# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S370 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 370 Referat vom Gesetz. Gerechtigkeit leben, wie St. Paulus lehret Röm. 6, 2. ff., hie auf Erden an⸗ fahen und zunehmen, und dort vollbringen. Denn Christus hat uns nicht allein Gratiam, die Gnade, sonder auch Donum, die Gabe des heil. Gei⸗ stes verdienet, daß wir nicht allein Vergebung der Sünden, sondern auch Aufhören von den Sünden hätten, Joh. 1, 16. 17. Wer nun nicht auf⸗ höret von Sünden, sondern bleibt im vorigen bösen Wesen, der muß einen andern Christum von den Antinomern haben. Der rechte Christus ist nicht da, und wenn alle Engel schreien, eitel Christus! Christus! und muß mit seinem neuen Christo verdammt werden.“ (Luther's Werke, Erl. Ausg. XXV, 323. 324. Walch's Ausg. XVI, 2741. 2742.) IV. In welchem Verhältniß steht die Predigt des Gesetzes zu der Predigt von der Rechtfertigung durch den Glauben? Die kurze Antwort hierauf ist eine dreifache: 1. Der Predigt von der Rechtfertigung durch den Glauben muß die Predigt des Gesetzes von der Buße voraus gehen. 2. Die Rechtfertigung selbst darf allein aus dem Evangelio gelehrt werden und ist daher die Predigt des Gesetzes hiervon gänzlich auszuschließen. 3. Den Gerechtfertigten als solchen darf das Gesetz nicht gepredigt werden, sie dadurch fromm und fruchtbar in guten Werken zu machen und darf daher nicht dem neuen, sondern allein dem alten Menschen derselben aufgelegt werden. 1. Der Predigt von der Rechtfertigung durch den Glauben muß die Predigt von der Buße aus dem Gesetz voraus gehen, wie denn geschrieben stehet: „Also ist es geschrieben und also mußte Christus leiden und aufer⸗ stehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Na⸗ men Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anheben zu Jerusalem.“ Luc. 24, 47. Hierüber schreibt Luther in seiner Schrift „wider die Antinomer“ vom Jahre 1539: „Sie haben ihnen erdichtet einen neuen Methodon, daß man solle zuerst die Gnade predigen, darnach Offenbarung des Zorns, auf daß man das Wort „„Gesetz““ ja nicht hören und reden dürfe. Das ist ein fein Katzenstühlchen, gefället ihnen trefflich wohl, und meinen, sie wollen die ganze Schrift hinein und heraus ziehen, und damit lux mundi (ein Licht der Welt) werden. Solchs soll und muß Sanct Paulus geben Röm. 1. Sehen aber nicht, wie Sanct Paulus gerade widersinnisch lehret, fähet an, und zeigt erstlich den Zorn Gottes vom Himmel und macht alle Welt zu Sündern und schuldig für Gott; darnach, so sie zu Sündern worden sind, lehret er sie, wie man Gnade erlange und gerecht werde, wie die drei ersten Capitel gewaltiglich und klärlich weisen. Und ist auch das eine sonderliche Blindheit und Narrheit, daß sie meinen, Offenbarung des Zorns sei etwas anderes, weder das Gesetz, das doch nicht möglich ist; denn Offenbarung des Zorns ist das Gesetz, wo es erkennet und gefühlet wird, wie Paulus sagt: Lex iram operatur (das Gesetz richtet Zorn an).