# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S350 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 350 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. „Und Offiziere gewesen. Aber die wahre Ursache unseres Unglücks war unsere furchtbare „Sünde gegen das Gesetz Gottes. Der Plan der Schlacht wurde für einen Sonntag ent⸗ „worfen und dieselbe an diesem Tage geschlagen. Wäre sie auf den Montag verschoben „worden, so würde man aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zurückgeschlagen worden sein. „Die Sabbathsruhe würde unsere Armee gerettet haben. In der „That man focht mit einer Tapferkeit, die unvergleichlich war, und dies obendarein gegen „das schrecklichste Mißverhältniß. Aber menschliche Natur konnte nicht stehen gegen die „ewigen Gesetze, die Gott dem Werk seiner Hände aufgedrückt hat. Erschöpft von der „Schlacht des vorhergehenden Donnerstags, von der Hitze und von der Aufregung fort⸗ „währender Scharmützel bedurfte die Natur Ruhe und den Geist, die moralischen Einflüsse, „welche der Sabbath und das Wort mit sich bringen. Aber Krieg ohne Religion begon⸗ „nen „weiß von keinem Sabbath,“ und der Tag des Herrn muß gebrochen werden, je „nachdem es den „Civilians“ passend ist! Der Ausgang hat uns vor der Welt mit Scham „und Demüthigung bedeckt. Möge dies zu einer aufrichtigen Reue und zu einer Reforma⸗ „tion für alle kommenden Zeiten führen.“ So weit das betreffende Aktenstück. Für Herrn Dr. Passavant können wir schließlich nicht umhin, folgende Bemerkung beizufügen: So erfreulich es ja immerhin ist, daß der werthe Herr Dr. jetzt selbst zu bereuen scheint, in Obigem die falsche, schrift⸗ und symbol⸗ widrige Lehre vom Sabbath vertreten zu haben: so müssen wir doch seinethalben sehr bedauern, daß er sich in der dargelegten unglücklichen Weise aus der Affaire zu ziehen gesucht hat. Es ist ihm dies gerathen, wie alle dergleichen Versuche zu gerathen pflegen. In die Sünde, die er auf Unschuldige gewälzt hat, ist er leider selbst wirklich hineingefallen. A. C. II. Ausland. Baden. Der jüdische Orientalist Weil ist zum ordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt worden. Eine natürliche Frucht der lieben Union. Messina, 4. August. Die Frage, ob in Folge der großen politischen Ereignisse sich auch bedeutende religiöse Veränderungen in Italien vorbereiten werden, ob namentlich eine protestantische Bewegung um sich greifen werde, ist bekanntlich sehr verschieden beantwortet worden. Cavour hat betont, die Italiener seien ein im strengsten Sinne katholisch gesinntes Volk und sie würden es auch, trotz der augenblicklichen Wirren mit dem Statthalter Christi auf Erden, bleiben. Garibaldi und sein Feldprediger Gavazzi versichern dagegen den Eng⸗ ländern, die Anhänglichkeit der Italiener an den Stuhl Petri sei verschwunden, im Herzen seien die meisten schon Protestanten. Cavour wird in dieser Frage, sowie in vielen andern, gegen Garibaldi Recht behalten und man kann sich die Behauptungen Gavazzi's nur dadurch erklären, daß er die religiösen Leidenschaften der Engländer zum allgemeinen Besten seines Vaterlandes wach erhalten und ausbeuten will. Denn Gavazzi muß wissen, was Garibaldi vielleicht nicht weiß, daß ein himmelweiter Unterschied zwischen den sogenannten protestanti⸗ schen Gesinnungen seiner Mitbürger und den Grundanschauungen des historischen Prote⸗ stantismus besteht. Nennt man freilich alles das protestantisch, was den Glaubens⸗ satzungen der römisch-katholischen Kirche widerspricht, dann gibt es in Italien viele Prote⸗ stanten. Aber so ausgeweitet ist doch der Begriff des Protestantismus noch nicht, und man wird deßhalb nur sagen können, es gibt in Italien viele Akatholiken, namentlich unter den gebildeten Ständen, aber sehr wenig protestantisch Gesinnte. Denn damit, daß man an die Wunder der Heiligen nicht glaubt, den Heiligendienst verspottet, gegen die Ohrenbeichte und das Cölibat der Geistlichen u. s. w. eifert, ist man eben noch kein Protestant. — Diese Be⸗ trachtungen drängten sich mir auf, als ich den Rapport de la commission d'evangelisation au Synode de l'eglise Vaudoise für das letzte Jahr durchblätterte, um Ihnen daraus einige Mittheilungen zu machen. Erst seitdem Piemont die constitutionellen Bahnen betreten hat, haben die Waldenser öffentlichen Gottesdienst halten dürfen. Die Regierung hat ihnen volle Freiheit des Cultus zugestanden, und dieselben haben von dieser Freiheit Gebrauch zu machen gewußt. Sie haben in Pignerol, in Turin, Alessandria, Casale, Voghera, Cour⸗ mayeur im oberen Dora-Baltea-Thale, in Genua, Favale und Nizza schon Kirchen und