# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S361 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 361 im Gelübde der Keuschheit und andern Gelübden. Nehmlich, daß in denselbigen Gelübden gehandelt wird und geboten wider die Liebe; in den andern aber, da Mord, Ehebruch ꝛc. verboten, wird nicht verletzet die Liebe, sondern sie wird dadurch gehalten. Und dieses bestätiget auch Christus Matth. 12, 7., da er die Barmherzigkeit vorziehet allen Geboten und Ge⸗ setzen, da er denn zu den Pharisäern, die auf den Sabbath drungen, also spricht: Wenn ihr wüßtet, was das ist, ich will Barmherzigkeit und nicht das Opfer, so hättet ihr nicht verdammt die Unschuldigen. Gleich mit dem⸗ selbigen will er, wo der Leib oder das Gut Noth leidet, da soll man sich er⸗ barmen, und das Gesetz nicht verstehen, daß es der Noth entgegen sei oder in der Noth binde. Also verantwortet auch der HErr Christus die Apostel, da sie in der Saat die Aehren abrupften, daß sie gehungert hätte, das ist, daß sie Barmherzigkeit bedurft hätten in der Noth.. Aber also hält sichs nicht mit dem Glauben gegen Gott; denn Gott ist nicht um des Menschen willen, sondern der Mensch um Gottes willen.“ (S. Luther's Werke, Walchs Ausg. XX, 2025—2032.) Endlich schreibt Luther in der Kirchenpostille über das Evangelium am 18. Sonntag nach Trin.: „Wie thut ihm aber Abraham? Er schleußt seine Sinne zu, nimmt seine Vernunft gefangen, und gehorcht der Stimme des HErrn, ging hin und that, wie ihm Gott befahl. Damit beweisete er, daß dies Gebot von Herzen her ging; sonst wenn er den Sohn hätte hundertmal getödtet, hätte Gott nichts darnach gefragt; sondern das sahe Gott an, daß dies Werk von Herzen und aus Liebe Gottes daher gangen war.. Die⸗ sem Exempel haben hernach die Juden folgen wollen und opferten Gott gleichwie Abraham ihre Kinder.. Warum war aber dies Werk der Juden Gott nicht angenehm? Darum, daß es nicht von Herzen und aus Liebe Gottes geschah, sondern sahen allein auf das Werk, und thatens hinnach ohne Befehl und Wort Gottes; aber Gott spricht: lieben Herrn, es ist mir nicht darum zu thun, daß Abraham seinen Sohn geopfert hat, sondern daß er mit der That beweiset hat, daß er mich von Herzen liebe. Es muß erstlich die Liebe im Herzen sein, darnach thue Werke, so werden sie Gott angenehm sein; denn alle Werke des Gesetzes sind dahin gerichtet, daß man damit anzeige die Liebe Gottes, so im Herzen ist, welche Liebe das Gesetz erfordert und vor allen Dingen haben will. Derhalben ist auch hier zu merken, daß alle Werke des Gesetzes nicht darum geboten sind, daß man sie nur schlechts thue; nein, nein; denn wenn gleich Gott mehr Gebote gegeben hätte, so wollte er doch nicht, daß man sie halten sollte mit Versehrung und Schaden der Liebe; ja, wenn sie wider die Liebe des Nächsten sind, so will er, daß man sie zerreiße und umstoße.. Wenn das Gesetz wider die Liebe dringet, so höret es auf und soll kein Gesetz mehr sein. Wo aber keine Hinderniß ist, da ist die Hal⸗ tung des Gesetzes eine Anzeigung der Liebe, die im Herzen verborgen liegt. Denn darum brauchet man der Gesetze, auf daß die Liebe an ihnen beweiset werde; wenn sie aber ohne Verletzung des Näch⸗ sten nicht können gehalten werden, so will Gott, man soll sie aufheben und