# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 25_S88 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) einen Fremden weggeſchenkt hätteſt, würde das wohl gelten?“ — Nein! — „Nun wohlan, deine Seele gehört ja dir nicht, ſondern dem HErrn IEſu, wie kannſt du denn weggeben, was dir nicht gehört? Gehe, bitte den HErrn IEſum, daß er das, was ihm gehört, wieder an ſich neh⸗ men wolle; aber die Sünde, die du begangen haſt, wirf dem Satan zurück, denn ſie gehört ihm.“ — Die Magd gehorchte, und wurde be— ruhigt. Herrn Dr. Naſt betreffend. Nachdem Herr Naſt, wie die Leſer wiſſen, neu⸗ lich ſich gegen uns ſo unwürdig als nur möglich verhalten hat und dadurch mit ſeinem moraliſchen und ſchriftſtelleriſchen Ruf vor allen urtheils⸗ fähigen Leſern des Apologeten und Lutheraner völlig bankerott geworden iſt, ſo hat derſelbe noch eine letzte verzweifelte Maßregel ergriffen, um aus ſeinem Bankerotte zu retten, was noch zu retten iſt. Er hat nemlich einen Aufſatz gegen uns in die hieſige „Deutſche Tribüne“, ein politiſches Blatt, einrücken laſſen, in welchem er uns „handgreif⸗ licher und wiſſentlicher Unwahrheit und unver⸗ ſchämten Lügens“ beſchuldigt und uns „einen doppelten Betrüger“ nennt. Merkwürdig iſt, wie es Herr Naſt anfängt, um dieſe entſetzlichen Be⸗ ſchuldigungen zu erweiſen. Er erzählt nemlich in ſeinem ſaubern Artikel erſt ſelbſt, warum wir ihn einer ehrloſen Handlungsweiſe beſchuldigt haben, weil er nemlich wider ſein Verſprechen Anfangs unbedingt nichts von unſerem erſchie⸗ nenen Aufſatz vom heiligen Abendmahle habe aufnehmen wollen und erſt ſpäter gezwungen Calſo allein um der Schande vor Menſchen willen) ſich dazu verſtanden habe, — und hierauf ſchreibt nun Herr Naſt dummdreiſt in demſelben Artikel: „Paſtor Walther will alſo ſeinen Leſern weis⸗ machen, wir hätten uns geweigert, irgend eine Erwiderung ſeinerſeits in unſer Blatt aufzu⸗ nehmen.“ Es ſcheint hiernach Herr Naſt auch die Leſer der Tribüne für ſo ſtupid zu achten, daß ſie jeden ſeiner Ausſprüche auch ohne Beweis für wahr halten, ja nicht merken würden, wie ſeine eigene vorherige Erzählung des Thatbeſtandes ſeine letztere Beſchuldigung widerlege und als eine im höchſten Grade unchriſtliche Verleumdung er⸗ weiſe. Man ſieht hieraus, wie weit es doch mit einem Menſchen endlich kommnen kann, wenn er ſich vom Teufel ſo weit bringen läßt, Einmal wider ſein Gewiſſen zu handeln! Dann ſtürzt der arme Menſch, immer blinder werdend, unauf⸗ haltſam von Sünde zu Sünde, bis er in dem Pfuhle des offenbaren Laſters liegt. Ein war⸗ nendes Beiſpiel! Es kann gewiß niemanden mehr leid ſein, als uns ſelbſt, daß wir endlich ſo haben reden müſſen, aber um der Ehre Gottes und um des Aerger⸗ niſſes willen, das aus ſchweigender Hinnahme der böſen Stücke Herrn Naſts entſtehen konnte, haben wir Finſterniß — Finſterniß! und Sünde — Sünde nennen müſſen, ohne darnach fragen zu können, ob weichliche Menſchen, oder ſolche, die ſelbſt mit Treue und Wahrhaftigkeit Scherz trei⸗ ben, unſer Verfahren für lieblos achten. Wir laſſen nun hier noch die Antwort folgen, welche wir in die „Deutſche Tribüne“ auf Herrn Naſts Artikel Tags darauf einrücken ließen. Etwas in Betreff der Einſendung