# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S383 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 383 besten Wohlstande ist.“ Beweis soll ferner sein, was die Schmalk. Art. sagen: „Wir gestehen ihnen nicht, daß sie die Kirche seien, und sind's auch nicht.“ Indes damit sind Prälaten, Papst, Cardinäle und Bischöfe gemeint, welche sich für die Kirche ausgaben, und zwar für die Kirche schlechthin und allein. Sonst aber hat die Vorrede zum Concor⸗ dienbuch angedeutet, und haben alle unsre alten Lehrer auf Grund eben jener Stelle in den Schmalk. Art. gelehrt, daß überall da von Kirche geredet werden muß, wo die Taufe und die fünf Hauptstücke, wo also auch die heiligen Gläubigen und die Schäflein sind, die ihres Hirten Stimme hören. Sind auch solche Gemeinschaften wegen ihrer Irrthümer falsche Kirchen, so ist doch um der Gläubigen willen die Eine heil. Kirche noch in und unter ihnen, und eben deswegen erkennen wir nicht nur ihre Ordination zum Kirchenamte an, wir ver⸗ werfen es auch, Prediger in ihre Gemeinden zu schicken und Proselyten zu machen, weil das gegen das Recht der Kirche verstößt. — Ich besorge, wenn man so die Lehre von der Kirche gesetzlich treibt, daß man nur die reinlehrende Kirche als Kirche gelten läßt, so wird man H's. Irrthum bekämpfen, um einen eben so gefährlichen an dessen Stelle zu setzen. Man wird dann alle lutherischen Ge⸗ meinden über die Klinge springen lassen, die nicht ganz kapitelfest sind. Und wo werden sie selbst, die Protestirenden, mit ihren Gemeinden bleiben? — Den status controversiae in der Preuß.⸗luth. Kirche formulirt Ehlers in seinem Kirchlichen Zeitblatt, wie folgt: Hat Christus für seine Kirche auf Erden außer dem Dienste (oder Amte) des Wortes, welcher Dienst darin bestehet, daß durch das Wort gelehrt, vermahnt, getröstet und gestraft wird, hat Christus außer diesem Amte noch ein besonderes Regieramt geordnet, ein Aufsichtsamt über das Amt des Wortes, welches als aus göttlichem Recht eine Summe von Gemeinen, die mit dem von Gott geordneten Predigtamte versehen sind, unter sich befaßt und dem die Gemeinen als einer göttlichen Ord⸗ nung in seinen Anordnungen um Gottes willen Gehorsam leisten müssen? Das Oberkirchencollegium bejaht, die Gegner desselben verneinen diese Frage. Daß die Hoffnung einer einstigen allgemeinen Judenbekeh⸗ rung gerade das Gegentheil von Eifer für ihre jetzige Bekehrung wirkt, dafür liefert Pastor Harms in Hermannsburg einen schlagenden Beweis. Er schreibt in seinem Missions⸗ blatt vom Monat August: „In der letzten Zeit bin ich in einer Menge von Briefen befragt worden um die Judenmission. Ich habe nicht Zeit gehabt, darauf zu antworten; ich will es hier, da noch etwas Raum ist, in der Kürze thun. Nachdem die Juden den HErrn Jesum verworfen haben, sind sie von Ihm wieder verworfen worden und haben aufgehört, das aus⸗ erwählte Volk Gottes zu sein. Das Blut des HErrn Jesu, welches sie selbst über sich und ihre Kinder hergerufen haben, ist über sie gekommen und wird über ihnen bleiben, bis sie den erkannt haben, in welchen ihre Väter gestochen haben. Sie sind verblendet, und Blind⸗ heit wird ihr Theil bleiben, bis die Fülle der Heiden wird eingegangen sein Röm. 11. Nach⸗ dem also die Juden Jesum verworfen und das Reich Gottes verloren haben, sind die Heiden an der Juden Stelle getreten und in das Reich Gottes eingegangen und dieser Eingang der Heiden in das Reich Gottes wird fortdauern, bis die Fülle der Heiden, d. h. alle Heiden in dasselbe werden eingegangen sein, oder mit andern Worten, sich zum Christenthum bekehrt haben. Ist das geschehen, sagt der Apostel, dann wird auch das ganze Israel selig werden, d. h. in die christliche Kirche eintreten, so daß ein jeder derselben durch den Gebrauch der in der christlichen Kirche befindlichen Gnadenmittel selig werden kann. Ist das geschehen, so kommt alsbald das Ende, denn dann hat die streitende Kirche auf dieser Erde ihren Zweck erreicht, Juden und Heiden unter Ein Haupt, unter Christum zu vereinigen, und allen die Mittel zur Seligkeit darzureichen und der unmittelbar darauf folgende jüngste Tag bringt das Gericht, in welchem sich ausweisen wird, welche zu den wahren Christen gehören und welche zu den falschen. Demnach ist an eine Bekehrung Israels gar nicht eher zu denken, als bis die Fülle der Heiden wird eingegangen sein. So hartnäckig und so verstockt ist das Judenvolk, daß ihr hartes Herz durch nichts anders gebrochen werden kann, als daß sie sehen: alle Heiden sind uns voraus gekommen, wir allein sind zurückgeblieben. Erst dies furchtbare Ding: allein zurückgeblieben zu sein, allein ausgeschlossen und verworfen zu sein, wird sie