# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S351 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 351 Schulen erbaut oder bauen doch daran. Die Regierung schützt sie überall gegen den Fana⸗ tismus der Geistlichkeit und des Pöbels, und es macht einen wohlthuenden Eindruck, wenn man liest, wie das Ministerium in Turin selbst gegen die Gouverneure der verschiedenen Provinzen den armen, ohnmächtigen Waldensern ihre Freiheit aufrecht zu erhalten und zu schützen weiß. Denn die Waldenser haben sich nicht nur nicht begnügt, ihre Gemeinden in Piemont auszubreiten, wo sie neuerdings in Aosta eine Station gegründet haben, sondern sind jetzt mit den piemontesischen Waffen über ganz Italien verbreitet. Nach Florenz haben sie ihre theologische Schule verlegt, in Livorno, Mailand, Bergamo und Brescia halten sie Gottesdienst. Kürzlich haben sie auch in Palermo eine Missionsstation gegründet. Neue Testamente und Traktätlein hatten sie schon voriges Jahr kurz nach der Eroberung Siciliens durch Garibaldi hierher geschafft. Da dieselben ungeachtet der Machinationen des palermi⸗ tanischen Klerus, der durch einen Anschlag an allen Kirchenthüren vor diesen gottesläster⸗ lichen Schriften und den sittenlosen Romanen von Dumas, Sue, Kock ꝛc. warnte, viele Leser fanden, so bestimmte dieser Erfolg eben die Synode der Waldenser, einen ihrer Geist⸗ lichen nach Sicilien zu senden. Trotz dieses Aufschwungs, den hiernach die Waldenserkirche genommen hat, muß man doch sehr zweifelhaft sein, ob die Sache von Bestand sein wird. Der Indifferentismus in allen religiösen Angelegenheiten ist unter den einflußreichen Classen der Bevölkerung zu groß, als daß man sich etwas Gutes versprechen könnte, und dann ist doch auch nicht außer Acht zu lassen, daß der Katholicismus in seiner gegenwärtigen Ge⸗ staltung wesentlich ein Product des Volksgeistes der romanischen Nationen besonders aber des italienischen Volkes ist. Die Kirchenfeste sind ja hier auch die einzigen Volksfeste; der kirchliche Pomp, das Flitterwerk sagt einmal dem größten Theile der Bevölkerung zu; die Kirche befriedigt nicht allein die religiösen Bedürfnisse, sondern auch einen großen Theil der ästhetischen, kurz, es müßte eine viel tiefer gehende Erschütterung, als die bisher erlebte war, durch Italien gehen, wenn eine religiöse Umgestaltung eintreten sollte. Wo gegenwärtig in manchen Beziehungen Umwandelungen eingetreten sind, da hat sie die vorübergehende Nothwendigkeit abgedrungen. Das Volk ist keineswegs damit einverstanden, daß man das Fest der heiligen Rosalie in Palermo dieses Jahr sehr vereinfacht hat und das große Madon⸗ nenfest in Messina in der Mitte dieses Monats fast ganz ausfallen lassen will. Hier hatte der Stadtmagistrat schon 5000 Ducati dazu ausgeworfen, als politische Bedenken gegen die Festfeier rege wurden. Der Zusammenfluß vieler Tausende könnte, so fürchtete man, von den Unzufriedenen zu allerlei Ruhestörungen benutzt werden, und da man außerdem sehr viel Ausgaben schon die Jahre über gehabt hatte und bei der neuen Organisation der Bürger⸗ wehr voraussichtlich noch haben wird, so beschloß man für dieses Jahr von der Festfeier abzu⸗ stehen. Das Volk erwartet aber allgemein, daß die Väter der Stadt es in Zukunft nicht um sein Vergnügen bringen werden. (Allgem. K.-Z.) Königsberg. Das Concilium generale (Gesammtheit der ordentlichen Profes⸗ soren) der Universität zu Königsberg hat die Aenderung der Statuten in dem Sinne, daß Katholiken und Juden den Lehrstuhl besteigen dürfen, abgelehnt. Dagegen soll in Aus⸗ nahmefällen dem Minister die Berufung eines Katholiken oder Juden empfohlen werden. Für die Zulassung von Juden, aber gegen die der Katholiken sprach besonders der Hegeliani⸗ sche Philosoph Rosenkranz, weil der Katholik die Wissenschaft seinem kirchlichen Dogma un⸗ terordnen müsse. Spanien. Nach der Allgemeinen Kirchenzeitung werden gegenwärtig in Spanien alle, welche eine Hinneigung zum Protestantismus verrathen, hart verfolgt. In einem Briefe von dort her vom 26. März heißt es: „Die Verfolgung fährt mit neuer Kraft fort in Sevilla, und wenn der gegenwärtige Stand der Dinge fortdauern sollte, so würde es schon hinlänglich sein, den Namen Bibel auszusprechen, um sich ins Gefängniß setzen zu lassen. Wir sind in die Zeiten Ferdinands VII. zurückversetzt.“ Baden. Zum Schluß der Badenschen Generalsynode, auf welcher man bekanntlich eine neue dem Zeitgeist angepaßte Kirchenverfassung fabricirt hatte, hielt Geheimer Kirchenrath Rothe eine Predigt, darin er erklärte: „Mit der Annahme der Verfassung sei nicht nur nicht alles, sondern sogar das Wenigste gethan. Das Schwierigste beginne nun