# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S384 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 384 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. zur Nacheiferung reizen, sich nun auch zu Christo zu bekehren. Damit soll indeß nicht ge⸗ sagt werden, daß bis zu der Zeit, daß alle Heiden bekehrt sind, kein Jude sich bekehren könne. Nein einzelne haben sich bekehrt zu Christo und einzelne werden sich auch immer und zu jeder Zeit zu Christo bekehren, das sind die, welche in der Bibel die Uebrigen genannt werden oder auch die Wahl. So heißt es Röm. 9, 27.: wenn auch die Zahl der Kinder Israel würde sein wie der Sand am Meere, so wird doch das Uebrige selig werden, und Röm. 11, 7.: das Israel sucht, das erlanget es nicht; die Wahl aber erlanget es, die andern sind verstockt. Das sind die einzelnen, die zu jeder Zeit aus den Juden sich bekehren und in die christliche Kirche eingehen werden. Nachdem aber die Fülle der Heiden eingegan⸗ gen sein wird, wird auch noch Israel im Ganzen sich bekehren. Daher finden wir auch, daß der heil. Apostel Paulus, dem doch Israel so innig am Herzen lag, zwar allenthalben, wo er das Evangelium predigte, sich immer zuerst an die im Predigtorte vorhandenen Juden wandte, um ihnen zu sagen, daß der Heiland nun gekommen sei, den das Alte Testament verheißt, und um sie einzuladen zum Eintritt in die christliche Kirche durch den Glauben an Ihn. Wenn sie aber dann Christum verwarfen, so sagt er jedesmal: ich gehe nunmehr rein zu den Heiden, und hat sich dann nie wieder mit der Predigt an sie gewandt, sondern stets an ihnen seine erbittertsten Feinde gefunden; denn er wußte, daß alle seine Pre⸗ digt doch nichts helfen würde. Und gerade so ist es noch heutiges Tages. Die Predigt an das Judenvolk hilft nichts, sie sind verstockt, bis die Fülle der Heiden wird eingegangen sein. Die einzelnen, die bis dahin eingehen, kommen von selbst, es ist ihnen ja auch allenthalben Gelegenheit dazu geboten. Sie leben mitten unter der Christenheit und die Kirchen stehen ihnen offen. In der Regel aber wollen sie nicht kommen; selbst da, wo sie in einer geistlich erweckten und bewegten Gemeine leben, geht das alles so spurlos an ihnen vorüber, daß nicht einmal ihre Neugierde erregt wird, zu fragen, was doch das sein möge! In dieser ent⸗ setzlichen Gleichgültigkeit gegen das Christenthum, oder in der bittersten Feindschaft wider das Christenthum offenbart sich klar, daß sie verstockt sind. Dazu ist es bekannt, daß unter hundert Einzelbekehrungen kaum eine aufrichtig ist. Wem also wirklich an der Bekehrung Israels gelegen ist, der wende sich mit ganzer Macht auf die Bekehrung der Heiden. Wenn die Fülle der Heiden eingegangen sein wird, dann wird auch Israel noch eingehen, und dann ist das Ende da. Die Träume endlich von einer Rückkehr der Juden in das gelobte Land, von einem Wiederaufbau Jerusalems, von einem judenchristlichen Reiche in Kanaan, als Mittelpunkt und Haupt der ganzen Christenheit, sind weiter nichts als Träume und geradezu der heil. Schrift entgegen. Gott bewahre uns vor Träumen und gebe uns ein besonnenes und nüchternes Herz, Er gebe uns den heilsamen Stolz, der als höchsten Ruhm, als höchste Ehre und Herrlichkeit nur das Wort kennt: ich bin ein Christ. Amen.“ Aus der bayrischen Rheinpfalz wird der Ev. Kirchenzeitung geschrieben: „Die kirchlichen Opponenten suchten den gläubigen Pfarrern, die das neue (gläubige) Ge⸗ sangbuch mit Eifer in ihren Gemeinden festhielten, eine politische Falle dadurch zu bereiten, daß sie bei der (von der Regierung gestatteten) Restitution des alten Gesangbuchs das Bild des Königs und der Königin in die Kirche eigenmächtig aufhingen. Wenn nun die Ortspfarrer die Wiederbeseitigung dieser Bilder als unpassend für den protestantischen Cultus verlangten, so wurden sie sofort des Majestätsverbrechens bei der Staatsbehörde angeklagt.“ Auch eine jüdische Allianz ist im Juli v. J. von französischen Juden gegründet worden. Ihr Zweck ist, die Juden zu vereinigen, vom politischen Joche zu befreien, zu heben und auf gleiche Höhe mit den christlichen Völkern zu stellen, wo möglich auch in das Land Canaan zurückzuführen. Am 30. Mai d. J. hat die Allianz ihre erste Generalversamm⸗ lung zu Paris gehalten, bei welcher auch Professor Petaval aus Neuschatel erschien und ein Schreiben Sir Culling Eardly's, des Präsidenten der evangelischen Allianz in Eng⸗ land überreichte, welches die Mitglieder der jüdischen Allianz einlud, an der großen evang. Allianz zu Genf im Sept. d. J. theil zu nehmen, u. A. mit den Worten: „Warum soll⸗ ten wir uns nicht die Hände reichen .., die im A. T. eine gemeinsame Grundlage des Glau⸗ bens haben?“ Der Vorsitzende der jüd. Allianz dankte „für die aufrichtigen Gefühle brüderlicher Einigkeit und Liebe“ und erklärte im Namen des Ausschusses, er nehme die Einladung an. Diesen Beschluß besiegelte ein wahrer Beifallssturm.