erlangen will. Nachdem Gott durch Luther und seine treuen Nachfolger der Kirche das Kleinod der reinen Lehre aus Gnaden wieder geschenkt hat, so müssen wir nun dieses Kleinod entweder durch ihren Dienst in Demuth uns vermitteln lassen, oder wir werden ohne dieses Kleinod ewig bleiben und aus einem Irrthum in den anderen fallen. Gott hat seine Kirche zu Einem Leibe gemacht, der nicht Ein, sondern viele Glieder hat, dessen Auge nicht zur Hand, dessen Hand nicht zum Auge, dessen Haupt nicht zu den Füßen sagen kann: „Ich darf euer nicht!" Gott hat seine Kirche vielmehr so eingerichtet, daß immer ein Glied des andern bedarf und so das Ganze nur durch einen gegenseitigen Austausch der Gaben bestehen kann. Wunderlicher Weise findet Herr Pastor Fengler in unserer kindlichen Anhänglichkeit an unsere treuen Lehrväter etwas Sektirerisches. Gerade das gehört ja zu dem unterscheidenden Charakter der Secte, daß sie mit der Kirche der Vorzeit bricht, den Zusammenhang mit ihr zerreißt, das mittelbare Predigtamt verachtet, nicht lernen, sondern nur lehren, nicht Schülerin, sondern Meisterin sein und der Kirche durch ihre neuen Fündlein helfen will! Sie macht nicht mit Luther, der zur alten Kirche zurückging, Reformation, sondern mit Carlstadt und Zwingli Revolution. (Schluß folgt.) Theologische Axiome. XIX. Von der heiligen Taufe.*) 1. Was Gott einsetzt und gebeut, muß nicht vergeblich, sondern eitel köstlich Ding sein, wenn es auch dem Ansehen nach geringer denn ein Strohhalm wäre. (Luther's Gr. Kat.) 2. Baptismus nihil est aliud, quam verbum Dei cum mersione in aquam secundum ipsius institutionem et mandatum. (Art. Schmalc.) „Die Taufe ist nichts anders, denn Gottes Wort im Wasser, durch seine Einsetzung befohlen." *) Hierzu vergleiche man zur Vervollständigung die im letzten Heft des vorigen Jahrgangs mitgetheilten, die Sacramente überhaupt betreffenden Axiome.