Herrn Dr. Naſt's. In der geſtrigen Nummer dieſes Blattes ſucht der Herausgeber der Methodiſten⸗Zeitung, Herr Dr. Naſt, dem deutſchen proteſtantiſchen Publikum, beſonders in und um St. Louis, über einen für 88 ihn höchſt unglücklich abgelaufenen Zweikampf, zu welchem er uns ſelbſt erſt großſprecheriſch auf⸗ gefordert hatte, Sand in die Augen zu ſtreuen, und ſeinen guten Namen wenigſtens bei denen zu retten, welche weder unſeren „Lutheraner“ noch ſeinen „Apologeten“ leſen. Der Unterzeichnete darf wohl vorausſetzen, daß jeder aufmerkſame Leſer ſchon aus dem, was Herr Naſt mitzutheilen beliebt hat, deutlich erſehen könne, daß letzterer eine böſe Sache vertheidigen müſſe. Da wir aber, wenn wir gänzlich ſchwiegen, die Anwendung jenes Sprichworts auf uns fürchten müſſen: „Schweigen heißt zugeben“, ſo erlauben wir uns, das Publikum zum Ueberfluſſe wenigſtens auf Folgendes aufmerkſam zu machen. Herr Dr. Naſt gründet die Rechtmäßigkelt ſei⸗ ner früheren wortbrüchigen Weigerung, auch nur etwas von unſerem Aufſatz in den Apologeten aufzunehmen, darauf, daß er ſich ja bereit erklärt habe, wenn wir einen anderen Aufſatz ausarbeiten würden, demſelben in ſeinem Blatte Raum zu geben. Jeder Menſch von geſundem Verſtande ſieht jevoch ein, daß uns Herr Naſt mit dieſer Er⸗ klärung nur zum Beſten haben, ſich ſelbſt aber klüglich aus der Schlinge ziehen wollte. Denn das konnte Herr Naſt ſich wohl denken, daß wir auf ſein Verlangen nicht ſchnell einen anderen Aufſatz ausarbeiten und uns damit vor unſern Leſern ſelbſt lächerlich machen würden. Wie ſich daher auch Herr Naſt drehen und wenden möge: die erſte unbedingte Wei⸗ gerung, auch nur einen Buchſtaben von unſerem Aufſatz aufzunehmen, nachdem wir in gutem Ver⸗ trauen auf Herrn Naſt's gegebenes Wort und deutſche Ehrlichkeit deſſen Aufſatz in unſer Blatt ganz und unverändert aufgenommen hatten, iſt und bleibt eine infame „ehrloſe Handlungs-⸗ weiſe.“ C. F. W. Walther, Redakteur des „Lutheraner“. St. Louis, Jan. 15. 1848. * „Ich bin in der Predigt geweſen.“ Der bekannte Naumburgiſche Prediger J. M. Schamelius hat unter anderen nützlichen Büchern auch ein Büchlein herausgegeben, in welchem er gewiſſe zum Sprichwort gewordene Redensarten geſammelt und recenſirt hat, welche entweder leicht mißverſtanden werden und zur Sünde ver⸗ führen können, oder die in offenbaren ſündlichen Gewohnheiten und irrigen Vorſtellungen ſchon ihren Grund haben. Seite 138 erwähnt Scha⸗ melius auch die in der Ueberſchrift enthaltene Re⸗ densart und tadelt ſie. Gewiß nicht mit Unrecht. Auch jetzt und gerade hier, meinen wir, dürfte es nicht überflüſſig ſein, dieſe Redensart zu rügen, denn hat es je eine Zeit und ein Land gegeben, wo man den ganzen öffentlichen Gottesdienſt faſt in nichts weiter ſetzt, als in das Anhören einer Predigt, wo man hingegen wider alle Verlänge⸗ rung des Gottesdienſtes durch gemeinſchaftliche und wechſelſeitige Geſänge, durch Gebete, Für⸗ bitten, Altargeſänge des Predigers, feierliche Sa⸗ cramentsverwaltung und dergleichen eingenommen iſt, ſo iſt es gewiß jetzt und hier. der Predigt, als dem wichtigſten Theile des Got⸗ tesdienſtes, jene andern Dinge auch durchaus weſentliche, überaus