# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S358 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 358 Referat vom Gesetz. deinem Verbieten. Item, also saget er auch daselbst, daß man am Sabbath solle Gutes thun dem Nächsten, der es bedarf, wie hoch auch das Gesetz ver⸗ beut, etwas zu thun am Sabbath; sondern weil da Noth ist dem Nächsten zu helfen, soll die Liebe vorgehen und der Sabbath nichts gelten. Wo nun die Gesetze also wären in die Liebe gezogen und würden alle nach der Liebe gemeistert, so läge nichts daran, wie viel ihrer wären. Denn wer sie nicht möchte alle hören oder lernen, der könnte doch etliche, eins oder zwei hören und lernen, in welchen er doch dieselbe Liebe lernete, die in allen ge⸗ lehret wird. Und wenn er sie alle höret und lernet: könnte er die Liebe nicht in allen erkennen, so möchte er doch dermaleins in einem Gesetz sie er⸗ kennen. Diese Regel und Weise, die Gesetze zu meistern und zu verstehen, gibt auch hier St. Paulus, da er spricht: Seid niemand nichts schuldig, ohne daß ihr euch unter einander liebet. Item: Wer den andern liebet, hat das Gesetz erfüllet. Item: Alle Gebote werden in dem Gebot verfasset: Liebe deinen Nächsten als dich selber. Item: Die Liebe thut dem Nächsten kein Böses. Item: Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung. Alle Worte dieser Epistel schließen und sagen: daß die Liebe Meisterin sei über alle Gesetze. Wiederum, wo man die Gesetze lehret und treibt ohne Liebe und außer der Liebe, da ist kein größer Unglück, kein größer Unrecht, kein elenderer Jammer auf Erden. Denn daselbst ist das Gesetz nichts anderes, denn eine Plage und Verderben. Da ist das Sprüchwort wahr: Summum jus, summa injustitia, das strengste Recht ist das allerstrengste Unrecht. Und Salomon Pred. 7, 17.: Noli nimium esse justus, sei nicht allzu streng ge⸗ recht. Ja, da läßt man den Balken in unserm Auge stecken und kennen ihn nicht, und gehen damit um, daß wir das Spänlein aus unsers Nächsten Auge reißen; da macht man blöde, erschrockene und verzagte Gewissen, ohne alle Noth und Ursache, dazu mit großem Schaden an Leib und Seel. Und geschiehet allda große Mühe und Arbeit, und ist doch alles verloren. Daß wir das mit Exempeln beweisen: wo in dem obgesagten Fall, da David hun⸗ grig war (1 Sam. 21, 6.), der Priester ihm nicht hätte wollen die heiligen Brode geben, und wäre so blind gewesen, daß er auf dem Gesetz gestanden wäre und die Liebe nicht erkennet, und ihm die Speise versagt hätte, was wäre daraus worden? So viel als an ihm gelegen wäre, hätte David mußt Hungers sterben und hätte der Priester da einen Mord begangen um des Gesetzes willen; da wäre denn gewißlich nichts anders, denn summum jus, summa injustitia, das schärfeste Recht, das schärfeste Unrecht. Ueber das, wenn du in solches tollen Priesters Herz siehest, so findest du den greulichen Greuel, daß er Sünde und Gewissen machet, da keine Sünde und Gewissen ist; denn er hält, daß da Sünde wäre das Brod zu essen, so es doch Liebe und ein gut Werk wäre. Wiederum, hält er den Mord für keine Sünde, daß er David Hungers sterben ließe, sondern für ein gut Werk und Gottes⸗ dienst. Wer kann aber solche greuliche, blinde, verkehrte Thorheit genugsam erzählen? Denn mit solchem Handel thut er so übel, daß der Teufel nicht ärger thun könnte: nehmlich damit, daß er Sünde machet und Gewissen, da