# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S380 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 380 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. erstlich die Uebersetzung sein: „Selig sind, die reines Herzens sind.“ Matth. 5, 8. Diese Uebersetzung enthalte eine zur Verzweiflung führende Lehre. Es müsse heißen: „Selig sind die durch das Herz Reinen.“ Diese Uebersetzung sei tröstlicher, denn hier sei „zu⸗ nächst nicht von einer Stelle des Menschen, dem Herzen, die Rede; sondern von dem gan⸗ zen Menschen!“ Auf Grund dieser Erklärung tröstet denn der Herr Corrector also: „Du, mein Bruder, daher, oder meine Schwester, die du wohl weißt, daß eine große Verände⸗ rung mit deinem Herzen vorgegangen ist, daß du jetzt einen Ekel an den Bällen, Theatern ꝛc. hast, woran du früher so hingst: du empfängst hier durch den Mund Jesu die Verheißung, du werdest Gott schauen.“ Auch die Worte: „Selig sind, die geistlich arm sind,“ Matth. 5, 3., sollen falsch übersetzt sein. Dafür müsse es heißen: „Selig sind die Armen oder Bettler durch den Geist.“ Das große Uebersetzungsgenie macht darauf die Auslegung: „Leute preist Jesus daher selig, deren Gewerbe, deren tägliche Arbeit das Betteln vor Got⸗ tes Thron ist und die der Geist, der Geist aus Gott, dazu drängt.“ Mit größerer Dumm⸗ dreistigkeit ist wohl noch niemand an das Werk der Verbesserung der Lutherschen Bibel⸗ übersetzung gegangen. Buffalo. Ueber den Streit Pastor Dietrich's mit dem Oberkirchencollegium in Breslau läßt sich Pastor Grabau in seinem Informatorium vom 1. Nov. u. A. also ver⸗ nehmen: „Diedrich leugnete das Dasein solcher kirchlichen Obrigkeit“ (daß nehmlich „Gott noch neben und über dem Predigtamt ein gebietendes Kirchenregiment d. h. ein gesetzliches, so wie im Staat die weltliche Obrigkeit, gewollt, geordnet und eingesetzt habe, dem man um seiner göttlichen Einsetzung und Autorität willen eine Art Unterthanen⸗Ge⸗ horsam zu leisten habe.“) „Und hierin müssen wir dem Pastor Dietrich Recht geben. Wir finden jedoch in der Durchführung seiner Lehre und Ansichten bedenkliche Mängel, die auf seiner Seite, wie wir glauben. eben so groß sind, wie die auf Breslau's Seite in ihrer Art; denn seine Lehre, so weit wir bis jetzt sehen, ist nach der Congregationalisten oder Puritaner Art, die man auch Independenten nennt, gestellt; wenn sie auch in manchem Betracht den Presbyterianern, die noch etwas besser sind, nahe steht; aber lutherisch ist sie nicht.“ „Wiewohl demnach Br. Diedrich die Breslauische Lehre endlich mit Recht scharf tadelt und dieselbe mit dem Evangelio nicht übereinkommend darstellt, und in dieser negi⸗ renden Art gute Zeugnisse bringt; so setzt er doch wiederum seiner Seits fast gar nichts an die leer gemachte Stelle, das dem Evangelio Christi gemäß ist, sondern läßt uns fast ganz in einem elenden Puritanismus und Congregationalismus stecken, dessen Früchte noch dreimal verderblicher sind, als die Breslauer Regimentsideen. Es bleibt bei Br. Died⸗ richs Darstellungen von Kirchenordnung nichts übrig, als die leider unevangelische gegen⸗ seitige bloße Uebereinkunft zwischen jedem Pastor und seinen Zuhörern und zuletzt das Experiment von Kreissynoden, auf derselben Grundlage.“ Weiter oben hatte Grabau geschrieben: „Kein menschlicher oder freier Wille treibt einen luth. Pastor, sich zu einer ordentlichen rechtgläubigen Synode zu begeben; sondern allein Christus Wille, der darum am Creuze starb, auf daß er die Kinder Gottes, die zerstreuet waren, in Eins zusammenbrächte. Joh. 11, 52.“ (Auch Grabau läßt diese Stelle als seinen Beweis mit gesperrter Schrift drucken.) In einem anderen Artikel sagt Grabau: „Leider ist bis jetzt, zur Verwirrung mancher Seelen, Diedrich nur negativ gewesen und ist es noch, daß sie meinten, er verwerfe alle christliche Ordnung und Kirchenregiment, und lehre missourisch und independentisch, daß jede Orts⸗Gemeine und jeder Pastor das höchste Gericht sei! Der puritanische Congregationalismus, den Dietrich zu predigen scheint, ist bei allem Rühmen der Gnade Christi eben so vom Teufel, wie das röm. Papst⸗ thum es war und das Breslauer Herren⸗Regiment es sein mag.“ — In derselben Num⸗ mer des Informatoriums findet sich auch ein dieselbe Sache betreffender Aufsatz Hrn. Diak. Hochstetters, der darin Grabau's Schwert umkehrt und in der Lehre der Bres⸗ lauer die missourische wiedererkennt. Dabei tadelt er Diedrichs Trennung von der preußisch⸗luth. Kirche. Auch verwirft er, daß Diedrich den Predigern nur das Predigen aus Gottes Wort und nicht auch das „geistliche Anordnen“ zuschreibt. Nach Hochstetter sollen die Synodaldeputirten aus dem Laienstande „nicht als Beauftragte aus dem Laien⸗