# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1861_S357 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 357 37. Fines secundarii non sunt venditandi pro fine principali, nec eidem opponendi. (Gerh.) Untergeordnete Endzwecke sind nicht für den Haupt⸗Endzweck auszu⸗ geben, noch demselben entgegenzusetzen. 38. Deus homines, non semet ipsum ordini alligavit. (Kromayer.) Gott hat die Menschen, nicht sich selbst an die Ordnung gebunden. 39. Institutio obligat salvandum, sed non salvantem. (Scherzer.) Eine Gnadenstiftung verbindet den, der selig werden soll, nicht den, der selig macht. 40. Non defectus, sed contemtus sacramentorum damnat. (Bernhard.) Nicht der Mangel, sondern die Verachtung der Sacramente verdammt. Referat vom Gesetz. (Fortsetzung und Schluß.) 3. Zu dem rechten, auch in unseren Tagen seltenen Verständniß des Wortes: Liebe deinen Nächsten als dich selbst, gehört endlich auch dies, daß das Gebot der Liebe des Nächsten neben dem der Liebe Gottes das größte und vornehmste und daher die Liebe die Meisterin aller Gebote und der Maßstab der Erfüllung derselben ist, wie denn die Schrift (Röm. 13, 8—10.) ausdrücklich die Liebe des Gesetzes, und zwar nach Gal. 5, 14. aller Ge⸗ setze Erfüllung nennt. Hierüber schreibt Luther in seiner Kirchenpostille über die Epistel des 4. Sonntags nach Epiphaniä: „Man hat viel Bücher und Lehre gegeben, der Menschen Leben zu unterrichten, daß derselben weder Zahl noch Ende ist, und ist noch kein Aufhören, Bücher und Gesetze zu machen, wie wir sehen in geistlichen und weltlichen Rechten und geistlichen Orden und Ständen. Und wäre das alles noch zu leiden und eine sondere Gnade, wo solche Gesetz und Lehre alle würden gezogen und gehandelt nach dem Hauptgesetz, Regel und Maaß der Liebe; wie die h. Schrift thut, welche auch viel und man⸗ cherlei Gesetze gibt, aber allesammt in die Liebe zeucht und fasset, der Liebe auch dieselben alle unterwirft. Also, daß sie alle müssen weichen und nimmer Gesetz sein, noch etwas gelten, wo es die Liebe trifft. Deß lesen wir gar viel Exempel in der Schrift und sonderlich zeucht Christus selbst Matth. 12, 3. 4. 5. an, wie David mit seinen Gesellen die heiligen Schaubrode aß. Denn wiewohl daselbst ein Gesetz war, daß solche heilige Brode niemand sollte essen, ohne allein die Priester; so war doch die Liebe hier eine freie Kaiserin über dasselbe Gesetz und zwang es unter sich, daß es zu der Zeit mußte weichen und aufhören, da David Hunger leidet, und mußte ein solch Urtheil leiden: David leidet Hunger, dem soll man helfen; wie die Liebe spricht: Thue deinem Nächsten Gutes, wo ers bedarf. Darum laß ab, du Gesetz, und wehre ihm nicht solch Gut zu thun; sondern selbst thue ihm das Gute und diene ihm in der Noth und fange mir ihn nicht mit