# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S369 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 369 Sünde da ist; jene aber werden verdammt darum, daß sie keine Lust und Liebe dazu haben .. Also theile einen Christen in zwei Stücke: Daß er zugleich gerecht und ungerecht ist. Der heil. Geist wohnet im Herzen, aber nicht im Fleisch, da wohnet der Teufel mit seinem Saamen; so muß ein Mensch auf Erden leben, daß er auswendig mit dem Gesetz gedrungen und gezwungen werde, daß er nicht Böses thue, aber nach dem Geist ungezwungen bleibe, denn er von ihm selbst Gutes thut. Das währet so lange, bis er stirbt. Am jüngsten Tage werden wir gar rein an Leib und Seele ohne alle böse Lust, ja, Himmel und Erde wird alles voll Gutes wer— den.“ (Luther's Werke, Erl. Ausg. LI, 303—305. Walch's Ausg. IX, 520—522.) Anhangsweise gehört hieher noch ein Ausspruch Luther's über die Nothwendigkeit der Predigt des Gesetzes wegen der falschen Christen, die sich immer unter die rechten Christen mengen. Der theure Gottesmann schreibt nehmlich in seiner Schrift „von den Conciliis und Kirchen“ vom Jahre 1539: „Also thun jetzt meine Antinomer auch, die predigen sehr fein und (wie ich nicht anders denken kann) mit rechtem Ernst von der Gnade Christi, von Vergebung der Sünden und was mehr vom Artikel der Erlösung zu reden ist. Aber dies Consequens (diese nothwendige Folgerung) fliehen sie, wie der Teufel, daß sie den Leuten sagen sollten vom dritten Artikel, der Heiligung, das ist, vom neuen Leben in Christo. Denn sie meinen, man solle die Leute nicht erschrecken noch betrüben, sondern immer tröstlich predigen von der Gnade und Vergebung der Sünden in Christo, und beileibe ja meiden diese oder dergleichen Worte: hörest du es? du willst ein Christ sein, und gleichwohl ein Ehebrecher, Hurenjäger, volle Sau, hoffärtig, geizig, Wucherer, neidisch, rachgierig, boshaftig bleiben ꝛc.! Sondern so sagen sie: hörst du es? bist du ein Ehebrecher, ein Hurer, ein Geizhals, oder sonst ein Sünder: gläubest du nur, so bist du selig, darfst dich vor dem Gesetz nicht fürchten, Christus hat's alles erfüllet. Lieber, sage mir, heißt das nicht An⸗ tecedens concedirt, und Consequens negirt (das heißt, den Grundsatz zu⸗ gegeben, und was daraus folgt, verneint)? Ja, es heißt, eben in demselben Christum wegnehmen und zunichte machen, wenn er am höchsten gepredigt wird. Und ist alles eitel Ja und Nein in einerlei Sachen. Denn solcher Christus ist nichts und nirgend, der für solche Sünder gestorben sei, die nicht nach Vergebung der Sünden von den Sünden lassen und ein neues Leben führen. Also predigen sie fein auf Nestorische und Euty⸗ chische Dialectica (oder Schlußmachekunst) Christum also, daß Christus sei und sei es doch nicht; und sind wohl fein Osterprediger, aber schändliche Pfingstprediger. Denn sie predigen nichts de sancti- ficatione et vivificatione Spiritus Sancti, von der Heiligung (und Lebendig⸗ machung) des heil. Geistes, sondern allein von der Erlösung Christi; so doch Christus (den sie hoch predigen, wie billig) darum Christus ist oder Erlösung von Sünden und Tod erworben hat, daß uns der heil. Geist soll zu neuen Menschen machen aus dem alten Adam, daß wir der Sünde todt und der