# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S362 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 362 Referat vom Gesetz. wegnehmen.. Es ist gleich als wenn ein Hausvater dem Knecht geböte, er sollte ackern, und der Knecht ginge hin und wollte die Schüsseln waschen. Sollte nicht der Hausvater billig über den Knecht zornig sein? Also ist es auch mit Gott, der will seine Gebote gehalten haben und daß man sie mehr achten soll, denn Menschengebot und daß alle Gebote in der Liebe herunter gehen sollen.. Darum soll das Gesetz, wie gesagt, nur eine Uebung sein, die Liebe daran zu beweisen; sonst, ohne Liebe, fraget Gott nichts nach den Werken, sie sein so schön, als sie immermehr wollen. Nun siehst du, wie viel wohl Menschen sind, die da wissen, was doch dies Gesetz sei: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und den Nächsten als dich selbst. Freilich sind ihrer wenig, noch viel weniger sind ihr, die es halten. Wie sollten sie das halten, das sie nicht wissen? Wir sind blind und unsere Natur ganz und gar ist blind; dazu auch mensch⸗ liche Vernunft, die weiß doch nichts wenigers, denn was das Gesetz Gottes haben will.“ (Luther's Werke, Erlang. Ausg. XIV, 139—144. Walch's Ausg. XI, 2254—2260.) III. Warum muß auch im Neuen Testament und auch den Christen das Gesetz verkündigt werden? Die Antwort hierauf ist eine dreifache: 1. Weil das Gesetz den unwandelbaren, jedem Menschen unaustilgbar in das Herz geschriebenen Willen Gottes enthält, als die ewige unwiderruf⸗ liche und unveränderliche Richtschnur für alle Wesen, die zur Erkenntniß und Gemeinschaft Gottes geschaffen sind, wie denn Christus ausdrücklich spricht: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, daß Gesetz und die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun Eins von diesen kleinsten Geboten auflöset, und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich.“ Matth. 5, 17—19. Hierüber schreibt Luther in seiner Schrift „wider die Antinomer (Gesetzesstürmer)“ vom Jahre 1539: „Wer das Gesetz wegthut, der muß die Sünde auch mit wegthun. Will er die Sünde lassen stehen, so muß er das Gesetz vielmehr stehen lassen. Denn (Röm. 5, 13.) wo nicht Gesetz ist, da ist keine Sünde: ist keine Sünde da, so ist Christus nichts. Denn warum stirbt er, so kein Gesetz noch Sünde da ist, dafür er sterben müsse? Aus dem siehet man, daß der Teufel durch diese Geisterei nicht das Gesetz meinet wegzunehmen, sondern Christum, den Erfül⸗ ler des Gesetzes. Denn er weiß wohl, daß Christus kann wohl bald und leichtlich weggenommen werden; aber das Gesetz ist ins Her⸗ zens Grund geschrieben, daß nicht möglich ist wegzuneh⸗ men: wie man wohl siehet in den Klagpsalmen, da die lieben Heiligen den