# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 08_S89 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ũð — I Redigirt von C. g. W. Walther. er Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. 5. Louis, No., den 8. Februar 1848. No. 12. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld Nur die Briefe, welche 1 tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Ein Zeugniß Luthers wider die Schwärmer, die immer auf den „Geiſt“ dringen und die doch das äußerliche Wort und Sacrament verachten, wodurch allein der Geiſt in den Menſchen kommt. (Aus Luthers Schrift „Wider die himmliſchen Propheten.“ Werke. Hall. A. Tom. XX. S. 271. ff.) Gott handelt mit uns auf zweierlei Weiſe. Einmal äußerlich, das andere Mal innerlich. Aeußerlich handelt er mit uns durch mündliche Worte des Evangelii und die leiblichen Zeichen, als da iſt Taufe und Sacrament; innerlich han⸗ delt er mit uns durch den Heiligen Geiſt und Glauben ſammt andern Gaben. Aber das alles der Maßen und der Ordnung, daß die äußer⸗ lichen Stücke ſollen und müſſen vor⸗ gehen, und die innerlichen hernach, und durch die äußerlichen kommen, alſo, daß er's beſchloſſen hat, keinem Menſchen die innerlichen Stücke zu geben, ohne durch die äußer⸗ lichen Stücke; denn er will niemand den Geiſt noch Glauben geben ohne das äußerliche Wort und Zeichen, ſo er dazu eingeſetzt hat, wie er Luc. 16, 29. ſpricht: „Laß ſie Moſen und die Pro⸗ pheten hören.“ Daher auch St. Paulus darf nennen die Taufe ein Bad der neuen Geburt, darin Gott den Heiligen Geiſt reichlich ausgeußt (Tit. 3, 5—7.), und das mündliche Evan⸗ gelium eine göttliche Kraft, die da ſelig mache alle, die dran gläuben. Röm. 1, 16. Auf dieſe Ordnung habe Acht, mein Bruder, da wirds ganz und gar an liegen. Denn wie⸗ wohl ſich dieſer Rottengeiſt (Carlſtadt) ſtellet, als hielte er groß von Gottes Wort und Geiſt, und rühmet treffliche Brunſt der Liebe und Eifers zur Wahrheit und Gerechtizkeit Gottes, ſo iſt doch das ſeine Meinung, daß er dieſen Orden umkehre und einen widerſinnlichen aufrichte aus eigenem Frevel und führet die Sache dermaßen: Erſtlich, was Gott äußerlich ordnet zum Geiſt innerlich, wie geſagt iſt, ach wie höhniſch und ſpöttiſch ſchlägt er das in den Wind, und will zuvor hinein in den Geiſt! Ja, ſpricht er, ſollte mich eine Hand voll Waſſers von Sünden rein machen?“) Der Geiſt, der Geiſt, der Geiſt muß es inwendig thun! Sollte mir Brod und Wein helfen? Sollte das Hauchen über das Brod Chriſtum ins Sacrament bringen? Nein, nein, man muß Chriſti Fleiſch geiſtlich eſſen! Die Wittenberger (jetzt ſpricht man: die Altluthe⸗ raner) wiſſen nichts drum, ſie ſtehlen den Glauben aus dem Buchſtaben. Und der prächtigen Worte macht man viel, daß, wer den Teufel nicht kennet, möchte wohl meinen, ſie hätten fünf heilige Geiſter bei ſich. Wenn man ſie aber fragt, wie kömmt man denn zu demſelbigen hohen Geiſt hin⸗ ein? ſo weiſen ſie dich nicht aufs äußerliche Evan— gelium, ſondern in das Schlauraffenland, und ſagen: „Stehe in der Langweile, wie ich geſtanden bin, ſo wirſt du es auch erfahren; da wird die himmliſche Stimme kommen und Gott ſelbſt mit dir reden.