# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S360 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 360 Referat vom Gesetz. kann aufgelöset werden. Und Matth. 5, 18., daß ein Buchstab oder ein Tüttel vom Gesetz nicht wird umkommen, bis daß alles erfüllt werde. Darum wenn ich also sage: das Gebot, das Gesetz mag ich brechen, das ist so viel gesagt, seinen unrechten Verstand mag ich brechen (wie David gethan) und den rechten halten. Also saget Christus Matth. 12, 5.: Den Sabbath brechen die Priester im Tempel und sündigen nicht. Darüber mag der Sabbath nicht allein um der Seelen⸗ und Leibesnoth willen, sondern auch des Gutes willen gebrochen werden als, einen Ochsen oder Esel aus der Grube zu ziehen oder tränken, wie das Ev. Lucä 14, 5. sagt. Und dasselbige ist nichts anderes gesagt, denn also viel: Gott hat sein Gebot nicht gegeben, daß Leib, Seel und Gut darum verderben soll und umkommen, sondern daß du der Dinge im Glauben und Furcht Gottes und seiner Gebot brauchest. Darum sind sie allezeit also zu verstehen, daß du auch geden⸗ kest nicht weniger, daß er deinen Leib, Seel und Gut geschaffen habe, und daß er auch wolle, du sollest der Dinge im Glauben Achtung und Sorge haben. Also wenn eins der Dinge in Fahr ist, daß du denn wissest, daß schon seine Gebote nimmer Gebote sein, sondern daß du sie um der Noth willen brechen mögest... Und wenn irgend ein verkehrter Klügling sagen würde: ich höre wohl, aus demselben Grunde möchte ich auch ehebrechen, morden, stehlen und alle Gebote Gottes brechen? Ist kurz die Antwort: es kann eine solche Noth nicht kommen.. Summa Summarum: alle Gesetze, alle Gebote und Gelübde auszulegen, zu verstehen, zu lindern, ist keine gewisse, bessere Regel, denn allein die christliche Liebe. Denn auf solche Fälle, die wider die Liebe sind, soll noch kann man kein Gebot oder Gesetz verstehen oder lindern. Denn es ist unmöglich, daß sich ein Fall der Noth begebe in Sachen, die wider die Liebe sind. Wiederum, alles was nicht wider die Liebe ist, das ist frei; da magst du alle Gesetze lindern, sonderlich im Fall der Noth. Und stehet der Spruch Pauli Röm. 13, 8. stark: Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet. Lieber, wer will hier über das Gesetz Pauli ein anderes Gesetz, das man halten müsse, machen? Und wenn es schon ge⸗ macht wird, durch Gelübde oder sonst, wie kannst du es schuldig sein zu halten, wie kann es binden, so der h. Apostel sagt: Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet? Darum die Gelübde, so wir es thun wollen, mögen wir wohl halten; wir sind sie aber nicht schul⸗ dig zu halten; Christus sagt Matth. 7, 12.: Das ist das Gesetz und die Propheten. Und ferner Matth. 22, 20.: In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Darum wider die Liebe oder über das Gebot der Liebe kann noch soll nichts binden, es bindet auch nichts, es sei Gebot oder Gelübde, was es auf Erden wolle. Nun ist leichtlich zu merken, warum es unmöglich ist und keineswegs ziemlich, die Gesetze Gottes zu lindern oder zu dispensiren in Ehebruch, in Mord, Dieberei; da keine Noth dringet und dergleichen; wiederum, warum man sie lindern möge