# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S366 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 366 Referat vom Gesetz. Daher muß der Mensch sterben, wenn er von der Sünde befreit werden will; denn das Gesetz ist die Kraft der Sünde, die Sünde aber der Stachel des Todes. Diese drei, Gesetz, Sünde, Tod, können nicht von einander ge⸗ schieden werden. Sofern daher der Tod noch im Menschen ist, sofern ist die Sünde und das Gesetz im Menschen. Das Gesetz empfangen wir außer Christo, das ist, den Buchstaben, der noch nicht erfüllt ist, aber nothwendig von uns erfüllt werden muß. In Christo zwar ist das Gesetz erfüllt, die Sünde getilgt, der Tod zerstört; das heißt, wenn wir in Christo durch den Glauben gekreuzigt und gestorben sind, so ist solches wahrhaftig auch in uns geschehen: aber wenn wir leben, so sind wir noch nicht in Christo, sondern leben außer Christo unter dem Gesetz, der Sünde und dem Tode. Die Sache selbst aber und Erfahrung zeugt, daß auch die Gerechten oder Gläu⸗ bigen dem Tod unterworfen und übergeben werden täglich. Darum müssen sie, so ferne sie unter dem Tode sind, auch noch unter dem Gesetz und der Sünde sein. Es sind zumal grobe und unerfahrene Leute und schäd⸗ liche Betrüger der Gewissen, so das Gesetz aus der Kirche wegnehmen wollen. Denn Solcher Vornehmen ist nicht allein närrisch und wider Gott, sondern auch allerdings unmöglich. Denn so du das Gesetz willst weg⸗ nehmen, so mußt du auch zugleich die Sünde und den Tod wegnehmen; denn der Tod und die Sünde sind oder entstehen durch das Gesetz, wie St. Paulus spricht: Das Gesetz tödtet, 2 Cor. 3, 6. Item: Das Gesetz ist der Sünden Kraft, 1 Cor. 15, 56. Weil du aber vor Augen siehest, daß die Gerechten täglich dahin sterben, ist's eine sehr große Thorheit, wähnen, daß sie ohne Gesetz seien. Denn so kein Gesetz wäre, wäre auch weder Sünde noch Tod. Darum sollten sie zuvor beweisen, daß die Gerechten gar ohne alle Sünde und Tod wären; oder daß sie nun nicht mehr im Fleisch lebten, sondern aus der Welt gar weggenommen wären: so würde denn recht gelehret, daß Ge— setz ihnen auch gar aufgehoben und in keinem Wege zu lehren wäre. Weil sie aber solches nicht beweisen können, sondern die Erfahrung das Widerspiel ihnen vor die Augen stellet: sind sie über die Maaße grobe unverschämte Lehrer, daß sie sich unterstehen, das Gesetz aus der Kirchen zu verstoßen .. Wo sie aber dichten, daß ihre Kirche oder Zuhörer schlecht durchaus Alle Gottselige und Christen ohne Gesetz seien: so ist's öffentlich am Tage, daß sie toll und rasend sind und nicht wissen, was sie sagen oder setzen. Denn das ist nichts anders, denn wähnen, als wären alle ihre Zuhörer aus diesem Leben weggenommen. Aber solche Gedanken haben, ist eben, als wenn einer ihm träumen ließe, daß auf einem ledigen Schauplatz ein köstlich Spiel gehalten würde und er zusähe. Denn in dieser Welt sind für und für, so lange sie stehet, beide, Gerechte, so im Fleisch leben, und Böse (welcher an der Zahl allezeit mehr sind) unter einander gemenget. Wie nun das Gesetz ge⸗ geben ist ohne Zweifel darum, daß es nicht verworfen, sondern gelehret solle werden, auf daß durch dasselbige die Leute beide, Sünde und Tod oder den Zorn Gottes, erkennen: also ist's auch den Gottseligen ge⸗ geben, soferne sie noch nicht gestorben und noch im Flei⸗