# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1862_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 Vorwort zu Jahrgang 1862. HErrn Wort theuer und der Weissagung wenig" ist. (1 Sam. 3.) Nach gesegneten Davidischen Zeiten, in welchen der HErr die Mauren zu Jerusalem baut, folgen immer wieder Elias-Tage, da den wenigen noch treuen Knechten der große Verfall der Kirche die Klage auspreßt: „Die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, und deine Altäre zerbrochen, und deine Propheten mit dem Schwerdt erwürgt; und ich bin allein übergeblieben;" so daß Gott sie mit seiner verborgenen Gemeinde trösten muß: „Ich will lassen überbleiben sieben tausend in Israel, nehmlich alle Kniee, die sich nicht gebeuget haben vor Baal, und allen Mund, der ihn nicht geküsset hat." (1 Kön. 19.) Die Zeiten, da das Wort Gottes zunimmt und die Gemeinen im Glauben befestigt werden (Apost. 6, 7. 16, 5.), wechseln mit Zeiten des Abfalls und da man die Ohren von der Wahrheit wendet und sich zu den Fabeln kehrt (2 Thess. 2, 3. 2 Tim. 4, 4.), ab. So nöthig und wichtig auch nach unserer Ueberzeugung die unausgesetzte Arbeit der Theologen ist, so glauben wir daher doch nicht an ein fortwährendes durch Theologenfleiß zu bewirkendes organisches Wachsthum der Kirche in Absicht auf göttliche Erkenntniß. Wir glauben vielmehr, daß reine und tiefe Erkenntniß in Sachen des Wortes Gottes eine Gabe freier göttlicher Gnade und Barmherzigkeit ist, die der Kirche von Zeit zu Zeit nur durch besondere göttliche Gnadenheimsuchungen zu theil wird. Auch hier gilt: „Und wem du's gibst, der hat's umsonst." Reine Lehre und rechte Erkenntniß sind keine Frucht eines menschlichen freien Willens. Gelehrsamkeit und Scharfsinn haben sie so wenig in ihrer Gewalt, als der Mangel an beiden. Der Mensch kann bei allem Fleiß diese höchsten Kirchenschätze wohl veruntreuen, aber sie sich nicht selbst geben. Sie zu geben, ist ein Regale des heiligen Geistes, von dem auch in dieser Beziehung das „Ubi et quando visum est" ("Wo und wenn er will," Augsb. Conf. V.), und zwar insbesondere gilt. Wenn Gott aber der Kirche einen Athanasius, einen Augustinus, einen Huß gibt, dann sind ihr Tage großer göttlicher Gnadenheimsuchung angebrochen, nicht nur für die Zeit, da Gott solche geheiligte Gefäße füllt, sondern für alle folgenden Zeiten. Da heißt es: „Kaufet, weil der Markt vor der Thür ist; sammelt ein, weil es scheinet und gut Wetter ist; brauchet Gottes Gnade und Wort, weil es da ist. Denn das sollt ihr wissen: Gottes Wort und Gnade ist ein fahrender Plaßregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist." Eine Zeit solcher göttlichen Gnadenheimsuchung war ohne Zweifel vor allem die Zeit der Reformation. Da schenkte Gott aus freier Gnade, was kein mehr als tausendjähriger Theologenfleiß erarbeitet hatte und was er auch nicht hatte erarbeiten können, mit einem Male. Das apostolische Zeitalter mit dem Reichthum seiner Gaben erneuerte sich da. Unermeßliche Schätze reiner und tiefer göttlicher Erkenntniß wurden da aus dem Schachte des göttlichen Wortes zu Tage gefördert. Da erfüllte sich auf das herrlichste die Weissagung von der Zeit des Neuen Bundes: „Das Land ist voll Erkenntniß des HErrn, wie mit Wasser des Meeres bedeckt." (Jes. 9, 11.)