wichtige Theile desſelben ſind, das wird meiſt nicht anerkannt. Es iſt dahin gekommen, daß man die Mannigfaltig⸗ Daß neben keit der Liturgie in der lutheriſchen Kirche für ein päbſtliches Ueberbleibſel achtet. Schamelius führt ein hieher bezügliches Zeugniß des alten Großgebauer aus ſeiner Wächterſtimme an,! was wir mittheilen wollen. — Es lautet wie folgt: „Daß das Predigen der Gottesdienſt ſei, zwei⸗ felt niemand. Daher habe ich geſehn in großen Städten, wie die Leute auf den Glockenſchlag gegen die Zeit hin, daß der Prediger auf die Canzel ſteigt, in die Kirche hinein ſtürmen und dann, wenn die Predigt zu Ende iſt, wieder her⸗ * aus. Und anſtatt daß ſie ſagen ſollen mit den alten Chriſten: ſie haben in der brüderlichen Ver⸗ ſammlung Gott gelobet, für die Unbußfertigen. I. herzlich gebetet, die Bußfertigen aufgenommen,! ſich unter einander durch Pſalmen ermahnt und das Wort Gottes angehört, — ſo brauchen ſie eine neue, den apoſtoliſchen Chriſten unbekannte . Synekdoche: ſie ſeien in der Predigt geweſen. Aber iſt denn das Predigen und Prerigt anhören allein der Gottesdienſt? Nein. Siehe Ap. Geſch. 2, 42. ff. Da haſt du die Predigt; die Werke der brüderlichen Liebe, als da iſt Strafe, Eifer, Erbarmung, Aufnehmung; die Darreichung des heiligen Abendmahls; das Gebet und Fürbitte: das Lobſingen und Dankſagen: darinnen ſtehet F der Gottesdienſt.“ * —7— Ein Beiſpiel aus der Geſchichte des päbſt⸗ lichen Bibelverbotes. Foxe erzählt in Bezug auf die Bibel in Frank⸗ reich folgende Begebenheit, welche ſich gegen das Ende des ſechzehnten Jahrhunderts ereignete: Als der Biſchoſ von Aix mit einigen Prieſtern in Avignon war, ging er eines Tages mit einign Hofleuten in den Straßen ſpazieren. Da ſie einen Mann ſahen, welcher unzüchtige Bilder feil bot, ſo kauften ſie mehrere und ſchenkten ſie an Frauen. Nahe dabei war ein Buchhändler, wel⸗ cher eine große Menge Bibeln in franzöſiſcher Sprache zu verkaufen hatte. Der Biſchof trat zu ihm und ſagte: „Wie darfſt Du ſo unverſchämt ſein, und in dieſer Stadt franzöſiſche Waare ver⸗ kaufen?“ Der Buchhändler erwiederte mit einer Art von Spott: „Mein Herr, glaubet Ihr nicht, daß Bibeln ſo gut ſind, wie jene Bilder, welche Ihr für die Weiber kauftet?“ Wüthend über dieſen Spott, ſchrie der Biſchof: „Ich will auf meinen Platz im Paradieſe verzichten, wenn dieſer U Schurke nicht ein Waldenſer iſt. Hinweg mit ihm — hinweg mit ihm — hinweg mit ihm zum Gefängniſſe.“ Dieſe Ausrufungen bewirkten, daßE der Buchhändler von dem Pöbel furchtbar miß⸗ handelt wurde. Demzufolge wurde er verbrannt mit zwei Bibeln um den Nacken, von denen die eine vorn, die an⸗ dere hinten hing. Empfangen. 82.00 für die Miſſion am Fluſſe Cass von P. S. durch Herrn P. Grätz. 52.00 für die Wittwe des P. Burger von P. S. durch Herrn P. Grätz. Bezahlt. 2. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. Wilh. Hofmann. 1. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. Wilh. Hofmann. 4. Jahrg. Die HH. Bücher, Peter Schmelz, J. J. Schulze, Succopp. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens. Am folgenden Tage wurde vor den Richter geführt, welcher ihn auf Anſtif⸗ ten des Biſchofes zum Feuertode verdammte.