“ Frageſt du weiter nach der Langeweil, ſo wiſſen ſie eben ſo viel davon als Dr. Carlſtadt von griechiſcher und ebräiſcher Sprache. Sieheſt du da den Teufel, den Feind göttlicher Ordnung, wie er dir mit den Worten: „Geiſt, Geiſt, Geiſt“, das Maul aufſperrt, und doch dieweil beide, Brücken, Steg und den Weg, Leiter und alles umreißet, dadurch der Geiſt zu dir kom⸗ men ſoll, nemlich die äußerlichen Ordnungen Gottes in der leiblichen Taufe, Zeichen, und mündlichem Wort Gottes, und will dich leh— ren, nicht wie der Geiſt zu dir, ſondern wie du zum Geiſt kommen ſollt, daß du *) Man ſieht hieraus, daß die Schwärmer immer dieſelbe Sprache geführt haben. Wem iſt's bei Leſung des Obigen nicht, als hörte er unſere jetzigen Methodiſten reden? Der Unterſchied zwiſchen ihnen und den ſogenannten „himm- liſchen Propheten“ zu Luthers Zeit ſcheint nur darin zu be⸗ ſtehen, daß es die jetzigen Methodiſten noch toller und ver⸗ wegener treiben. So haben wir mit eigenen Ohren aus dem Munde eines Methodiſtenpredigers die Worte gehört: „Ihr denkt wohl, das macht euch ſelig, wenn euch nur der Kopf gewaſchen iſt?“ Mit ditſem ſchändlichen Ausdrucke meinte er, wie er ſelbſt erklärte, die heilige Taufe!! — In- ſonderheit traurig iſt es aber, daß hier in Amerika nur zu viele ſelbſt von denen, die ſich Lutheraner nennen, von den äußerlichen Gnadenmitteln, namentlich von den heiligen Sacramenten nicht viel beſſer, als die Methodiſten, reden. Ein Beweis, wie fern viele hieſige Lutheraner von dem Geiſte und Charakter des wahren Lutherthums ſind. D. R. ſollt lernen auf den Wolken fahren, und auf dem Winde reiten; und ſagen doch nicht wie oder wenn, wo oder was, ſondern ſollſt's „erfahren“ ſelbſt wie ſie. Wiederum: was Gott nicht ordnet äußerlich, da loddern ſie heraus, als wären ſie unſinnig. Und gleichwie ſie einen eigenen innerlichen Geiſt erdichten, alſo richten ſie auch eigene äußerliche Ordnung an, da Gott weder von geboten noch verboten hat; als daß man ſoll keine Bilder, Kirchen, Altar haben, nicht Meſſe nennen, nicht Sacrament heißen oder aufheben, nicht Kaſel haben, ſondern graue Röcke tragen, lieber Nachbar nennen, gottloſe Fürſten todtſchlagen, kein Unrecht leiden, und viel der äußerlichen Demuth und Ge⸗ berden treiben, die ſie ſelbſt erdichten, und die Gott nicht achtet“). Wer hie anders thut denn ſie, der iſt ein zwiefältiger Papiſt, der henket und mordet Chriſtum, und müſſen „Schriftgelehrte“ ſein; wer es aber thut, der iſt ſchon in den Geiſt hineingeſprungen mit Stiefeln und mit allem, und iſt ein „Geiſtgelehrter“. O tieffliche Heilige! Frageſt du ſie, wer ſie ſolches heißet, ſo werfen ſie die Hand dahin: „Ach! mein Gott ſaget mirs, der Geiſt heißet michs“; ja alle ihre Träume ſind eitel Gottes Wort. Wie dünkt dich um die Geſellen? Greifeſt du ſchier, wer dieſer Geiſt ſei? Weiter: was Gott innerlich ordnet, als den Glauben, das gilt nichts; fahren zu, und nöthigen alle äußerliche Wort und Schrift, die *) Hier malt ſchon unſer Luther die heutigen Methodiſten förmlich ab; denn auch dieſe wiſſen an den Lutheranern nichts mehr zu tadeln, als daß ſie noch Bilder, Crucifixt und Altäre in ihren Kirchen leiden, daß in der Augsbur⸗ giſchen Confeſſion das heilige Abendmahl unter andern auch „Meſſe“ genannt wird, daß wir Taufe und Abend⸗ mahl „Sacrament“ nennen (was ſie als ein heidniſches Wort verwerfen), daß die lutheriſchen Prediger Chorröcke tragen, daß die Lutheraner ſich nicht unter einander und inſonderheit nicht alle ihre Prediger ohne Unterſchiedemit „Du“ anreden, und dergleichen. Wie aber einſt die Carl⸗ ſtadtianer ihre eignen Ordnungen hatten, auf die ſie mehr trieben, als auf alle Ordnungen Gottes, ſo auch jetzt die Methodiſten; bei ihnen hofft man tauſendmal mehr Segen von ihren Bußbänken, Claßverſammlungen, Camp-Meet- ings ꝛc., als von dem eifrigſten Gebrauch aller von Gott ſelbſt verorbneten Gnadenmittel. *