# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 25_S86 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſo in dem dreißigjährigen Kriege eine Erfüllung der vielen Weiſſagungen erkennen, welche unſer theurer Luther wegen herrſchender Undankbarkeit gegen das Evangelium der ganzen Kirche, die ſich desſelbigen rühmen wollte, ſo nachdrücklich hinter⸗ laſſen hat. 4. Jemehr wir in dieſem Lande uns der kirch⸗ lichen Freiheit zu erfreuen haben, deſto mehr ha⸗ ben wir auch dieſe Gelegenheit zu ergreifen, Gott für dieſe große Wohlthat zu danken und zu einem rechten Gebrauche derſelben uns zu ermuntern, damit ſie uns und unſern Kindern nicht auch nach Gottes gerechtem Gerichte entriſſen werde. 5. Wir ſind es der Gemeinſchaft am Leibe Chriſti ſchuldig, uns mit allen ſeinen Gliedern der Vergangenheit und der Gegenwart in Freud und Leid zu vereinigen. Soll aber die erwähnte Gedächtnißfeier dieſen hier genannten Zwecken angemeſſen und eindring⸗ lich werden, ſo wäre es allerdings nöthig, daß eine kurze belehrende und erbauliche Geſchichte des dreißigjährigen Krieges und des darauf er⸗ folgten Friedens abgefaßt und vorher in unſern Gemeinden verbreitet würde. Sollte es aber dazu nicht kommen, ſo könnten wenigſtens vielleicht in gegenwärtiger Zeitſchrift einige Haupttheile jener merkwürdigen Geſchichte in kirchlicher Be— ziehung behandelt und namentlich auch darauf Rückſicht genommen werden, wie man vor hun⸗ dert Jahren in bibliſchen Texten, in Predigten, in Liedern, Gebeten u. ſ. w. jene geſchichtlichen Thatſachen kirchlich beurtheilt und die Jubelfeier darnach Gott gefällig und erbaulich eingerichtet hat. Wem nun hierzu aus jener Zeit zweckdienliche Schriften und Quellen zu Handen ſind, der ſollte ſie jetzt hervorſuchen und der Kirche zum Nutzen das Beſte daraus mittheilen. Da der Tag der Gedächtnißfeier erſt auf den 24. October fällt, ſo könnte auch auf unſerer Syno⸗ dalverſammlung darüber erſt eine gemeinſame Be⸗ rathung Statt finden und das Gutachten Ande⸗ rer gehört werden; wir haben nur vorläufig die Aufmerkſamkeit auf dieſen Gegenſtand anregen wollen und überlaſſen es namentlich auch dem Herrn Präſes unſerer Synode; ſowie unſern an⸗ dern lieben Amtsbrüdern, ob ſie es für nöthig fin⸗ den, ſchon vor der Zeit der Synodalverſammlung weiter auf die Sache einzugehen. — „Er hat ſeinen Engeln befohlen über dir, daß ſie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß ſie dich auf den Händen tragen, und du deinen Fuß nicht an einen Stein ſtößeſt.“ (Pſalm 91, 11. 12.) Der ehemalige fromme lutheriſche Profeſſor Dr. S. F. Lorenz in Straßburg erzählt aus ſeinem eignen Leben folgendes tröſtliche Erempel „der beſondern Vorſorge Gottes für ſeine Kinder, während ihrer mühſeligen Pilgrimſchaft auf Er⸗ den“, im 2ten Bande ſeiner „Gott geheiligten Sonntags⸗Ruhe“ Pag. 287, was wir mit ſeinen eignen Worten hier wiederholen. Als ich, ſchreibt er daſelbſt, im Monat October 1751 entſchloſſen 86 war, von Altenburg aus, wo ich mich einige Zeit bei meinen geliebten Freunden und Anverwandten aufhielt, ganz allein eine Reiſe nach Jena zu machen, verfertigte ich ein Lied, mit dem ich meine Gedanken auf derſelbigen in der Einſam⸗ keit angenehm unterhalten wollte. So feſt mein Glaube an die darin enthaltenen ſchriftmäßigen Wahrheiten durch die Gnade Gottes gegründet war, ſo dachte ich gleichwohl nicht, daß der treue Vater im Himmel das, was ich darin, ſeinem theuren Wort gemäß, ausgedrückt hatte, ſo gar genau, pünktlich und buchſtäblich erfüllen würde, als ich es zu meiner großen Beſchämung wirklich erfahren habe. Ich laſſe es deswegen, weil es mit der folgenden Geſchichte ſo genau zu⸗ ſammenhängt, und dem Glauben ein ſo ſchönes Perſpectiv giebt, von Wort zu Wort abdrucken. Es lautet alſo: 1. Bin ich gleich hier in fernen Landen, von allen Freunden weit getrennt, macht doch mein Hoffen nichts zu ſchanden, weil mich mein Gott und IEſus kennt. Bin ich dem Herzen gleich verborgen, das ſonſten für mein Beſtes wacht, genug, der HErr will ſelbſten ſorgen, der jenes Herz ſo zart gemacht. 2. O unergründliches Erbarmen! o unbe⸗ ſchreiblich ſüße Luſt! Er reißt mich aus den Vaterarmen, und legt mich ſelbſt an ſeine Bruſt. Er heißt mich in viel tauſend Segen von Eltern und Verwandten gehn. Er will des Kindes ſelbſten pflegen, das ſeine Huld ihm auserſehn. 