# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S375 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 375 des Gesetzes und wider das allerschädlichste und giftigste Vertrauen auf das Gesetz. Denn das Gesetz ist nicht gegeben, daß es gerecht oder lebendig mache oder etwas helfe zur Gerechtigkeit, Gal. 3, 21., sondern daß es die Sünde anzeige und Zorn wirke, Röm. 3, 20., 4, 15., das ist, daß es das Gewissen überzeuge und beschuldige. Der Tod ist uns nicht aufgelegt, daß wir dadurch sollten leben, noch die Sünde uns angeboren, daß wir dadurch unschuldig sollten sein: also ist das Gesetz nicht gegeben, daß wir dadurch gerecht sollten werden, weil es weder Gerechtigkeit noch Leben zu geben vermag. Summa, so hoch der Himmel über der Erden ist, so fern soll das Gesetz von der Justification geschie⸗ den werden; und man soll nichts lehren, sagen, geden⸗ ken in dem Artikel der Justification belangend, denn allein das Wort der Gnaden.“ (Luther's Werke, Walch's Ausg. XX, 2039. 2040.) 3. Den Gerechtfertigten als solchen darf das Gesetz nicht gepredigt wer⸗ den, sie dadurch fromm und fruchtbar in guten Werken zu machen und es darf daher nicht dem neuen, sondern allein dem alten Menschen derselben aufgelegt werden; wie denn der heil. Apostel Paulus den Galatern, die sich wieder unter das Joch des Gesetzes begeben hatten, zuruft: „Das will ich allein von euch lernen: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke, oder durch die Predigt vom Glauben? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr es denn nun im Fleisch vollenden?. Der euch nun den Geist reicht, und thut solche Thaten unter euch, thut er es durch des Gesetzes Werke, oder durch die Predigt vom Glauben?“ Gal. 3, 2. 3. 5. Hierüber schreibt Luther in seiner Kirchenpostille über das Evangelium am 3. Sonntag nach Trin.: „Das Evangelium, wo es recht im Herzen ist, soll einen solchen Menschen machen, der nicht so lange harret, bis das Gesetz kommt; sondern ist so voll Freuden in Christo, hat Lust und Liebe zum Guten, daß er gerne jedermann hälfe und wohlthue, wo er kann, aus freiem Herzen, ehe er einmal an das Gesetz denket, wage sein Leib und Leben gar hinan, nichts darnach gefragt, was es darüber leide, und also voll guter Werke werde, die von sich selbst daher fließen; gleichwie Christus gezwungen nicht will einen Strohhalm aufheben, aber ungezwungen lässet er sich für mich und alle Welt ans Creuz schlagen und stirbt für das verlorene Schäf⸗ lein: Das heißet ja Werk über Werk. Dennoch lerne nun wohl unterschei⸗ den und diese Stücke beide recht zu legen und zu theilen, wenn es zum Treffen kommt, da das Gesetz und Sünde mit dem Gewissen disputiret, daß du dem Mosi getrost ins Maul greifest und heißest ihn schweigen, weisest ihn hinaus auf deinen alten Menschen; den führe zu Mose in die Schule, daß er mit ihm disputire und spreche: Hörest du, du bist zumal faul und träge, Gutes zu thun, dem Nähesten zu dienen. Wo du solltest Christum loben, so trinkest du lieber eine Kanne Bier aus; ehe du solltest in Gefahr stehen um Christi willen, so raubest du viel lieber und betreugest den Nähe⸗