# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S368 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 368 Referat vom Gesetz. falscher Lehre und schändlichen That“, vom Jahre 1539: „Denn auch wir, so nun durch die Gnade sind heilig gemacht, dennoch im sündlichem Leibe leben, und müssen uns durch das Gesetz lassen um solcher übriger Sünde willen strafen, schrecken, tödten und opfern bis in die Gruben; daß also das Gesetz in diesem Leben vor und nach im— merdar muß sein lex occidens, damnans, accusans (ein tödtendes, verdam⸗ mendes, anklagendes Gesetz), wie das St. Paul und unserer Bücher viel so reichlich lehren.“ (Luther's Werke, Erl. Ausg. XXXII, 72. Walch's Ausg. XX. 2070.) Ferner schreibt Luther in der „Auslegung von der Hauptsumma Got⸗ tes Gebots“ vom Jahre 1524 über die Worte: „Daß dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist,“ 1 Tim. 1. Folgendes: „Also bleibt nun, wie St. Paul sagt, das Gesetz auf den Ungerechten, daß es ihnen wehre und sie schrecke, so lang bis sie wissen, daß sie etwas Anders und Bessers müssen ha⸗ ben, damit dem Gesetz genug geschehe, und so sein los werden. So sprichst du: Wenn es also zugehet, so ist niemand gerecht auf Erden, denn auch St. Paulus selbst hart zuvor Timotheo befiehlt und spricht: Wie ich ermahnt habe ꝛc., und bald hernach: Dies Gebot befehl ich dir. Da ist ja ein Gebot, das er auch noch weiter heißet gebieten und befehlen. Ja, wie voll ist alle Schrift, Alt und Neu Testament, solcher Gebot! Sind denn Paulus und Timotheus oder die Christen nicht fromm? oder was darf er sagen: Den Gerechten ist kein Gesetz gegeben, und fähret zu und gibt es ihm selbst? Nach dem Geist ist der Gläubige gerecht, ohne alle Sünde, darf gar keines Gesetzes; nach dem Fleisch hat er noch Sünde ꝛc. Darum nimm für dich einen frommen Christen, der ein rein Herz, gut Ge— wissen hat und einen ungefärbten Glauben hat; der wird also sagen müssen: Ob ich gleich ein rein Herz, gut Gewissen, rechtschaffenen Glauben hab, ist doch das Fleisch, die Zunge, die Faust nicht reine, das ist, der alte Schalk, den ich am Halse habe, der ist noch unrein. Der Glaube, der uns hinauf gen Himmel zu Gott führet, will kein Gesetz leiden. Da hat das Herz so viel, als man immer fordern kann, einen fröhlichen Muth, Lust zum Guten, freundlich und unterthänig Herz, das sich jedermann unterwirft; da ist alles rein und rechtschaffen. Aber auswendig will das Fleisch noch nicht hinnach, da hangt ihm noch allerlei Unflath an und böse Lust, Sorge für Nahrung, Furcht des Todes, Geiz, Zorn und Haß: der Dreck bleibt immer neben dem Glauben, daß er sich damit schlage und ausfege. Weil nun Solches noch da ist, rechnet uns die Schrift in dem Stücke gleich den Ungerechten und Sündern, daß wir ebenso viel nach dem Fleisch Gesetz müssen haben, als jene, des Flei⸗ sches Lust zu wehren und sie zu dämpfen. Doch geschieht auch solches mit Lust aus dem Geist, nicht mit Verdruß und Unwillen. Denn hierin ist die Unterscheid zwischen den zweien: beiden wird durchs Gesetz ge⸗ wehret, aber die im Geist sind, haben ein willig, fröhlich Herz; jene aber nicht. Darum wird es diesen geschenkt und nicht zugerechnet, obgleich noch