3. Er lehrt mich in den weiten Feldern und in der Erde grüner Pracht, in Flüſſen, Gärten, Wieſen, Wäldern: Es iſt ein Gott, der für dich wacht. Der ſo das ſchöne Land gegründet, das dir dein erſtes Leben gab, iſt aller Ort, wo er dich findet, dein Stecken und dein ſtarker Stab. 4. Der Samen, der zu Haus dich nährte, keimt auch an dieſem Ort hervor; und was dir Gott daheim beſcherte, ſteht auch allhier im hoͤch— ſten Flor. Die Sonne, die dir dort geſchienen, iſts, die dich auch allhier erweckt. Ein Hüttlein wird auch hier dir dienen, das dich vor Froſt und Regen deckt. 5. Scheinſt du auch gleich auf fremder Straße von aller Hülfe ganz entblößt: lernſt du doch auch am kleinſten Graſe, daß du nicht ganz alleine gehſt. Der Gott, der dieſes Gräschen ſchützet, iſt viel mehr für dein Wohl bedacht, da du mit deſſen Blut beſprützet, der mit Ihm ſelbſt Ein Weſen macht. 6. Biſt du gleich ferne von Bekannten; was ſchadet's, da dir früh und ſpät ein Heer von glän⸗ zenden Trabanten umher um deinen Wagen ſteht? Was ſchadet's, wenn die Freunde ſcheiden, und kein Gefährte mit dir geht; da dich die Engel ſelbſt begleiten, und JEſus dir zu Seite ſteht? 7. Was achteſt du der Feinde Brüllen, da dich ein ſolcher Schutz bedeckt? Du wandelſt ja nach deſſen Willen, der auch die ſtärkſten Löwen ſchreckt. Kein Sturm noch Wetter darf dich kränken; er ſpricht, ſo wird es ſanft und ſtill. Er kann ja Wind und Wolken lenken, wann, wie, wo und wohin er will. 8. Die finſtre Nacht darf dich nicht ſchrecken, die über Land und Menſchen fällt. Will gleich E die Sonne ſich verſtecken: dein IEſus iſt das 1 Licht der Welt. Er, der die Sonne ſelbſt formi⸗ ret, darf keines fremden Lichtes nicht. Wenn deſſen weiſe Hand dich führet: iſt dir die Nacht U auch ſelbſten Licht. 9. Ich wohne hier in fremdem Lande: allein, in Gottes Eigenthum. Find ich gleich lauter Unbekannte, ſo kennt mich doch mein höchſter. Ruhm. Mein Hort, in den mein Herz verſenket, zeigt mir ſein holdes Angeſicht, und ſpricht: Mein Kind, ſei ungekränket! dein treuer Vater läßt dich nicht. 10. Mein Gott, den ich mir auserwähletl welch ungemeine Freudigkeit ſchmeckt meine dir geweihte Seele ſchon hier in dieſer Dürftigkeit! Wenn du in dieſen eiteln Jahren mir ſchon ſo vielen Segen ſchenkſt: was werd' ich dann erſt dort erfahren, wo du mit ganzen Strömen tränkt? 11. Wallt gleich mein Fuß auf fremder Erde: wird doch mein Herze hoch ergötzt, wenn es mit freudiger Geberde den Himmel ſich vor Augen ſetzt. Das Land, das ewiglich vergnüget, liegt von mir hier nicht weiter ab, als es von jener Gegend lieget, die mir den erſten Odem gab. 12. Sei nur getroſt und ſtill, mein Herze! der Himmel ſorget ſelbſt für dich. Sei unverzagt in Leid und Schmerze: denn Jeéſus liebt dich ewiglich. Will ſelbſt der Tod den Lauf vollen⸗ den: du bleibſt in deines JIEſu Hand. Dits heißt die Reiſe ſelig enden; er führt dich in dein Vaterland. Mit dieſem Stoff heiliger Gedanken verſehen, ſetzte ich mich denn Morgens frühe den 12. Octo⸗ ber in den hiezu von mir gemietheten Neiſewagen, und kam auf den Mittag in dem damals ſehr ſchönen und niedlichen Gera an. Als ich allda, während der Zubereitung des Eſſens, mich an die Thür der Herberge auf den Markt ſtellte, kam ein kleiner, zwar unanſehnlicher, doch ſehr freund— licher Mann zu mir, nannte mich mit Namen, und fragte, ob ich nicht der Schwager des Herrn Generalſuperintendenten zu Altenburg wäre? Ich wunderte mich, hier gekannt zu werden, da ich nicht vermuthete, einen Menſchen hier zu finden, welcher wüßte, wer ich wäre? Ich bejahte dann E die Frage: und nun mochte ich gerne wiſſen, wer denn er wäre?“ Er ſagte mir ſeinen Namen nicht, ſondern nur, daß er ein Amt auf der Leuchtenburg hätte, welches ich von dem mir wohl bekannten Bergſchloß dieſes Namens verſtund, das dem Herzog von Gotha gehörte. Er fragte nun weiter: wo ich hin gedächte? Antw.: Nach Jena.“ Er: „Ey, ſo habe ich die Ehre, Sie zu begleiten.“ Ich: „Ob er denn auch Geſchäfte da hätte?“ Antw.: „Er wäre einen andern Weg gezogen, aber meine Geſellſchaft zu genießen, ſo wollte er jetzt die nemliche Straße ziehen.“ ö Ich dachte, es wird nicht viel nützen, (denn er war zu Pferd, ich in einem bedeckten Wagen, daß wir nicht leicht mit einander ſprechen konnten) wäre auch am liebſten in der mir ſo angenehmen Einſamkeit geblieben, um mich mit dem Stoff! meines Liedes deſto ungeſtörter zu unterhalten: doch ließ ich es gut ſein, und antwortete in der